Fotografie trifft Virtualität

09.12.2010 09:00:00
Computer Generated Imagery, kurz CGI, ist ein neuer Trend in der Fotografie. Dabei entstehen virtuelle Bilderwelten am Rechner, ähnlich wie man das von Filmen kennt.

Künstliche Welten: Für Filme werden schon seit langem CGI-Techniken eingesetzt. Bei Fantasy-Movies wie der „Herr-der-Ringe“-Trilogie sind ganze Welten virtuell am Rechner entstanden. Jetzt erobert die Computer Generated Imagery auch die Welt der Fotografie. So entstehen Bilder, bei denen der Betrachter sich fragt: „Echt oder nicht“?

Die Geschichte der Computer Generated Imagery

Quelle: Maxon

Seit etwas mehr als dreißig Jahren werden CGI-Verfahren in der Filmbranche eingesetzt. Ein Vorreiter dieser Techniken waren beispielsweise die „Star Wars“-Filme von George Lucas. Ebenfalls aus dem Sci-Fi-Milieu stammt der Film „Tron“ aus dem Jahr 1982, bei dem der Hintergrund teilweise durch Computer erzeugt wurde. Eine ganze Szene wurde im gleichen Jahr in „Star Trek II“ vollständig am Rechner gestaltet. Vier Jahre später wurde in „Basil, der große Mäusedetektiv“ erstmals Zeichentrick mit computergenerierten Hintergründen kombiniert. Seither hat CGI große Fortschritte gemacht – mittlerweile kann man auch Wasser, Flüssigkeiten, Tiere und Menschen künstlich erschaffen. Der Film „Toy Story“, der 1995 veröffentlicht wurde, war der erste, der vollständig am Rechner erschaffen wurde. Inzwischen werden fast alle Filme digital nachbearbeitet.

CGI in der Fotografie

Quelle: Spheron

virtuelle Fotografie mit CGI-Verfahren erlebte zur Photokina 2008 einen Popularitätsschub. Am Anfang eines künstlich erzeugten Bildes steht ein genauer Plan, der die einzelnen Arbeitsschritte skizziert. Zunächst muss man sich auf die Suche nach einem geeigneten Hintergrund für das Bild machen. Er wird zweimal fotografiert: Einmal „normal“ und ein zweites Mal aus dem späteren Betrachtungswinkel. Anschließend fotografiert man noch die komplette Umgebung in einem 360-Grad-Winkel. Dafür stehen spezielle Kameras zur Verfügung, die sich automatisch um sich selbst drehen, fotografieren und gleichzeitig verschiedene Belichtungsstufen im Bild festhalten.

Das Kernstück: die Software

Die Hauptaufgabe in der CGI-Fotografie übernimmt nach dem Fotografieren die passende Software. Sie legt die Bilder übereinander, so dass ein HDR-Bild entsteht. Daraus wiederum berechnet das Programm ein Gitterball-Modell, dem der Hintergrund hinzugefügt wird. Im dritten Schritt wird der Betrachtungswinkel mit einbezogen. Nun kann man die Oberfläche unter realistischen Bedingungen bearbeiten: Da das Motiv quasi gewölbt ist, wirken sich beispielsweise Effekte auch unterschiedlich und damit wirklichkeitsgetreu aus. Spiegelungen werden ebenfalls realistisch ausgeführt. Zur Photokina 2010 war CGI übrigens wieder ein diskussionsbestimmendes Thema: Die Studierenden der Nürnberger Ohm-Hochschule – der einzigen Hochschule, an der man in Deutschland CGI studieren kann – stellten ihre Arbeiten während der Messe aus.

Anbieter, die man kennen sollte


Quelle: CGI at Photokina Wer sich ernsthaft mit CGI befassen möchte, braucht das passende Equipment. 360-Grad-Kameras bietet beispielsweise

Spheron an. Passende Locations für Fotoarbeiten finden sich bei Q-Spheres. Einer der Vorreiter für die Software ist Maxon. Gute Dienste bei der Bearbeitung leisten die Grafiktabletts von Wacom. Spezielle CGI-Ausrüstung schlägt jedoch schnell aufs Portemonnaie. Wer zunächst einmal schnuppern möchte, findet auf den genannten Seiten zumindest schöne Anregungen. Die gibt es auch auf CGI at Photokina.

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