Lesbarkeit verbessern

27.04.2006 09:00:00
Das Wissen darüber, wie der Mensch liest ist wichtig für den richtigen Textsatz - wie Sie Schrift setzen ohne den Lesefluss zu beeinträchtigen ...

Beim Lesen wollen wir nicht gestört werden, weder von äußeren Einflüssen noch vom Schriftbild selbst. Andernfalls kann es passieren, dass wir die Lust am Lesen eines Textes verlieren. Dann erreicht uns die im Text enthaltene Botschaft nicht. Doch gerade in der Werbung ist es wichtig, dass die Texte wahrgenommen und nicht zuletzt gelesen werden. Für Layouter ist es deshalb wichtig, die Grundregeln des menschlichen Leseverhaltens zu kennen und im Schriftsatz umzusetzen, soll der Textinhalt tatsächlich erfasst werden.

Wie der Mensch liest

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich der menschliche Lesefluss in drei Phasen aufteilt: Sakkaden, Regression und Fixation. Sakkaden sind dabei die schnellstmöglichen (unbewussten) Bewegungen des Auges, bei dem das Teilstück eines Wortbildes oder auch das ganze Wortbild wahrgenommen werden. Denn geübte Leser setzen sich geschriebene Texte beim Lesen nicht aus den einzelnen Buchstaben zusammen, sondern erkennen an den Wortbildern, um welches Wort es sich handelt. Aus diesem Grund können wir auch Wörter erkennen, deren erster und letzter Buchstabe sowie die Buchstabenzahl richtig sind, die Buchstaben dazwischen aber können durcheinander geraten sein. Das Auge wandert also bei den Sakkaden von einem interessanten Punkt zum nächsten, kann aber auch bei Ungereimtheiten wieder zurückspringen. Diesen Vorgang nennt man Regression. Das Zurückspringen kommt um so häufiger vor, je schwerer der Text zu lesen ist. Doch bei all diesem Hin- und Herhüpfen der Augen wird dem Text noch kein Sinn entnommen. Dieser wird erst bei der Fixation aus dem Erkannten herausgezogen. Das Auge gerät dabei in eine Art kurzer Ruheposition und verschafft dem Gehirn die Zeit, aus den Einzelteilen ein Gesamtbild mit Sinn zu erzeugen. Laboruntersuchungen zeigten, dass die Fixation bis zu 90% und damit den größten Teil der Lesezeit einnimmt.

Gute Lesbarkeit

Der Leser benötigt bei schwierigen Texten mehr Sakkaden und Regression und seine Gesamtlesezeit verlängert sich. Dabei ermüdet man schnell und wendet seine Aufmerksamkeit lieber anderen Dingen zu. Will man daher einen Leser in den gedruckten Text hineinziehen und sein Interesse wach halten, ist die sogenannte gute Lesbarkeit das A und O für ein Schriftstück. Denn nicht alleine viele unbekannte Worte und Fremdwörter erschweren das Lesen eines Textes, auch der Schriftsatz an sich spielt eine wesentliche Rolle dabei, ob ein Text als gut oder als schlecht verständlich und/oder lesbar eingestuft wird. Gut lesbar sind nämlich vor allem Texte mit einem harmonischen Schriftbild, einem guten Grauwert und gut erkennbaren Wortbildern.

Harmonisches Schriftbild: Wort- und Zeichenabstände

Eine wichtige Voraussetzung für die gute Lesbarkeit ist das harmonische Schriftbild. Dieses wiederum setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dem Wortabstand, dem Zeichenabstand und nicht zuletzt den Zeilenabständen. Stimmt einer der drei Faktoren nicht oder wirkt zu eng oder zu weit, kann sich dies auf die Lesedauer und damit die Aufmerksamkeit des Lesers auswirken. Denn leere Räume und Abstände gönnen dem Auge nicht nur Ruhephasen, sie können dieses auch "aus dem Takt" geraten lassen. Zu eng gehaltene Buchstaben verschmelzen Zeichen, wohingegen weite Abstände irritieren. Deshalb sollte man bei den Zeichen darauf achten, dass deren Laufweite - also der Abstand der Buchstaben zueinander - einen optimalen Wert aufweist. Mit dem Desktop Publishing und guten Schriftschnitten sind diese meist von Hause aus relativ optimal eingestellt, weshalb man es tunlichst vermeiden sollte, die Laufweite einer Schrift zu verändern. Ausnahme hiervon ist jedoch, wenn ein Schriftschnitt beispielsweise vornehmlich für kleine Punktgrößen konzipiert wurde. Dann kann es vorkommen, dass bei größeren Werten die Laufweite verringert werden muss. Doch mit der Vergrößerung der Buchstabenlaufweite sollte auch der Wortzwischenraum erhöht werden. Zu kleine Abstände der Wörter fordern den Leser nahezu dazu auf, zwei Wörter miteinander zu verbinden - er gerät ins Stolpern. Der optimale Wortzwischenraum hingegen entspricht in den meisten Fällen dem Drittelgeviert (normale Schriftschnitte) bzw. der Punzenbreite (schmale Schriftschnitte). Dies entspricht dem Innenraum eines kleinen n des Schriftschnittes.

Unter dem Begriff Geviert versteht man ein Quadrat, dessen Seitenlänge der Höhe eines Schriftkegels entspricht. Dieses Maß entstammt dem Bleisatz. Durch das Anlegen des Quadrats über einen Buchstaben entsteht der Mindestabstand, wobei viel Raum einnehmende Buchstaben wie das M auf einem ganzen Geviert liegen, schmalere Zeichen hingegen Teile davon nutzen. Vom Geviert lassen sich die breiten Halbgeviert, Drittelgeviert usw. ableiten. Die Punze hingegen bezeichnet den Innenraum eines Buchstabens.

Zeilenabstände und Grauwert

Ebenso wie der Zeichen- und der Wortabstand ist auch der Zeilenabstand für die Lesbarkeit eines Textes von hoher Bedeutung. Dieser wird von Schriftlinie zu Schriftlinie gemessen und sollte wie auch die anderen freien Räume eines Textblockes optimal zur Schriftart und deren Größe gehalten werden. Bei Punktgrößen von 9 bis 12 gilt dabei die grobe Regel von 120 Prozent der Schriftgröße. Große Schriften vertragen hingegen mitunter sogar einen negativen Zeilenabstand. Wichtig ist, dass der Grauwert eines Textes darunter nicht leidet. Er ist quasi das Gesamtbild eines Textblocks und sollte harmonisch wirken, soll der Textfluss beim Lesen erhalten sein. Unterbrechungen wie durch Unterstreichungen einzelner Wörter oder fette Auszeichnungen unterbrechen den Grauwert ebenso, wie eng aneinander sitzende Zeilen, die den Block dunkler erscheinen lassen. Nur eine gleichmäßige Verteilung aller Abstände und Weißräume schafft hingegen einen gleichmäßigen Grauwert und erhöht damit deutlich die Lesbarkeit.

Zeilenlänge und Flattersatz

Neben der Harmonie eines Textblockes entscheidet aber auch die menschliche Aufnahmefähigkeit darüber, wie lesbar ein Text ist. Durch die Unterteilung während des Lesevorgangs in Sakkaden schaffen wir nur maximal sieben bis zwölf Sakkaden pro Zeile. Muss das Auge öfter springen, ermüdet es sehr leicht und verliert die Zeile. Diese Sakkadenzahl entspricht in etwa einer Zeichenzahl von 40 bis 60 (inkl. Leerräumen) und sollte auch nicht unterschritten werden. Denn auch bei Zeilen unter 35 Zeichen wird das Auge und die Auffassungsgabe überanstrengt. Ein weiterer und oft sehr strittiger Punkt neben der Länge einer Zeile ist die Ausrichtung derselben. Wählt man lieber Block- oder lieber Flattersatz? Viele Studien vertreten die Meinung, dass der Flattersatz ein ruhigeres Lesen gewährleistet, auch wenn er optisch den Textblock nach links aufreißen lässt. Der Grund hierfür liegt darin, dass beim Flattersatz ein immer gleichen Wortabstand gewährleistet ist, wohingegen im Blocksatz die Wörter auseinander gerissen werden. Wie oben bereits beschrieben sollte der Abstand der Worte zueinander immer harmonisch sein, will man eine hohe Lesbarkeit erreichen und dies ist mit einem Blocksatz nahezu oder nur mit viel Trickserei möglich. Andere Ausrichtungen, wie rechtsbündig oder mittig, widersprechen zudem unseren Lesegewohnheiten und strengen das Auge zusätzlich an. Sie sollte man nur anwenden, wenn eine Irritation oder eine Hervorhebung ausdrücklich erwünscht sind.

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