Colormanagement in der Creative Suite Teil 1

08.10.2015 09:00:00
Marianne Deiters, Software Trainerin und Grafikdesignerin, gibt Ihnen einen kleinen Überblick über die richtige Verwendung von ICC-Profilen und wichtige Farbeinstellungen in Photoshop und deren Übertragung in Indesign und Illustrator.

Folgende Aussage hört man oft im Publishing Umfeld und betrifft viele, die mit der Creative Suite arbeiten: „Auf dem Monitor sah das völlig anders aus, als im Druck“ oder „Bei mir sah das Bild ganz anders aus als beim Kollegen.“ Wenn es mit den richtigen Farben nicht klappt, kann das viele Ursachen haben. Ein häufiger Grund ist der falsche Umgang mit Farbeinstellungen und Profilumwandlungen in der Adobe Creative Suite.

Farbräume im Blick

Quelle: Apple ColorSync-Dienstprogramm

Um die Ausgabe konsistenter Farben für die gesamte Produktionsstrecke zu gewährleisten, werden Definitionen für Farbräume benötigt. Das kann über ICC-Profile gelöst werden, die die Beschreibung des Farbraums als Werte und Umrechnungstabellen enthalten. (ICC steht für International Color Consortium.) Damit Koordinaten als Beschreibung verwendet werden können, muss erst einmal ein übergeordneter Farbraum definiert werden, das ist seit 1976 bis heute CIE Lab. Er enthält quasi alle für uns Menschen sichtbare Farben und ist als geräteunabhängiger Farbraum sehr groß im Verhältnis zu geräteabhängigen Farbräumen wie der eines Monitors. Um für Umwandlungen von Farbräumen ein Gefühl zu bekommen, sollten Sie sich deren Darstellungen im Lab-Plot einfach mal ansehen. Das geht leicht im kostenlosen Programm ColorSync, das jeder Apple Computer an Bord hat und sicher gibt es etwas ähnliches für Windows. Links im Bild sehen Sie die Darstellung des Farbraums Adobe RGB im Lab-Plot. Rechts daneben ist als Vergleich sRGB zu sehen, der weiße Umriss ist Adobe RGB.

Mit ICC-Profilen arbeiten

Quelle: Apple Colorsync-Dienstprogramm

Wie bereits erwähnt, lassen sich Farbräume in ICC-Profilen beschreiben. Sie haben hoffentlich Ihren Monitor kalibriert oder zumindest charakterisiert. Das lässt sich mittlerweile mit relativ preisgünstiger Hardware-Software-Kombination erledigen. Die Erzeugung eines Druckerprofils ist komplizierter, es werden zum Beispiel die Papiereigenschaften, die Eigenschaften der Druckfarben, Schwarzaufbau, Tonwertzuwachs, Farbreihenfolge, Rendering Intent und Trapping beschrieben. Sie können sich also vorstellen, dass wir mit solchen Informationen, welche wir für die Bildumwandlung verwenden können, eigentlich alle Voraussetzungen zur perfekten Ausgabe auf Medien haben, die gut profiliert wurden. Ohne Nutzung von Profilen kann einfach zu viel schief gehen. Laserline stellt Ihnen auf jeden Fall jeweils passende ICC-Profile für Ihre Drucksachen zur Verfügung. Jetzt müssen diese noch richtig eingesetzt werden.

  • Das Monitorprofil muss an der richtigen Stelle liegen, damit Photoshop und andere Programme dieses automatisch verwenden. Beim Mac (OSX) ist das /Library/ColorSync/Profiles oder in den Ordner /Benutzer/[Benutzername]/Library/ColorSync/Profiles. Bei Windows (XP-8) ist der Speicherort C:\WINNT\system32\spool\drivers\color

  • Die Geräteprofile (Ein CMYK Druckausgabe-Profil genauso wie ein RGB-Profil.) müssen an der richtigen Stelle liegen.
    Beim Mac kopieren Sie die Profile in den Ordner / Library / Application Support / Adobe / Color / Profiles / Recommended Bei Windows können Sie die Automatik nutzen: Profil mit der rechten Maustaste anklicken und Profil installieren wählen. Manuell kopieren Sie die Profile in den Ordner WINDOWS\system32\spool\drivers\color.

  • Die Profile müssen beim Speichern in die Bilddatei eingebettet werden, diese hängen dann wie ein Etikett mit allen Informationen an der Datei. Ohne dieses Etikett sind die Programme quasi farbenblind.

Die Farbeinstellungen in Photoshop

Quelle: Adobe Photoshop, Marianne Deiters

Um die richtigen Farbeinstellungen in der Creative Suite zu machen, muss der Anwender die Möglichkeiten der Einstellungen verstehen. Es gibt nicht die Farbeinstellungen, die zu jedem Workflow oder jeder Anforderung passen. In Photoshop hat man die meisten Einstellungsmöglichkeiten. Diese lassen sich als .csf-Datei speichern und in andere CS-Anwendungen laden. Am komfortabelsten ist aber das Synchronisieren der Einstellungen über die Adobe Bridge. Ich werde eine Einstellung machen, die sich als Grundeinstellung für das Arbeiten im Bereich der Druckvorstufe eigenen. Im Screenshot sehen Sie das Einstellungsfenster der aktuellen Photoshop CC 2015, die Beschreibung ist aber auch für ältere Versionen zu verwenden. Wir haben hier eine Einteilung in vier Bereiche, die ich genauer beschreiben werde. Als Grundeinstellung dient hier die Vorgabe

Europa Druckvorstufe 3, diese ist ganz oben im Fenster auszuwählen.

Bereich Arbeitsfarbräume

Die Arbeitsfarbräume lassen sich für RGB, CMYK, Volltonfarben und Graustufen wählen und sind für Photoshop Referenzfarbräume. Wann werden diese verwendet?

  • Bei einer Modusänderung über das Menü Bild > Modus nimmt Photoshop den jeweiligen Arbeitsfarbraum als Ziel.
  • Wenn eine Datei kein Profil eingebettet hat, nimmt Photoshop den Arbeitsfarbraum als Referenz in dem Fall können extreme Farbverschiebungen entstehen.
  • Die Meldungen beim –ffnen von Dateien die Profilabweichung betreffend, beziehen sich immer auf die ausgewählten Arbeitsfarbräume.

    Wichtig sind die Einstellungen für die Arbeitsfarbräume auch, wenn Sie eine Aktion aufnehmen möchten, in der die einfache Modusänderung vorkommt.
    Stellen Sie hier die Farbräume ein, die Sie gerade im Projekt verwenden. Die viel verwendeten Standards in der Druckvorstufe in Deutschland wären hier für RGB: eciRGB v2 und für CMYK: ISO coated v2 300% (ECI). Für Graustufen unterstützt Photoshop mittlerweile auch Profile, Sie können aber auch einfach einen eigenen Tonwertzuwachs im Pulldown Menü eintragen.

Bereich Farbmanagement-Richtlinien

Quelle: Adobe Photoshop, Marianne Deiters

Wegen dieser wichtigen und richtigen Einstellungen habe ich am Anfang die Grundeinstellung Europa Druckvorstufe 3 gewählt. Eingebettete Profile beibehalten ist fast immer die richtige Entscheidung. Wählen Sie In den x-Arbeitsfarbraum konvertieren aus, haben Sie keine Sichtkontrolle über das Ergebnis. Wenn es aber um nicht so farbwichtige Umwandlungen geht, können Sie sich etwas Zeit sparen, da direkt konvertiert wird. Aus steht gar nicht zur Debatte: In der Beschreibung steht zwar, dass das Farbmanagement deaktiviert wird, aber Photoshop kann gar nicht ohne. Irgendwo im großen Lab-Farbraum muss ja der aktuelle Bildfarbraum zur Darstellung platziert werden, deshalb nimmt Photoshop die Arbeitsfarbräume als Grundlage. Alle Checkboxen zur Profilabweichung und Fehlende Profile sind markiert, so weiß der Benutzer schon beim Öffnen einer Datei, ob mögliche Probleme auftreten. Vor allen Dingen wird eine Warnung auftauchen, wenn eine Datei ohne Profil geöffnet wird.

Konvertierungsoptionen und Erweiterte Einstellungen

Quelle: Adobe Bridge

Für die Einstellung bei Modul gebe ich die klare Empfehlung Adobe ACE (Adobe Color Engine) Das Modul ist quasi der Rechner, Color Matching Method (CMM), der für die Konvertierung verantwortlich ist. Die Adobe ACE steht plattformübergreifend zur Verfügung und ist bei der Verwendung der Creative Suite optimal. Unter Priorität werden die Rendering Intents, die Umrechnungsmethoden gewählt. Diese haben eine sehr starke Auswirkung auf das farbliche Endergebnis. Adobe hat hier als Standard Relativ farbmetrisch eingesetzt. Für die meisten Konvertierungen von Farbbildern, wenn es eher um den farblichen Gesamteindruck geht und weniger um feste Farbwerte, bietet sich aber Perzeptiv an. Aber das wird im im Befehl In Profil umwandeln immer von Fall zu Fall ausgewählt. Das Kontrollkästchen Tiefenkompensierung ist eine Erfindung von Adobe und kann das Manko der Berücksichtigung des Schwarzpunktes in ICC-Profilen ausgleichen. Sie sollte für Konvertierungen in den CMYK-Farbraum und von einem CMYK-Farbraum in den anderen aktiviert bleiben, da so der Schwarzpunkt des Quellfarbraums auf den Schwarzpunkt des Zielfarbraums abgebildet wird. Die Checkbox Dither bewirkt, dass fehlende Farben beim der Farbraumumwandlung in gerendert werden. So wird die Streifenbildung bei Verläufen oder die Gefahr von Farbabrissen minimiert. Im High-End-Umfeld und für maximale Qualität sollten Bilder auch immer im 16-Bit-Modus gewandelt werden.

Bei den Erweiterten Einstellungen ist richtig: RGB-Farben mit Gamma füllen und als Wert 1,00. Das ergibt eine colorimetrisch korrekte Berechnung der Übergänge von einer Farbe zur anderen. Auch die neue Option Textfarben mit Gamma füllen: 1,45 ist richtig, allerdings würden dann Ebenendateien vor der Version 6 anders dargestellt werden.

Einstellungen speichern und synchronisieren

Quelle: Adobe Bridge

Sind die Einstellungen so weit gemacht, können diese abgespeichert werden, um die resultierende Datei auf andere Rechner zu verteilen und/oder innerhalb der Creative Suite zu synchronisieren. Dazu klicken Sie auf den Button

Speichern. Im Dialogfeld hat Photoshop schon den richtigen Speicherpfad parat, wo die Adobe Bridge die Einstellungsdatei findet. Nach Bestätigung des Dialogs kommt noch ein Fenster, in welches man Informationen eintragen kann, die später in im Fenster Farbeinstellungen im unteren Bereich dargestellt werden. Photoshop hat im Fenster Farbeinstellungen, im Gegensatz zur Adobe Bridge und den anderen Programmen der Creative Suite, den wichtigen Button zum Laden von gespeicherten Farbeinstellungen (.csf-Dateien). In der Adobe Bridge rufen Sie die Farbeinstellungen aus dem Menü Bearbeiten auf, klicken auf Erweiterte Einstellungen und dann auf Gespeicherte Farbeinstellungsdateien anzeigen.

Im zweiten Teil des Colormanagements geht es um Profilzuweisungen und Profilkonvertierungen und um die Einstellungen in InDesign und Illustrator.

Marianne Deiters gibt Trainings für viele Themen rund um die Creative Suite im Bereich der Druckvorstufe: www.education-point.de.

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