Ligaturen

17.08.2006 09:00:00
Die besonderen Buchstabenverbindungen geraten im Computersatz zunehmend in Vergessenheit, sind für Überschriften aber noch immer wichtig - ihre Besonderheiten und Einsatzgebiete ...

Wenn in einer Schriftart zwei oder mehr Buchstaben zu einer optischen Einheit verbunden werden, nennt man das dabei entstehende Zeichen eine Ligatur. Notwendig wurden Ligaturen vor allem durch den Bleisatz, um Unterschneidungen und damit Leerräume zwischen den Lettern zu vermeiden. Aber bereits zuvor gab es historisch gewachsene Ligaturen, wie das "ß", dessen Herkunft umstritten ist, oder das "&" aus "e" und "t". In Zeiten des Computersatzes nimmt die Bedeutung von Ligaturen aber immer weiter ab. Warum aber sind heute gerade in Überschriften Ligaturen wichtig, welche Besonderheiten muss man beachten und warum sind gerade OpenType-Schriften hierfür bestens geeignet?

Die Ligatur

Unter einer Ligatur versteht man im typografischen Satz eine Buchstabenkombination von mindestens zwei Zeichen, die im Bleisatz auf einen Schriftkegel zusammengesetzt wurden. Aber auch zum Zweck des schnelleren Schreibens und vor Erfindung des Bleisatzes verwendete man bereits diese Verbindung von zwei oder mehr Buchstaben zu einer optischen Einheit. Auf diese Weise entstanden im Laufe der Zeit aus ehemaligen Ligaturen heute feststehende Zeichen, wie das Kaufmnanns-Und "&" oder das Prozentsymbol "%". Das Kaufmanns-Und entstand aus der in der Schreibschrift zusammengezogenen Kombination der Zeichen "e" und "t" (für lat. "et"="und"). Das Prozentsymbol hingegen ist eine Ligatur der Buchstabenkombination cto (ital. cento = hundert). Ligaturen entstanden aber nicht nur aus der Schnellschrift heraus, sondern auch aus Gründen der besseren Lesbarkeit. Im Bleisatz galt dies vor allem für Buchstaben mit Oberlängen (z. B. f, i, l, t), die stark unterschnitten werden mussten, um folgende Leerräume zu vermeiden. Dabei aber berührten sich die Oberlängen unweigerlich. Die Ligatur löste das Problem auf elegante Weise - jedoch für jede Schriftart unterschiedlich. Denn Ligaturen sind nur Stilmittel. Sie können, müssen aber nicht verwendet werden und werden auch in jedem Schriftschnitt anders umgesetzt.

Häufige Ligaturen

Im Bleisatz wurden deshalb für jeden Schriftschnitt die jeweiligen Ligaturen auf einem Schriftkegel gegossen. Auf Grund der unterschiedlichen Oberlängen aber gab es für die einzelnen Schriftfamilien auch andere Ligaturen. Im deutschsprachigen Raum sind dabei besonders häufig die folgenden Verbindungen anzutreffen: , , , ft sowie deren Kombinationen (ffi, ffl usw.). Daneben kommt es wesentlich seltener zu Buchstabenverbindungen aus fk, fj, fh, fb, fz, ll, st, ch, ck, ct, tt, tz, kk, Qu, i, , t, ch. In der Schriftgattung Antiqua aber finden sich davon beispielsweise nur die Ligaturen ff, fi, fl, ae und ce.

Die Ligatur "ß"

Auch der heute nur im deutschsprachigen Raum vorkommende Buchstabe "ß" entstammt ursprünglich einer Ligatur, jedoch streiten sich die Fachleute darüber, welche Ursprungsbuchstaben zu diesem Zeichen führten. Eine Fraktion vertritt die Ansicht, das "ß" setzt sich aus dem sogenannten "langen s" und dem "Schluss-s" zusammen. Typografisch gesehen lässt sich dies beim Zusammenfügen der beiden Zeichen sehr gut nachvollziehen. Jedoch gibt es auch Hinweise, dass unser auch "eszett" genannter Buchstabe in Wirklichkeit einer Kombination aus langem s und z entstammt. Schilder in Frakturschrift, wie sie im östlichen Teil Berlins noch zu sehen sind, deuten auf diese Herkunft ebenso hin, wie die Namensgebung "eszet".

Einsatzregeln von Ligaturen

Bei der Nutzung von Ligaturen gibt es aber auch gewisse Einsatzregeln. Beispielsweise muss man auf Silbentrennung achten, weshalb zwei Wortstämme nicht durch eine Ligatur verbunden werden dürfen (z. B. bei Kauf-leute keine fl-Ligatur). Normale Silben hingegen können durch eine Ligatur verbunden werden, wobei diese, wenn es zu einer Silbentrennung im Text kommt, wieder aufgehoben werden muss. Generell kann man also von dem Grundsatz ausgehen, dass getrennt gesprochene Buchstaben nicht in eine Ligatur eingebunden werden können (Beispiele: Lu-ft-zug, Ka-tz-e aber Ma-trat-ze, Kauf-haus, fünf-tel). Eine Ausnahme hiervon bilden allerdings mit i beginnende Nachsilben, wie -ig, -in, -ich, -isch. Sie werden auch bei getrennt gesprochenen Buchstaben als Ligatur gesetzt (Beispiel: häuf-ig mit fi-Ligatur).

Das langsame Verschwinden der Ligaturen

In Zeiten des Computersatzes nahm die Zahl der Ligaturen und deren Einsatz zunehmend ab. Der Grund lag in der beinahe beliebigen Positionierung der einzelnen Buchstaben auf dem virtuellen Arbeitsblatt. Der Abstand der Zeichen zueinander konnte so zu Anfang beliebig eingegeben werden und wurde später durch in der Schrift hinterlegte Automatismen bereits im Vorfeld so bestimmt, dass es zu keinen Zwischenräumen mehr kommt. Mit dieser Umstellung änderten sich aber auch unsere Lesegewohnheiten, so dass ein heutiger Leser in den 50er Jahren noch häufig genutzte Ligaturen gar nicht mehr erkennen könnte. Viele Ligaturen gelten deshalb heutzutage geradezu als den Lesefluss hemmend und die Ligaturen verschwinden zunehmend in unserem Schriftbild.

Ligaturen in Überschriften und Schreibschriften

Auf Grund des technischen Fortschritts und der meist sehr gut gestalteten Computerschriften, welche Unterschneidungen im Mengensatz bereits berücksichtigen, verzichtet man heutzutage also weitestgehend auf Ligaturen. Mit zwei Ausnahmen: In Überschriften und bei Verwendung von Schreibschriften. Die Nutzung von Ligaturen in Überschriften empfiehlt sich vor allem aus ästhetischen Gründen. Gerade bei großen Schriftschnitten empfindet das Leserauge entstehende Lücken ebenso als besonders störend, wie eng aneinander gedrückte Buchstaben. Genauso verhält es sich bei weitschweifig angelegten Schreibschriften, deren Ober- und Unterlängen ansonsten leicht zu Berührungen neigen könnten.

OpenType - Quelle für Ligaturen

Wie aber kann ich Ligaturen aus Computerschriften erstellen? Nur durch die Verringern der Unterschneidungen, also Kerning der einzelnen Buchstaben, erhält man noch keine Ligatur. Und leider sind noch in sehr wenigen Schriften Ligaturen von Haus aus enthalten. Denn zum Einsatz können die besonderen Buchstabenkombinationen nur dann kommen, wenn der Schriftdesigner diese auch erstellt und in seine Schriftart eingebaut hat. Dies ist vor allem in OpenType-Schriftarten häufiger der Fall, weil sie einen erweiterten Schriftsatz beinhalten können und somit auch Ligaturen zu speichern in der Lage sind. Meist erkennen diese Schriften automatisch, wenn eine Ligatur angebracht ist und ersetzen die Buchstabenkombination durch das entsprechende Zeichen. Ein Paradebeispiel für die Umsetzung dieses Vermögens bietet die OpenType-Schrift Zapfino, bei der während des Schreibens automatisch Ligaturen eingesetzt werden, da diese für die unterschiedlichsten Zeichenkombinationen hinterlegt wurden.

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» OpenType-Schriftarten
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» Schreibregeln für Zahlen
» Registerhaltigkeit
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