Der Ursprung der Typometrie

04.07.2013 09:00:00
Zu den Ausgangspunkten der Typometrie gehört der Landkartendruck. Ist diese typographische Technik heute noch aktuell?

Landkarten waren seit jeher ein wichtiges Druckprodukt. Hergestellt wurden die Pläne früher vor allem als Holzschnitt oder Kupferstich bis im 18. Jahrhundert die Typometrie entwickelt wurde: ein kartographisches Druckverfahren, welches stilistisch wie technisch dem Buchdruck entspricht. Noch heute sind die Auswirkungen dieses Verfahrens in der Typografie zu spüren, wenngleich Landkarten nicht mehr auf diese Weise produziert werden.

Ursprünge

Quelle: Simon04 / Wikimedia Commons

Quelle: Simon04 /
Wikimedia Commons Die Typometrie wurde im 18. Jahrhundert von Diakon August Gottlieb Preuschen entwickelt. Er nutzte den Bleisatz, um Landkarten zu drucken. Erste Versuche dazu gehen auf die Jahre 1773/74 zurück. Der Schriftgießer Wilhelm Haas-Münch fertigte in Zusammenarbeit mit Preuschen einen Satz Typen speziell für den Landkartendruck. Beide trieb an, was auch heute aktuell ist: Rationalisierung und Standardisierung die Kosten und der Aufwand für die Herstellung der Landkarten sollten sinken.

 

Schwierigkeiten

Vorgefertigte Elemente sollten den Landkartendruck vereinfachen, bargen jedoch die Schwierigkeit, dass nur ein begrenztes Repertoire an Zeichen zur Verfügung stand. Das sieht man den typometrischen Karten auch an: Die Elemente schließen selten nahtlos aneinander an, sie wirken gleichförmig genau wie die Texte. Einen Durchbruch stellt die 1777 erschienene Carta della Sicilia dar. Es wird vermutet, dass ihr ein Rastersystem zugrunde liegt, das nicht auf Zeilen, sondern auf Zellen basiert. Damit war ein Vorläufer der heute gebräuchlichen Gestaltungsraster gefunden.

Kriege befeuern die Branche

Landkarten waren vor allem in Kriegszeiten wichtig, so zum Beispiel während der Napoleonischen Kriege. Hier waren die Typometrie und damit die Möglichkeit, Karten schnell und vergleichsweise günstig herzustellen, sehr gefragt. Da sich Grenzverläufe und Frontsituationen ständig änderten, wurden laufend neue Karten benötigt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Typometrie allerdings von der Lithografie abgelöst. Richtig durchsetzen konnte sich das Verfahren daher außerhalb der Landkartenherstellung nie.

 

Was bleibt?

Quelle: Myfonts.com  

Die Typometrie lebt nicht nur mit dem Prinzip des Gestaltungsrasters und der Standardisierung von Elementen fort. Eines der Beispiele dafür ist die Schriftfamilie FF Routes A von Hans Reichel, die eigens für das Layout von Karten entwickelt wurde. Reichel greift den Gedanken vom immer wiederkehrenden Zeichen auf und gestaltet so Straßen, Kreuzungen, Brücken und Tunnel. Mit FF Routes B wird die farbliche Hinterlegung der Objekte möglich. Die geradlinig strukturierten Fonts eignen sich für den einfachen Satz von Wegbeschreibungen.

 

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