Kontraste statt Pixel

12.05.2016 09:00:00
Pixel sind längst genug da, aber die Hersteller haben noch ein anderes Territorium entdeckt: Der Kontrastumfang wächst dank neuer Sensoren kräftig an.

Im Autoquartett und am Stammtisch geht es meistens um möglichst viel PS. Fragt man die Ingenieure in der Automobilindustrie, ist das maximale Drehmoment viel wichtiger. Beim Fotografieren ist das so ähnlich. Viele, viele Pixel beschreiben streng genommen nur, wie groß man seine Fotos ausgeben kann, aber mit geringem Kontrastumfang können sie auch schon in A3 bescheiden aussehen.

Der Sensor

Im Gegenlicht macht sich ein großer Kontrastumfang besonders bemerkbar.
Quelle: Kesberger
Anderthalb Jahrzehnte ging es bei den Auflösungszahlen nur nach oben. Als Kolateralschaden wurden die einzelnen Pixel immer kleiner und bekamen so stets weniger Licht. Anschließend musste sich die Signalverarbeitung darum kümmern, dass die Helligkeitswerte trotzdem nicht im Rauschen untergingen. Das hat sich mit der neusten Entwicklung auf dem Sensormarkt entscheidend geändert. Bei einem rückwärtig belichteten OLED-Sucher wie bei der Sony Alpha 7 R II liegen die Anschlüsse auf der Rückseite, von vorne kommt so deutlich mehr Licht an.

Umfang analog und digital

Gerade bei Nachtaufnahmen treten im Motiv besonders große Unterschiede zwischen Licht und Schatten auf.
Quelle: Kesberger
Im Ergebnis steigt der Kontrastumfang deutlich an. Der Abstand zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle im Bild, in denen jeweils trotzdem noch Strukturen erkennbar sind, wächst. Das mit einer ähnlichen Sony-Technologie arbeitende neuste Phase One Digitalrückteil kommt auf 15 Blendenstufen. Mäßige Sensoren liefern dagegen nur 8 Blenden. Bei Farbfilmen konnte man früher von 15 Blendenstufen nur träumen. In der klassischen Schwarzweißfotografie war es allerdings möglich, diesbezüglich mit dem aufwändigen Zonensystem die Filmentwicklung entsprechend anzupassen. Zumindest in der Großformatlandschaftsfotografie hat diesem System auf den Spuren Ansel Adams auch zahlreiche Anhänger gefunden. Die einzeln zu entwickelnden Filme boten sich dafür auch an.

Das Handling

Es zwingt einen ja niemand so große Objektive wie das Zeiss Otus an die Sony Alpha anzuschließen.
Quelle: Kesberger
Digital geht das leichter. Da kauft man sich einfach ein neues Gehäuse. Wobei man mit jeder Kamera, deren Kontrastumfang möglichst gut ausnutzen kann, wenn man sich bei der ISO-Einstellung zurück hält. HDR ist ja nur vom Stativ eine wirkliche Alternative, aber mit so einem 14-15-Blenden-Monster macht auch das Fotografieren aus der Hand viel Spaß. Man stellt beim Gegenlicht die Über- und Unterbelichtungswarnung ein und dreht so lange an der Belichtungskorrektur, bis sowohl die Sonnenreflexe auf dem Wasser nicht mehr warnend aufleuchten als auch die Schatten nicht zu dunkel werden. Und siehe da, es funktioniert sogar. Jetzt muss die Sonne nur noch scheinen.

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