Kritik an Designvorschlägen

03.08.2006 09:00:00
Wenn Kunden die kreative Arbeit kritisieren muss zwischen künstlerischer Integrität und Sicherheit des Jobs abgewogen werden - Respekt und Fairness helfen ...

Neben künstlerischen Geschick muss ein Grafikdesigner vor allem eines können: Kritik des Kunden entweder aushalten und entsprechend der eigenen Meinung abschwächen oder akzeptieren. Wer hingegen gar keine Ratschläge beherzigt erscheint schnell hochnäsig und wer alles kommentarlos hinnimmt wirkt unkreativ. Was aber kann oder sollte man an Kritik zulassen? Was ist noch fair im Kampf zwischen künstlerischer Integrität und Jobsicherheit? Und wie kann man sich den Respekt gegenüber dem Kunden bewahren, ohne sein eigenes Ego zu verlieren?

Kritik an der kreativen Leistung

Vielleicht kennen Sie diese Situation: Sie arbeiteten tage- und nächtelang an einem kreativen Projekt. Heraus kamen einige - aus Ihrer Sicht - wirklich fantastische Entwürfe, die den Auftraggeber vom Stuhl hauen sollten. Sie sind sich ganz sicher: diese Arbeit ist das Nonplusultra. Ihr Herzblut und all ihre kreative Leidenschaft stecken darin. Doch nachdem Sie die Entwürfe abgegeben haben, kritisiert der künftige Auftraggeber Form, Farbe und vielleicht auch den gesamten Duktus des Entwurfs. Sie fühlen sich angegriffen und denken, der Kunde will nur über den Preis verhandeln. Ihr Ego ist gekränkt und Sie würden am liebsten den Auftrag nicht annehmen, doch die wirtschaftlichen Verhältnisse zwingen Sie dazu, einzulenken, um den Auftrag zu erhalten. Sie müssen sich wieder einmal eingestehen, dass ein Grafiker nicht als Künstler agiert, sondern in einem System arbeitet, in dem die letzte Entscheidung der Auftraggeber fällt. Wer sich aber als Grafiker in der Zusammenarbeit als schwierig erweist, der gewinnt keine Kunden.

Kritik als Motivation?

Doch nicht nur Grafikern geht es bei Kritik so. Jeder Normalsterbliche reagiert auf Kritik ähnlich. Doch scheiden sich bei der Wirkung kritischer Äußerungen die Geister: Ist sie tatsächlich unerlässlich, um über den eigenen Tellerrand hinwegblicken zu können? Oder demotiviert sie nicht eher und bremst die Kreativität aus? Tatsächlich wirkt Kritik auf Menschen ganz unterschiedlich. Fühlt sich der eine angeregt und motiviert, reagiert der andere frustriert und verletzt. Und wenn dann auch noch das ganze Herzblut in einer Arbeit steckt, wirkt sich Kritik zerstörerisch aus. Dabei kann sie auch die kreativen Flügel beschwingen, vorausgesetzt man geht auf die richtige Art und Weise damit um. Und gerade das muss ein guter und vor allem erfolgreicher Grafikdesigner bewerkstelligen können, will er weiterhin einen guten Kundenkontakt haben. Denn schon Victor Hugo sagte: "Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen."

Mit Kritik richtig umgehen

Gerade Grafikdesigner sollten also lernen, mit Kritik umgehen zu können und gegenüber dem Kunden auch ab und zu das Ego in den Urlaub zu schicken. Denn der Kunde hat zwar in den wenigsten Fällen mehr Ahnung von Design als Sie, kann aber dennoch eine Schwäche oder einen Fehler aufspüren. Lernen Sie also, immer erst einmal die Kritik anzuhören, abzuwägen und dann zu entscheiden, ob das Gehörte von Ihnen angenommen werden kann. Gehen Sie also nicht gleich zum Gegenangriff über oder verteidigen Sie ihre Arbeit, sondern überprüfen Sie zunächst, ob Sie aus der Kritik etwas lernen können.

Leichter gesagt als getan? - Übungen

Das ist leichter gesagt, als getan, wollen Sie jetzt einwenden? Nicht immer können Sie ihre künstlerische Integrität im Kampf mit dem unwissenden Gegenüber aufgeben? Bedenken Sie vor jedem Gefühlsausbruch, dass Ihr Gegner Ihr Auftraggeber ist. Und dass Sie schnell als hochmütig, trotzig und damit unprofessionell eingestuft werden könnten. Das wiederum hätte Auswirkungen auf Ihren Ruf in der Branche und bei anderen Auftraggebern. Lernen Sie also, zunächst der Hitze der Kritik Stand zu halten. Einige Übungen können hierbei helfen:

Durchatmen
Bei Kritik stockt einem meist erst einmal der Atem, der Stresspegel steigt sprunghaft an. Stress aber ist immer ein Teil der Designbranche und den Umgang damit lernt man nicht im Studium. Atmen Sie deshalb zunächst einmal tief durch. Wiederholen Sie diesen Vorgang mehrmals und Sie werden merken, dass Sie ruhiger werden. Zudem vermindert sich der Impuls, zum Gegenangriff überzugehen.

Distanz aufbauen
Nehmen Sie Kritik nicht immer so persönlich! Nicht Ihre Arbeit ist damit gemeint, sondern der Kunde will eben seinen persönlichen Stil durchsetzen. Distanzieren Sie sich deshalb vor einem Kundengespräch emotional von der Situation und lassen Sie Kritik nicht zu sehr an sich heran. Akzeptieren Sie die Kritik, nehmen Sie sie an, aber lassen Sie nicht zu, dass Ihr Herzblut davon getroffen wird. Gehen Sie hierzu einfach innerlich einen Schritt zurück und überdenken Sie, wie ein Außenstehender die Situation sehen würde. Lassen Sie notfalls die Anmerkungen etwas sacken, erbitten Sie sich Bedenkzeit und diskutieren Sie das Gehörte mit einem Dritten. Oft merkt man so schneller, ob die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht.

Nicht alles akzeptieren
Dennoch müssen Sie natürlich nicht jede Art von Kritik willenlos akzeptieren. Oft wirkt es sogar professioneller, wenn Sie auf die Kritik sachlich eingehen und aufzeigen, warum Ihnen manche Punkte daraus nicht gerechtfertigt erscheinen. Sie haben das Wissen, die Argumente hierfür sachlich vorzubringen. Nutzen Sie dieses Wissen und beginnen Sie derartige Diskussionen immer mit etwas Positivem. Denn auch Sie können mit Kritik besser umgehen, wenn Ihr Gegenüber zunächst etwas Positives sagt. Diese Kommunikationsregel können Sie bei Bedarf auch einfordern, indem Sie fragen, ob der Kunde auch Momente im Entwurf sieht, die ihm gefallen. Schließlich können Sie sich nur so ein Bild machen von dem, was sich der Kunde wirklich vorstellt.

Nach Verbesserungsmöglichkeiten fragen
Unreflektierte Kritik ist wie eine Ohrfeige: Sie bereitet Schmerzen und ist schwer zu verdauen. Reflektieren Sie deshalb - nachdem Sie tief durchgeatmet haben - das Gehörte und fragen Sie gezielt nach Verbesserungsmöglichkeiten. Der Kunde fühlt sich hierdurch zum einen Ernst genommen und Sie erhalten vielleicht einige wertvolle Hinweise. Kritik kann durch dieses Vorgehen durchaus konstruktiv werden und die zunächst aufgewühlten Emotionen werden schnell geglättet. Durch Nachfrage nach Änderungswünschen werden Sie aber auch sehr schnell herausfinden, ob Ihr Gegenüber an Verbesserungen interessiert ist oder Sie nur um der Kritik willen kritisiert.

Aus Kritik lernen
In einem konstruktiven Gespräch lernen Sie aber nicht nur etwas über Ihr Gegenüber. Auch über seine Wünsche und Meinungen können Sie etwas lernen und so der Vergabe des Auftrags an Sie ein Stück weit näher kommen. Sehen Sie deshalb Kritik nicht immer als Angriff auf Ihre Arbeit an. Nutzen Sie lieber die Chance, Ihren potentiellen zukünftigen Auftraggeber näher kennen zu lernen und etwas Neues zu lernen. Zugegeben, das erfordert Übung, Atemtechnik und vor allem Disziplin und inneren Abstand. Sie lernen dabei aber nicht nur den Menschen hinter der Kritik näher kennen, sondern können zukünftig dann vielleicht auch im privaten Umfeld mit Kritik besser umgehen. Bedenken Sie deshalb immer: Ohne Rückmeldungen von unserer Umwelt könnten wir unser Können und unser Dasein nicht stetig weiterentwickeln.

Loben Sie sich und respektieren Sie den Kunden
Natürlich wäre es dennoch besser, wenn der Kunde Ihre Arbeit immer nur loben würde. Aber das können Sie doch genauso, oder? Schließlich muss Ihnen Ihr Entwurf am besten gefallen. Und das wirkt weder eitel noch eingebildet, sondern in die richtigen Worte verpackt können Sie damit vielleicht auch Ihren Auftraggeber von Ihrer Arbeit überzeugen! Loben Sie sich deshalb ruhig einmal selbst, denn wenn Sie etwas gut gemacht haben, dann dürfen Sie damit auch zufrieden sein. Egal, was der Kunde dazu meint. Achten Sie aber dabei immer darauf, dass Sie dennoch die Anmerkungen des anderen respektieren und in Ihre Argumente mit einfließen lassen. Kämpfen Sie also immer fair und zeigen Sie Respekt. Ihr Auftraggeber wird diesen Zug an Ihnen bald ebenso zu schätzen wissen, wie die Tatsache, dass Sie hinter Ihrer Arbeit mit Leib und Seele und ohne Hochmut stehen.

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