Der Foto-Retro-Kick

31.08.2017 09:00:00
Wenn Daguerre Kickstarter gehabt hätte, hätte das mit der Präsentation der Fotografie schon vor 1839 geklappt. Dafür sorgt die Plattform heute für Old-Style-Linsen an neuen Digitalkameras.

Retro ist in. Aber was in letzter Zeit im Fotosektor der Crowdfounding-Plattform Kickstarter sehr erfolgreich Geld eingesammelt hat, ist eigentlich noch viel älter als einfach nur retro. Da werden die ältesten Objektivkonstruktionen der Fotogeschichte nach über 175 Jahren zitiert. Und trotzdem funktioniert es gerade mit den neusten Digitalkameras des Marktes. Die meisten dieser Linsen werden wohl nie einen klassischen Film belichten. Wenn der Rückschritt plötzlich Fortschritt ist ...

Die Geschichte

Da gibt es was zu gucken, wenn man moderne Spiegellose mit klassischen Optikkonstruktionen verknüpft.
Quelle: Lomography
Die Geschichte der Fotografie ist eigentlich auch eine Geschichte ihrer Optiker – sie waren ja auch viel früher fertig. Die Camera Obscura als Kasten zur Zeichenhilfe mit Mattscheibe hinten und Objektiv vorne, gab es ja längst. Und wenn ihr Optiker Charles Chevalier nicht die beiden Erfinder Louis Daguerre und Nicéphore Niépce zusammengebracht hätte, müssten wir unsere Urlaubsbilder vielleicht heute noch auf das iPhone zeichnen.

Als die Fotografie dann „fertig“ war – was sie zugegebenerweise bis heute nicht ist – stellten die Optiker bald fest, dass die Fotografen doch noch ein paar Wünsche hatten, die bei der Zeichenhilfe keine Rolle spielten. Einer der ersten, der das entdeckt hatte, war der Physiker Joseph Petzval, der dann schon 1840 mit einem 3,6/160 mm das lieferte, was Portraitobjektive für lange Zeit ausmachen sollte: eine große Lichtstärke, damit die Portraitierten nicht so lange sitzen mussten, eine geringe Tiefenschärfe und eine Schärfe, die in der Mitte deutlich höher als am Rand sein sollte.

Die neuen Objektive

Gerade im Portraitbereich freut man sich über das schöne Bokeh des Chevalier-Ojektivs.
Quelle: Lomography
Das sind dann genau die Grunddesign-Linien, deren Wege Lomo nachgegangen ist. Für das „The Lomography New Petzval 85 Portrait Lens“ konnten die Wiener von über 3.000 Unterstützern fast 1,4 Millionen Dollar einsammeln. Autofokus? Fehlanzeige. Springblende? Hatte Petzval doch auch nicht! Letztlich funktionierte das trotzdem so gut, dass noch ein 58er hinterhergeschoben wurde, das durch den Crop-Faktor noch besser mit den kleineren APS-C-Sensoren von Canon, Nikon, Sony und Fuji harmoniert.

Und auch für das „Daguerreotype Achromat 2.9/64 Art Lens“ konnte fast eine Million akquiriert werden. Die Blende erfolgt durch Steckblenden, was den Digitalkünstlern lustige Effekte liefert, die sich Chevalier wohl nie getraut hätte. Die neue Erfindung wollte damals ja ernst genommen werden.

Die Kameras dazu

Ob in Schwarz oder Messing, die Petzval-Objektive von Lomo fallen auf.
Quelle: Lomography
Eigentlich hätte man da auch schon früher drauf kommen können: Die Objektive werden mit Bajonetten für Spiegelreflexkameras ausgeliefert und das hat zu Filmzeiten ja auch funktioniert mit dem manuellen Scharfstellen. Mit Digitalkameras ist das eher schwieriger geworden, da die Einstellscheiben heutiger DSLR nicht mehr die klassischen manuellen Scharfstellhilfen wie den Schnittbildindikator liefern. Außerdem wird es mit kleineren Blenden dunkler und damit schwieriger.

Da liefert ein anderer Kameratyp deutlich bessere Möglichkeiten. Der digitale Sucher einer spiegellosen Systemkamera liefert ein immer gleichbleibend helles Bild, und mit Fokus-Peaking und Lupenvergrößerung sind die Scharfstellhilfen direkt auf dem Sensor aktiv. Außerdem lässt sich auf dem Display natürlich das wunderbare Bokeh und der klassische analoge Look, weswegen man die ganze Umständlichkeit erst auf sich nimmt, auch gleich kontrollieren. Durch die Anpassung auf das – im Vergleich zu den Urtypen und ihren großen Daguerreotypie-Silberplatten – viel kleinere Format, stimmen natürlich auch die Brennweiten heute nicht mehr überein.

Die Weiterwiedererfindung

Wer sagt denn, dass Einsteckblenden immer gleich rund sein müssen – in den Spitzlichtern lassen sich so spezielle Effekte erzielen.
Quelle: Lomography
Und der Messinglook geht weiter auf Kickstarter. Optisch aufwändiger und immerhin mit Blendenring landen wir aktuell am Beginn des 20. Jahrhunderts: Das „Glaukar“ von Emil Busch aus der Optikstadt Rathenow war der erste Anastigmat für die Portraitfotografie – jetzt wird er in einer deutsch-amerikanischen Co-Produktion wiederbelebt. Genug Unterstützer, die mindestens 699 US-Dollar zahlen, haben sich längst gefunden. Schließlich sind hier zumindest einige Abbildungsfehler auch schon korrigiert. Später im regulären Handel wird es dann teurer.

Bis das eigentlich noch viel bekanntere Busch-Perscheid-Objektiv aus den 1920ern nachgeahmt wird, müssen wir wohl auch nicht mehr lange warten. In dubio pro retro.

 

Übersicht Druckprodukte
  • zahlreiche Produkte im Digital- und Offsetdruck

  • umfangreiches Sortiment in der Werbetechnik

  • Rollenoffset Produkte für große Auflagen
  • 100% klimaneutral
Produkte finden
Wir helfen Ihnen weiter!
SIE BENÖTIGEN HILFE BEI DER DRUCKDATENERSTELLUNG?
Wir helfen Ihnen gerne bei der Erstellung Ihrer Druckvorlagen.
Auf unserer Serviceseite haben wir viele nützliche Hinweise dazu zusammengefasst.
SIE HABEN IHR WUNSCHPRODUKT NICHT GEFUNDEN?
Sollten Sie spezielle Anforderungen an ein Produkt haben, richten Sie bitte eine Anfrage an unser Service-Team. Gemeinsam finden wir die richtige Lösung für Sie!