Fachbegriffe der Schrift

06.07.2006 09:00:00
Wie definieren sich Versalhöhe, Dickte, Ober-, Mittel- und Unterlänge - was ist Dickte, Schriftlinie, Nachbreite und Punze und wozu sind sie wichtig? ...

Wenn man vom Aufbau einer Schrift spricht, fallen oft bestimmte Fachbegriffe wie Versalhöhe, Ober-, Mittel und Unterlänge oder Dickte. Was aber bedeuten diese Begriffe und wozu dienen sie? Sie werden benutzt bei der Schriftgrößenmessung, sind aber auch für das Layout interessant. Denn die Schriftlinie bildet optisch die unterste Begrenzungslänge der Großbuchstaben, was wiederum Auswirkungen auf das Schriftbild hat. Die Fachbegriffe dienen aber auch zur besseren Verständigung beim Satz und erleichtern die Angaben zur Schriftpositionierung.

Geschichte der Fachbegriffe

Mit Aufkommen des Buchdrucks und damit der Bleiletter wurde es für ein einheitliches Schriftbild notwendig, spezielle Schriftarten zu entwickeln. Neben den herkömmlichen Figurenverzeichnissen dieser Schriftarten wurden aber auch spezielle Sonderzeichen benötigt, wie physikalische oder mathematische Zeichen, welche sich am bestehenden Schriftbild orientieren mussten. Hierzu galt es, die Buchstaben einer Schrift in verschiedene Bereiche einzuteilen - und es entstanden zu jedem dieser Bereiche spezielle Fachbegriffe, welche noch heute notwendig sind, will man über Schrift und deren Erscheinungsbild sprechen.

Grundlinie

Alle Schriftzeichen einer Schrift orientieren sich an einer Grundlinie, auch Schriftlinie genannt. Dabei handelt es sich um eine gedachte Linie, auf der alle Buchstaben aufsitzen, die Rundungen eines "b" oder "p" ragen dabei jedoch leicht über die Linie nach unten. Die Grundlinie bildet aber nicht nur die Grundlage des Schriftsatzes, sie bildet auch die optisch unterste Begrenzungslinie der Großbuchstaben und der Kleinbuchstaben ohne deren Unterlängen.

Versalien, Versalhöhe und Oberhöhe

Die Großbuchstaben, auch Versalien oder Majuskeln genannt, werden durch die sogenannte Versalhöhe bemessen. Sie bezeichnet die vertikale Ausdehnung des Buchstabens H, weshalb die Versalhöhe oft auch als H-Höhe bezeichnet wird. Gemessen werden kann die Versalhöhe deshalb am besten am Großbuchstaben H, ebenso gut kann aber auch das M oder das E ausgemessen werden. Runde Buchstaben hingegen, wie das O oder D, eignen sich hingegen weniger. Meist identisch mit der Versalhöhe ist die sogenannte Oberhöhe. Sie wird auch k-Höhe genannt, weil sie die vertikale Ausdehnung des Buchstabens k von der Grundlinie bis zur k-Linie beschreibt. Die Ober- bzw. k-Höhe ist nach DIN 16507 die offizielle Größe zur Ermittlung der Schriftgröße. Wichtig ist dies vor allem bei Renaissance Antiqua-Schriften, bei denen die oberen Ausdehnungen der Kleinbuchstaben meist die Großbuchstaben überragen.

Ober, Mittel- und Unterlänge, Kleinbuchstaben

Die Oberlänge bezeichnet demgegenüber den über die Mittellänge des Kleinbuchstabens hinausragenden gesamten Teil eines Kleinbuchstabens einer beliebigen Schriftart, also den Abstand von der Grundlinie bis zum oberen Ende des Kleinbuchstabens, die auch Gemeine oder Minuskeln genannt werden. Die Mittellänge hingegen wird auch x-Höhe genannt, denn sie ist die Höhe der Kleinbuchstaben ohne Ober- und Unterlänge. Damit bildet die Mittellänge das optische Gerüst der Zeile und hat Einfluss auf den Zeilenabstand. Denn Schriften mit geringen Mittellängen benötigen, um zu viel Weißraum zu vermeiden, einen geringeren Zeilenabstand. Allerdings ist die Lesbarkeit umso besser einzustufen, je größer die Mittellängen einer Schrift sind. Dabei spielt aber auch die Unterlänge einer Schrift eine Rolle. Sie wird auch als p-Höhe bezeichnet, da sie den Abstand zwischen Grundlinie und dem unteren Ende des Kleinbuchstabens p bezeichnet. Deshalb wird die Linie, welche die Unterlänge abschließt auch p-Linie genannt.

kp-Höhe

Aus den sich bei einer Schriftart ergebenden Linien entsteht die sogenannte kp-Höhe. Sie bezeichnet die vertikale Ausdehnung vom obersten Ende bis zum untersten Ende einer Schriftart. Ausgenommen hiervon sind lediglich Versalbuchstaben mit einem darauf platzierten Akzent, welcher mit der E-Linie abgeschlossen wird.

Dickte, Vor- und Nachbreite und Serifen

Neben den Höhen spielen bei einer Schrift natürlich auch die Breiten eine wichtige Rolle. Bei Schriften heißt die Breite jedoch Dickte und umfasst nicht nur das Zeichen an sich, sondern auch die Vor- und Nachbreite, welche ein pro Zeichen festgelegten Raum vor und nach dem Buchstaben bezeichnet. Schließlich sollen sich die Buchstaben - außer bei Schreib- oder Handschriften - für die Gewährleistung der Lesbarkeit nicht berühren. So ist beispielsweise die Nachbreite zum N größer als beim T. Aufpassen sollte man auch bei Schriften mit Serifen. Die An- und Abstriche der Buchstaben, auch Endstriche oder Füßchen genannt, haben meist eine größere Vor- und Nachbreite, um nicht miteinander in Berührung zu kommen.

Fleisch und Punze

Neben den sichtbaren Formen der Zeichen spielen also auch die nicht sichtbaren Abstände und Flächen eine nicht unwesentliche Rolle für die Lesbarkeit des Gesamttextes. Ebenso wichtig aber sind auch die Außenräume und Innenräume eines Buchstabens. Den Freiraum außerhalb eines Buchstabens nennt man auch Fleisch. Er wird auch durch die Vor- und Nachbreite bestimmt. Aus den nichtdruckenden Innenflächen eines Buchstabens, der sogenannten Punze, ergibt sich zudem bereits seit Gutenberg anhand des Buchstabens n ein Anhaltspunkt für den Wortzwischenraum der Schrift. Denn Johannes Gutenberg nahm diese Punzenbreite in seiner Bibel als Vorbild für den perfekten Wortabstand, an dem sich bis heute die Typografen ausrichten. So entsteht für jede Schrift eine andere Laufweite, ausgehend von der Punzenbreite des n. Die Punze wird jedoch nochmals unterteilt in eine geschlossene Punze, welche die umschlossenen Innenflächen der Buchstaben a, b, d, e, g, o, p, q bezeichnet und der offenen Punzen beispielsweise der Buchstaben h, m, n oder u.

Duktus und Achsstellung

Sichtbar und ebenfalls für die Lesbarkeit einer Schrift ausschlaggebend ist aber auch der Duktus. Der aus der Kalligrafie übernommene Begriff bezeichnet den Charakter des Strichs eines Buchstabens. Man unterscheidet dabei entweder zwischen einer linearen und damit gleichbleibend starken Strichstärke oder einer je nach Richtung variierenden. In diesem Fall wird der breitere Strich des Buchstabens Grundstrich genannt, wohingegen der schmalere Haarstrich heißt. Die Stellung dieser Striche orientiert sich an der Achsstellung, womit die Ausrichtung der Punzen der runden Buchstaben einer Schrift gemeint ist. So ist das "o" bei einer Renaissance-Schrift leicht diagonal abfallend, wohingegen Barockschriften senkrecht stehen. Jedoch sollte die Achsstellung nicht mit der tatsächlichen Ausrichtung der Schrift verwechselt werden, welche die kursive Stellung der gesamten Schrift beinhaltet.

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