Bundzuwachs

07.12.2005 09:00:00
Bei Broschüren mit Rückstich- oder Ringösenheftung mit hoher Seitenzahl muss der sogenannte Bundzuwachs berücksichtigt werden.

Der Bundzuwachs ist bei Broschüren mit Rückenstich- oder Ringösenheftung mit mehr als ca. 48 Seiten Umfang wichtig. Denn bei diesen bildet sich durch das Ineinanderstecken der Papierbogen ein Treppeneffekt, bei dem die inneren Seiten auf der offenen Broschürenseite weiter herausragen. Durch den notwendigen Endschnitt werden dann die inneren Seiten kürzer als die äußeren, so dass der Bundzuwachs für den Satzspiegel berücksichtigt werden muss. LASERLINE erstellt nur nach Absprache einen automatischen Bundzuwachs, da dies häufig nicht gewünscht ist, schon berücksichtigt wurde oder wegen Bildüberläufern über eine Doppelseite nicht einfach möglich ist.

Was ist Bundzuwachs?

Spricht man in der Druckbranche vom "Bundzuwachs" ist damit der Effekt gemeint, der durch die Papierdicke beim Zusammenlegen und Binden einer Broschüre mit Rückenstich- oder Ringösenbindung verursacht wird. Faltet man viele Papierbogen ineinander, liegt nach dem Endschnitt durch den Buchbinder der Seiteninhalt der inneren Bogen dichter an der offenen Broschürenseite als bei den äußeren Bogen. Dieser Effekt kann bei einer geringen Seitenzahl vernachlässigt werden. Ab einem Seitenumfang von ca. 48 Seiten aber kann man das "Wandern" des Satzspiegels bemerken, so dass die Zugabe eines Bundzuwachses wichtig wird.

Klebe- oder Fadenheftung

Broschüren mit geringer Seitenzahl und solche, die mit Klebebindung oder Fadenheftung gebunden werden, sind nicht vom Effekt des Bundzuwachses betroffen. Bei diesen Bindungsarten werden die gefalzten Bogen beim Zusammentragen aufeinander gelegt und nicht ineinander gesteckt, so dass kein Treppeneffekt entsteht und der Bundzuwachs nicht berücksichtigt werden muss. Über diese Bindungsarten sollte man, je nach Papierstärke, ab 96 Seiten nachdenken. Sie wirken meist auch eleganter, wobei die Vorteile der Rückstichheftung in einer guten Haltbarkeit - auch bei häufigem Blättern - liegen. Zudem bleiben die so gebundenen Druckerzeugnisse besser offen liegen.

Bundzuwachs bei Broschüren mit Rückstichheftung

Bei im Rücken gehefteten Broschüren mit größerer Seitenzahl hingegen werden die Papierbogen zunächst gefalzt und dann ineinander gesteckt. Aufgrund der Papierstärke ragen die inneren Bögen zunächst aus der offenen Seite weiter aus der Broschüre hervor – typischerweise ergibt sich eine Treppe von den inneren Seiten zur Außenseite. Weil das aber unsauber aussieht, wird dort vom Buchbinder ein Endschnitt gemacht – das Papier wird also auf eine "optische" Länge gebracht. Letztendlich aber werden hierdurch die inneren Seiten verkürzt und die Außenseiten Stück für Stück größer.

Folgen für den Setzer

Der Bund, d.h. der Bereich zwischen zwei nebeneinander liegenden Seiten auf dem Bogen, muss deshalb in der Theorie auf jeder Seite von innen zu den Außenseiten von Bogen zu Bogen etwas größer werden. Für den Setzer bedeutet dies, dass der Satzspiegel von der innersten Seite ausgehend jeweils minimal nach außen verschoben wird, damit der Rand an der offenen Seite trotz ungleichem Beschneiden immer gleich groß bleibt bzw. damit die bedruckten Stellen der Seiten der fertigen Broschüre genau übereinander liegen.

Was bedeutet das in der Praxis?

In der Praxis geht man jedoch eher umgekehrt vor. In der Regel minimiert man den Bund von außen nach innen. Entweder nutzt man hierzu ein spezielles Ausschießprogramm, das den Satzspiegel auf jeder Seite etwas nach innen zum Bund rückt, oder man geht manuell vor. Wichtig ist die Berücksichtigung des Bundzuwachses vor allem für Bilder, die im Hintergrund über eine Doppelseite verlaufen. Ist dies der Fall, dürfen diese natürlich nicht verschoben werden, sondern nur der Satzspiegel. Dennoch gilt in der Praxis immer, dass die Berücksichtigung des Bundzuwaches vom Seitenumfang und von der Papierstärke abhängt sowie dem Spielraum von Elementen, wie Seitenzahlen am Papierrand. Sind diese eng an den Rand gesetzt und berücksichtigt man den Bundzuwachs nicht, kann es zum Abschneiden kommen. Lassen Sie deshalb immer mindestens 5 mm Abstand zur Papierkante. Da sich aber wesentliche Toleranzen erst bei umfangreichen Broschüren ergeben, wird ein Bundzuwachs meist erst ab ungefähr 36-48 Seiten angepasst, je nach Papierstärke.

Bundzuwachs berechnen

Zur Berechnung des Bundzuwachses ist eigentlich die Papierdicke notwendig. Nachfolgend finden Sie aber eine Liste, aus der Sie Rückschlüsse über die Grammatur bei den von LASERLINE verwendeten Standardpapieren ziehen können. Bitte beachten Sie dabei, dass es sich nur um Zirka-Werte handelt, da das Volumen von Papieren deutlich variieren kann:
80 g/qm Naturpapier = 0,12 mm
115 g/qm Bilderdruck matt = 0,11 mm
115 g/qm Bilderdruck glänzend = 0,095 mm
135 g/qm Bilderdruck matt = 0,13 mm
135 g/qm Bilderdruck glänzend = 0,11 mm
150 g/qm Bilderdruck matt = 0,15 mm
150 g/qm Bilderdruck glänzend = 0,13 mm

Beispielberechnung aus der Praxis

Bei einem matt gestrichenem Papier mit z.B. 135 g/qm haben wir also eine Papierdicke von ungefähr 0,13 mm. Pro 4 Seiten kommt die Papierdicke bei einer Broschüre im Bund zum Tragen. Also rechnet man z.B. bei einer 96-seitigen Broschüre 96 Seiten durch 4 Seiten = 24 Bogen abzüglich des Umschlags, da dieser keine Verschiebung braucht. Das macht 23 Bogen x 0,13 mm = 2,99 mm Bundzuwachs. Für Sie bedeutet dieses Ergebnis, dass von der äußeren Seite jetzt immer Vorder- und Rückseite eines jeden Blattes nach innen theoretisch immer um 0,13 mm verschoben werden müsste. Letzendlich ist dann die innerste Seite um 2,99 mm nach innen verschoben:
1. Blatt (Seite 1+2)  = Umschlag ohne Verschiebung 
2. Blatt (Seite 3-4) = 0,13 mm
3. Blatt (Seite 5+6) = 0,26 mm
4. Blatt (Seite 7+8) = 0,39 mm
5. Blatt (Seite 9+10) = 0,52 mm
....
23. Blatt (Seite 45+46) = 2,86 mm
24. Blatt (Seite 47+48) = 2,99 mm
25. Blatt (Seite 49+50) = 2,86 mm
26. Blatt (Seite 51+52) = 2,73 mm
....
46. Blatt (Seite 91+92) = 0,26 mm
47. Blatt (Seite 93+94) = 0,13 mm
48. Blatt (Seite 95+96) = Umschlag ohne Verschiebung

Software-Automatisierung vs. manueller Vorgehensweise

In der Praxis ist diese Vorgehensweise allerdings nur mit einer automatisch vorgehenden Ausschießsoftware sinnvoll, denn der Aufwand wäre manuell enorm. Denn manuell müsste man zur sinnvollen Anwendung die Broschüre in einzelne Abschnitte aufteilen, die immer einen halben Millimeter weiter geschoben werden. Natürlich müsste dabei immer die Vorderseite und Rückseite eines Blattes gleich geschoben werden, damit diese sauber aufeinander stehen, also z.B.
Seiten 1-8 = keine Verschiebung
Seiten 9-16 = 0,5 mm
Seiten 17-22 = 1,0 mm
Seiten 23-30 = 1,5 mm
Seiten 31-36 = 2,0 mm
Seiten 37-44 = 2,5 mm
Seiten 45-48 + 49-52 = 3 mm (gerundet von 2,99 mm)
Seiten 53-60 = 2,5 mm
Seiten 61-66 = 2,0 mm
Seiten 67-74 = 1,5 mm
Seiten 75-80 = 1,0 mm
Seiten 81-88 = 0,5 mm
Seiten 89-96 = keine Verschiebung
Nur so kann gewährleistet werden, dass die fertige Broschüre nicht nur eine saubere Schnittkante aufweist, sondern auch einen gleichmäßigen Satzspiegel.

Bundzuwachs bei LASERLINE

Wie bereits erwähnt muss ein Bundzuwachs bei Rückenstichheftung meist erst ab einem Seitenumfang von 48 Seiten berücksichtigt werden. LASERLINE erstellt nur nach Absprache einen automatischen Bundzuwachs, da dies häufig nicht gewünscht ist, schon berücksichtigt wurde oder wegen Bildüberläufern über eine Doppelseite nicht möglich ist. Aus diesem Grund geht LASERLINE bei gelieferten Daten zunächst davon aus, dass der Bundzuwachs berücksichtigt wurde. Gerne können Sie aber bei Bedarf unsere Mitarbeiter persönlich ansprechen und mit ihnen das Zurechnen eines Bundzuwachses besprechen.

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