Fotografieren mit High Speed

08.12.2016 09:00:00
Spiegellose Kameras sind kleiner, aber beim Autofokus langsamer, wenn es sportlich wird. Bisher. Doch jetzt bläst Olympus zum Angriff mit 60 Bildern in der Sekunde.

Sportwagen sind ja auch kleiner als Kombis. Wenn man so an die Sache herangeht, wundert man sich gar nicht mehr, dass die kleine Olympus OM-D E-M1 Mark II – in der Zeit die man braucht, die Typenbezeichnung vorzulesen, hat die Kamera theoretisch schon 500 Bilder gemacht – antritt, um den großen Vollformatboliden von Canon und Nikon dass Leben schwer zu machen und sie aus dem Bundesligastadion zu verjagen. Klingt nach dem üblichen Marketingwortgeklingel, aber es ist für uns eine schöne Gelegenheit, den Stand der Entwicklung in der Kameratechnik zu hinterfragen.

Die Verschlussfrage

Mit dem Zusatzgriff legt die Olympus OM-D E-M1 Mark II etwas zu und wird griffiger, nur noch schneller wird sie damit nicht.
Quelle: Olympus
60 Bilder in der Sekunde, das braucht zwar im Alltag kein Mensch, aber das klingt schon mal gut. Auch wenn man sich fragt, wer aus solchen Bildermassen später das eine richtige Foto heraussuchen will. Die Redaktion bestimmt nicht. Doch das Erreichen der HighSpeed-Ziellinie ist an Bedingungen geknüpft. Bei einer Spiegelreflex wäre es ja auch unvorstellbar, dass der Spiegel in der Sekunde 60 mal hoch und runter klappt. Aber Spiegel haben wir ja eh keinen. Hoch und runter geht also nicht, auf und zu geht aber auch nicht in der Zeit. Der mechanische Verschluss der OM-D schafft schließlich „nur“ 15 Bilder. Doch durch den optionalen elektronischen Verschluss klappt es dann auch mit 60 Aufnahmen.

Die Grenzen des Wachstums

Wer Tiere mit der Kamera jagt, ist auch auf gut abgedichtete Gehäuse und Objektive angewiesen.
Quelle: Olympus
Der elektronische Verschluss ist lautlos. Das ist neben der Geschwindigkeit der zweite große Vorteil, wenn man unbemerkt fotografieren möchte. Doch er hat auch Nachteile: Durch das zeilenweise Auslesen der Daten kann bei schnell bewegten Motiven der gefürchtete Rolling Shutter-Effekt auftreten. Dann werden Propeller plötzlich zu Längsstrichen und fahrende Autos völlig verzerrt wiedergegeben. Und wo brauchen wir High Speed-Geschosse? Eben, bei schnell bewegten Motiven. Hmh. Zum Glück tritt der Effekt relativ selten auf. Und 15 Bilder pro Sekunde sind ja auch nicht schlecht.

Die schnelle Schärfe

Letztlich machen die Geschwindigkeitsanstrengungen der Systemkamerahersteller nur Sinn, wenn sie auch Ihr Angebot an lichtstarken Teleobjektiven ausbauen, wie hier mit dem 4,0/300 mm (Kleinbildäquivalentbrennweite 600 mm)
Quelle: Olympus
Es gibt noch eine Geschwindigkeitsbeschränkung: den Autofokus. Für 60 Bilder muss er abgeschaltet werden. Wenn er die Schärfe auf die rennenden Läufer während den Aufnahmen nachführt, schafft er immerhin noch – elektronisch – 18 Aufnahmen pro Sekunde. Doch viel spannender ist eigentlich, dass das Fokussieren überhaupt gelingt. Vor ein paar Jahren wäre das mit einer spiegellosen Kamera so schnell noch unvorstellbar gewesen. Doch die Systemkameras haben sich von den DSLR die Technik geborgt und bauen in den Sensor kleine Phasen-AF-Felder ein. Von den zig Millionen Pixeln lassen sich ja ein paar abtreten. Ein paar sind mittlerweile schon ziemlich viele. 121 Detektoren sind es bei der EM-1. Vor zehn Jahren waren selbst Spiegelreflexkameras noch über 12 davon stolz.

Die Praxis

In der Praxis viel entscheidender als die Anzahl der Bilder pro Sekunde, sind die Fotos, die man hintereinander aufzeichnen kann, ohne dass der Puffer voll wird und weitere Aufnahmen blockiert. Nichts ist schlimmer, als mitten in der spannendsten Szene immer wieder hilf- und erfolglos auf den Auslöser zu drücken. Spätestens nach fünf Sekunden ist Schluss beim Dauerfeuer, dann muss die Kamera kurz Atem holen. Den so sehr beworbenen 60-Bilder-Modus schafft die OM-D sogar nur eine ganze Sekunde lang. Damit ist dann auch die Frage beantwortet, warum der neue Geschwindigkeitsrausch nicht das 4K-Video oder demnächst gar 6K-Foto überflüssig macht. Damit lassen sich aus wesentlich längeren Sequenzen einzelne Bilder mit zumindest ordentlicher Auflösung herauslösen. Das Geschwindigkeitsrennen geht weiter – in der Zwischenzeit können die spiegellosen Kamerasysteme weiter an ihrem Objektivprogramm arbeiten. Das ist im Telebereich noch nicht so ganz bundesligatauglich.

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