Hell und allerhellst

25.02.2016 09:00:00
Ein Trend geht um im Lensdesign: Die Objektive werden immer lichtstärker. Doch die neue Lust am Glas hilft nicht nur, den Fotografen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eigentlich ist es ganz und gar widersinnig. Da Kameras im High-ISO-Sektor ständig in ganz neue Bereiche vorstoßen und gleichzeitig die Bildstabilisatoren immer effektiver werden, sollte man meinen, dass der Bedarf nach besonders lichtstarken Objektiven eher abnimmt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Hersteller überbieten sich mit noch niedrigeren Blendenzahlen und auch die Leistung der Lichtriesen hat sich gewaltig gesteigert.

Der Ausgang

Die Zeit der Lichtriesen ist angebrochen. Das Sigma 1,4/20 DG HSM Art ist das erste 20er mit Lichtstärke 1,4 – und das sogar im Vollformat.
Quelle: Sigma
Zum Ende der analogen Hochzeit war die Sache relativ klar. Eine lichtstarke Standardbrennweite war bezahlbar, doch wer im leichten Weitwinkel- oder Telebereich ein Objektiv mit Blende 1,4 sein eigen nennen wollte, musste tief in die Tasche greifen und machte das nur, um seine Freunde zu beeindrucken oder weil er beruflich noch fotografieren musste, wenn andere längst im Feierabend waren. Belohnt wurde die Schlepperei auch nicht durch optische Leistung, denn fast immer waren die lichtschwächeren Objektive in der Abbildungsleistung besser. Das war auch bei den wenigen Linsen mit 1,2 und 50 oder 85 mm Brennweite nicht anders. Den Weltrekord hielt das Noctilux 1,0/50 von Leica, doch auch das war mehr für seinen Look als für seine Schärfe berühmt.

Die Möglichkeiten

Moderne Fertigungsanlagen wie hier bei Leica haben auch die Möglichkeiten beim Bau lichtstarker Optiken erweitert.
Quelle: Leica
Neue Glassorten, neue Schleifmaschinen, neue asphärische Linsenelemente und besonders die Chance mit neuer Software und Hochleistungsrechnern diese Möglichkeiten in immer neuen und bisher nicht gekannten Varianten durchzurechnen, haben das Lensdesign revolutioniert. Da die Sensoren vor allem im Zuge immer höherer Auflösungen auch andere Anforderungen als der Film stellten, musste der vorhandene Objektivpark sowieso weitgehend neu gerechnet werden. Und für Hersteller wie Leica war das auch eine überlebenswichtige Chance, die eigenen Kompetenzen ins rechte, nun besonders helle Licht zu rücken. Das neue Noctilux war nicht nur mit einer Offenblende von unter 1,0 gesegnet, es war auch endlich scharf. Und plötzlich konnte man selbst im Superweitwinkelbereich mit 1,4 arbeiten. Da wollte Zeiss nicht zurückstehen und entwickelte mit dem Otus eine Objektivreihe, die optisch (fast) keine Kompromisse mehr macht. Gewicht und Preis spielen hier nur eine nebensächliche Rolle. Blende 1,4 ist da nur selbstverständliche Basis.

Still und motion

Durch die Ansprüche moderner Sensoren werden Objektive in Zukunft mit Sicherheit nicht kleiner. Hier das derzeit größte Standardobjektiv, das Zeiss Outs.
Quelle: Zeiss
Aber warum die neue Lust auf Glas? Kleinere Sensoren wie Micro-Four-Thirds können damit durchaus einen ISO-Wert im Vergleich zur formatgrößeren Konkurrenz sparen und daher im Rauschverhalten besser mithalten. Aber weit mehr geht es um die Gestaltungsmöglichkeiten mit geringer Tiefenschärfe. Gerade das unterscheidet den Fotografen vom Knipser, die „richtige“ Kamera vom Handy. Was besonders im Videobereich gilt. Auch hier kann man sich mit selektiver Schärfe besser abheben. Schließlich gehört die Schärfeverlagerung, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu lenken, zu den Standardtools der Filmgestaltung. Wie gut viele Lichtriesen für den Filmbereich optimiert sind, merkt man auch daran, dass sie – wie die Voigtländer Nokton-Reihe, von 10,5 bis 42,5 mm Brennweite und Lichtstärke 0,95 – oft ohne Autofokus und auf Wunsch mit stufenloser Blende angeboten werden, damit beim Schwenk über das Rig auch die Belichtung angepasst werden kann.

Zoom ganz hell

HighEnd-Qualität auf dem Objektivsektor bedeutet letztlich Manufakturarbeit. Manche Linsenelemente werden nur zweimal im Jahr produziert.
Quelle: Leica
Auch Sigma hat als Fremdhersteller mit einer Reihe von 1,4er-Objektiven von 20 bis 50 mm die Konkurrenz das Fürchten gelehrt und sich den neuen Sensoren mit 36 Megapixeln aufwärts gewachsen gezeigt. Doch die Japaner haben einen weiteren Trend angestoßen. Den zum noch lichtstärkeren Zoom. Neben dem 2,0/24-35 für Vollformat sorgt das 1,8/18-35 für APS-Sensoren für einen neuen Rekord und gleicht so die sensorbedingt größere Tiefenschärfe aus. Erhöht aber auch die Anforderung an die Genauigkeit der Autofokussysteme. Die ersten Nachahmer gibt es schon, auch wenn mit Samsung ein weiterer Vorreiter sich optisch gerade vom europäischen Markt verabschiedet. Der Trend zu mehr Lichtstärke wird trotzdem nicht aufzuhalten sein.

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