Ganz crop gesprochen

16.05.2013 09:00:00
Warum die Brennweite immer die Brennweite bleibt und trotzdem ganz anders wirken kann.

Als sich Oskar Barnack vor genau 100 Jahren die erste Leica für seine privaten Wanderausflüge baute, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass sein damals eher belächeltes KLEINbildformat im 21. Jahrhundert als VOLLformat bezeichnet werden würde. Es hat sich einiges verschoben in der Zwischenzeit, nur einfacher und übersichtlicher sind die Dinge nicht geworden, denn an die Stelle der alten sind viele neue Formate getreten. Um da noch den Überblick zu behalten, hat man einst den Crop-Faktor ersonnen. Was das soll, erklären wir jetzt.

Bloß nicht: Brennweitenverlängerung

Barnack wäre nie auf die Idee gekommen, bei seinen Objektiven eine »Brennweitenverlängerung« in Relation zu den damals vorherrschenden größeren Formaten anzugeben. Dafür war er viel zu wissenschaftlich geprägt. Denn die Brennweite lässt sich nun einmal nicht dadurch verlängern, dass man vom Film oder Sensor etwas am Rand abschneidet. Sie bleibt immer gleich, aber wenn der Sensor kleiner ist als beim 24 x 36 mm großen Kleinbildformat, dann entspricht der Bildwinkel eines Objektivs dem einer Linse mit längerer Kleinbildbrennweite. So ist der weit verbreitete Begriff »Kleinbildäquivalentbrennweite« sprachlich zwar höchstens scrabbletauglich, aber zumindest physikalisch wesentlich korrekter.

Hilft: Rechnen

Quelle: Kesberger

Wem das jetzt zu schnell war, dem helfen wahrscheinlich konkrete Zahlen. Am anschaulichsten sind Brennweiten in der Fotografie immer in Relation zur Formatdiagonale des Sensors bzw. des Films. Sind die beiden gleich, dann haben wir im Ergebnis einen natürlichen Seheindruck. Beim Kleinbildfilm ergibt sich eine Formatdiagonale von 43 mm. Beim APS-C-Format, mit dem immer noch die meisten Spiegelreflexkameras arbeiten, ist der Sensor mit 22,2 x 14,8 (Canon) bzw. 23,7 x 15,6 mm (Nikon DX-Format) deutlich kleiner. Weil die Formatdiagonale hier um den Faktor 1,5 bis 1,6 kürzer ist, wirkt ein 50 mm Objektiv an einer DX-Nikon wie ein 75 mm Objektiv an einer Kleinbildkamera. Wer seine alten Objektive weiter benutzt, hat plötzlich viel mehr Teleobjektive, aber leider kaum noch Weitwinkellinsen. Sportfotografen freuen sich, Architekturfreunde leiden.

Andere Formate

Quelle: Kesberger

Um die Geschichte noch komplizierter zu machen, gibt es auch jede Menge anderer Formate. Das bekannteste ist MicroFourThirds mit 13 x 17,3 mm. Wer jetzt schnell zum Taschenrechner greift und via Pythagoras die Formatdiagonale errechnet, kommt auf einen Cropfaktor von 2. Während die beteiligten Firmen hier wenigstens noch die realen Brennweiten auf die Linsenfassungen gravieren, geben andere Hersteller oft nur die Kleinbildäquivalentbrennweiten an, gerade wenn die Sensoren noch viel kleiner und die eingesetzten Brennweiten damit so kurz werden, dass sich selbst erfahrene Fotografen kaum vorstellen können, welche Bildwinkel damit korrespondieren.

Wie äquivalent ist äquivalent

Leider ist äquivalent nicht in allen Aspekten äquivalent. Beim Bildwinkel stimmt das. Aber während sich das, was drauf ist, mit dem Cropfaktor beschreiben lässt, gilt das nicht für die Frage, wie es drauf ist. Denn mit dem kleineren Sensor ändert sich auch die Tiefenschärfe. Unser 1,4/50 mm Beispielobjektiv wird in Sachen Bildwinkel und Lichtstärke am kleinen Sensor zum 1,4/75 mm. Doch die Tiefenschärfe entspricht nur einem 2,0/75 mm. Mit selektiver Schärfe lässt sich also nicht so schön arbeiten wie mit einem realen 1,4/75 an der Kleinbildkamera. Je kleiner der Sensor, desto größer die Tiefenschärfe. Der vermeintliche Vorteil, günstig zu einem Teleobjektiv zu kommen, stößt damit in Sachen Bildwirkung durchaus an seine Grenzen.

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