Druckverfahren - Teil 2

23.11.2005 09:00:00
Tief- und Durchdruck unterscheiden sich nicht nur durch ihre Druckverfahren - auch die Druckerzeugnisse sind different.

Neben den letzte Woche vorgestellten Druckverfahren Offsetdruck - als häufigste eingesetzte Flachdruckart - und Digitaldruck spielen in der Druckindustrie auch der Tiefdruck und der Durchdruck eine wichtige Rolle. Im Tiefdruck sind die Bereiche vertieft, welche die Druckfarbe auf der Druckplatte aufnehmen. Dieses Verfahren findet bei höchsten Auflagen von z.B. Illustrierten Einsatz. Der Durchdruck, gemeinhin auch Siebdruck genannt, dagegen findet bei unebenen Verpackungen, Textilien und anderen schwer zu bedruckenden Erzeugnissen seine Anwendung. Seinen Namen verdankt er dem Druckverfahren, bei dem Farbe durch ein feinmaschiges Sieb auf das zu bedruckende Material gedrückt wird.

Direkte und indirekte Druckverfahren

In der letzten Woche erläuterten wir die Unterschiede zwischen Digitaldruck und Offsetdruck. Der Offsetdruck ist das meist verwendete Flachdruckverfahren in der industriellen Fertigung von Druckprodukten. Bei ihm wird indirekt gedruckt, d.h. der Druck erfolgt nicht direkt von dem mit Farbe belegten Druckplattenzylinder, sondern wird über ein Gummituch an das Papier übertragen. Anders hingegen geht man bei den direkten Druckverfahren wie Tiefdruck oder Durchdruck vor, bei denen die Farbe direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff übertragen wird. Ist dies der Fall, so wird die Druckplatte im Verhältnis zum Druckergebnis spiegelverkehrt gefertigt.

Tiefdrucktechnik

Beim Tiefdruck handelt es sich um so ein direktes Verfahren. Seinen Namen erhielt dieses Druckverfahren durch die im Gegensatz zu den nichtdruckenden Teilen vertieft liegenden druckenden Elemente der Druckplatte. Die Farbe aufnehmenden Vertiefungen erhält man mittels Ätzung, Gravur oder Stich. Das älteste bekannte Tiefdruckverfahren ist deshalb auch der Kupferstich sowie die Kaltnadelradierung. Beides sind sogenannte trockene Verfahren, weil keine Chemikalien genutzt werden. Anders ist dies bei der Ätzung, die bei den künstlerischen Verfahren Radierung oder Aquatinta genutzt wird. Bei ihnen werden mittels einer Säure die Vertiefungen in die Kupfer- oder Zinkplatte eingebracht. Über einen Färbeballen wird die Farbe schließlich in die Vertiefungen eingerieben und der Farbüberschuss danach abgenommen, so dass nur in den Linien Farbe stehen bleibt. Damit das Papier die Farbe annimmt muss es besonders saugfähig und zuvor angefeuchtet sein. Durch starken Druck während des Druckvorgangs wird das Papier dann in die Linien mit der Farbe hineingedrückt. Charakteristisch für einen Tiefdruck sind deshalb der durch den Druck entstehende Plattenrand, auch Facette genannt. Zudem erscheint auf der Rückseite des Papiers eine Erhebung.

Industrieller Tiefdruck

Neben den vor allem im künstlerischen Bereich verwendeten Tiefdruckverfahren Kupferstich, Radierung, Aquatinta oder Heliogravüre wird der Tiefdruck auch industriell genutzt, vor allem zur Herstellung höchster Auflagen (mehr als 300.000 Exemplare) bei Wochenzeitschriften, Katalogen oder Verpackungen. Man nutzt hierzu den Rakeltiefdruck, Tampondruck oder Stahlstichdruck, zu denen jeweils besondere Druckmaschinen, insbesondere Bogen- und Rollenrotationstiefdruckmaschinen, konzipiert wurden. Mit ihnen ist es möglich, nahezu alle Motive im Tiefdruckverfahren mit Ausnahme großer gedeckter Flächen zu drucken. Eine Rasterung der Motive wird durch den Rastertiefdruck ermöglicht, bei dem die Druckform in viele kleine Einzelnäpfchen gleicher Größe aber unterschiedlicher Tiefe eingeteilt wird. Je tiefer der "Rasterpunkt" ist, desto stärker ist der Farbauftrag. Die Druckform wird anschließend in einer Farbwanne in die Farbe getaucht und überschüssiger Farbauftrag mit einer sogenannten Rakel (geschliffenes Stahlband) wieder abgezogen. Diesen Vorgang nennt man auch "wegrakeln". Im Anschluss wird der Druckzylinder mit einer gummierten Walze gegen den Bedruckstoff gepresst, in einem Trockenkanal getrocknet und dem nächsten Druckwerk zugeführt. Anders also als bei den künstlerischen Tiefdruckverfahren wird nicht Nass-in-Nass gedruckt, sondern man arbeitet mit speziellen Lösungsmitteln.

Merkmale des Tiefdrucks

Ein im industriellen Tiefdruck hergestelltes Druckerzeugnis erkennt man vor allem am sogenannten "Sägezahneffekt" bei Strichelementen, der durch die mechanische Druckzylindergravur nahezu unvermeidlich ist. Dabei handelt es sich um Ausfransungen an den Grenzen der farbgebenden Linien oder Näpfchen. Zudem erscheint der Tiefdruck bei Tonwerten ab 70 Prozent eher wie ein Halbton als wie eine aufgerasterte Fläche. Auch kann es vorkommen, dass die Rasterpunkte entweder nicht ganz geschlossen drucken oder teilweise ganz fehlen, so dass Bilder leicht unscharf wirken. Vorteil des Tiefdrucks ist aber dennoch ein größtmöglicher Tonwertumfang sowie eine hohe Farbintensität, wie sie beim Offsetdruck nur schwer erreicht werden kann.

Durchdrucktechnik

Einen ebenfalls intensiven Farbauftrag erreicht man über den Durchdruck. Da bei diesem immer ein Siebgewebe aus Metall-, Textil- oder Kunststoff-Fäden als farbdurchlässige Schablone zum Einsatz kommt, wird der Durchdruck allgemein auch als "Siebdruck" bezeichnet. Daneben existieren noch die vor allem im künstlerischen Bereich eingesetzte Serigrafie und der Filmdruck auf einer zylindrischen Druckform. Allen gemein ist, dass es sich um ein Schablonenverfahren handelt, bei dem an farbdurchlässigen Stellen das Sieb offen, an nichtdruckenden Stellen die Maschenöffnungen jedoch auf unterschiedliche Weise geschlossen wurden. Durch das Sieb wird die Druckfarbe schließlich auf den Bedruckstoff mittels einer Gummirakel übertragen. Danke dieser Vorgehensweise eignet sich Siebdruck vor allem für große Formate und farbigen Flächendruck, da die Farbe in einer hohen Schichtstärke aufgetragen wird. Hierdurch sind auch sehr spezielle Farben oder Lacke problemlos einsetzbar.

Industrieller Siebdruck

In der Industrie findet der Siebdruck je nach Druckformenaufbau sowohl als Flachsiebdruck als auch als Filmdruck in großen Rotationsmaschinen seinen Einsatz. Beim Flachsiebdruck verwendet man einen Rahmen, in den das Siebgewebe eingespannt wird. Der Bedruckstoff wird unter das Flachsieb geschoben, bedruckt und weitergeführt. Beim Filmdruck hingegen bringt man auf das Sieb über ein Vorlagennegativ eine lichtempfindliche Schicht auf, die durch Lichteinwirkung an den farbundurchlässigen Stellen fest wird. Die unbelichteten Stellen hingegen bleiben frei bzw. lassen sich auswaschen. Dieses Verfahren erlaubt zum Teil sehr feine Übertragungen, so dass man sogar Rasterarbeiten anfertigen kann. Das Sieb wird nach der Belichtung auf eine zylindrische Druckform aufgebracht und maschinell in einer Flachform- oder Rotationssiebdruckmaschine eingesetzt. Die Druckfarbe wird hier mit der Rakel allerdings nicht abgezogen, sondern durch die Öffnungen des Siebes direkt auf den darunter liegenden Bedruckstoff übertragen.

Einsatzgebiete und Merkmale des Siebdrucks

Hierdurch kann ein besonders intensiver Farbauftrag entstehen bzw. die unterschiedlichsten, auch nicht saugenden Materialien bedruckt werden. Für den Siebdruck steht eine große Anzahl unterschiedlichster Farbsorten zur Verfügung. Siebdruck eignet sich daher sowohl für den Verpackungsdruck als auch die Textilindustrie, die Stoffbahnen darüber bedruckt. Daneben können Metallschilder, CDs, Glas und viele andere Materialien bedruckt werden. Je nach Bedruckstoffeigenschaft kann es aber auch im Siebdruck zu Problemen kommen. Nur der erfahrene Drucker kann Gewebespannung, Abstand des Gewebes zum Bedruckstoff, Farbverdünnung und Rakelandruck genau justieren. Ist dies nicht der Fall entstehen sogenannte "Wolken" oder ein "Schmieren" an den Schablonenkanten.

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