Bilder sprechen

22.04.2010 09:00:00
Die Aussage eines Bildes wirkt oft stärker als ein Text

Jeder kennt das Phänomen: Man betrachtet ein Bild und kann nicht mehr wegschauen. Weil es so viele Emotionen transportiert, viel mehr aussagt als bloße Worte, fesselt und zum Nachdenken anregt. Solche Motive sind das Salz in der Suppe des Layouts. Nur – wie findet man Fotos, die dem Betrachter mehr als ein müdes Lächeln abringen?

Die Bilderflut steuern

Quelle: Niko Korte Pixelio

Quelle: Niko Korte
(Pixelio) Mediennutzer werden heute von Bildern überschwemmt. Sei es in Magazinen und Zeitungen, im Fernsehen und im Kino, oder im Alltagsmedium Internet. Der Bilderflut begegnen die meisten Leser, Seher und Surfer mit Umblättern, Weiterzappen, Wegklicken. Bilder sind zur Massen- und Wegwerfware geworden. Immer seltener geschieht es, dass ein Bild im Gedächtnis haften bleibt und zum Verweilen einlädt. Wer jedoch als Gestalter das kleine Einmaleins der Bildsprache im Kopf behält, bewahrt sich die große Chance, dass seine Motivauswahl beim Betrachter hängen bleibt. Dass er innehält, nachdenkt, sich vom Bild gefangen nehmen lässt.

Erfahrungen machen Bilder?

Bilder können und sollen Emotionen wecken – das funktioniert jedoch nur, wenn die Motive für sich sprechen. Es nützt nichts, wenn ein Bild beim Fotografen schöne Erinnerungen weckt. Der Betrachter war schließlich in der Situation, in der das Bild entstanden ist, nicht dabei. Persönliche Vorlieben sollten sowohl beim Fotografieren, als auch bei der Bildauswahl außen vor bleiben. Auch spannende Bewegungsabläufe oder dreidimensionale Effekte lassen sich im Bild nicht entsprechend der Realität wiedergeben. Ein Foto ist statisch und zweidimensional. Daher gilt: Ein Bild sollte nicht mehr darstellen wollen, als es darstellen kann.

Die Frage nach dem Format

Quelle: Olaf Schneider Pixelio

Quelle: Olaf Schneider
(Pixelio) Ein- und dasselbe Motiv kann im Hochformat ganz anders wirken als im Querformat. Gleiches gilt für Bildausschnitte. Wichtigste Regel in diesem Punkt: Das Motiv muss im Mittelpunkt stehen, die Aufmerksamkeit darf nicht auf unwichtigen Details oder störenden Objekten liegen. Das Querformat wirkt zudem vertrauter, da es der Blickrichtung der Augen näher kommt. Ungewohntes kann man dagegen eher im Hochformat darstellen. Auch das bewusste Wählen des „falschen“ Formats kann interessante Spannungen erzielen: Panoramabilder im Hochformat oder Architekturbilder im Querformat beispielsweise.

Quelle: Rainer Sturm Pixelio

Quelle: Rainer Sturm
(Pixelio)

Die Sache mit dem goldenen Schnitt

Ein wesentliches Layoutprinzip lässt sich auch auf die Bildsprache übertragen: das des goldenen Schnitts. Fotos, die besonders harmonisch wirken sollen, werden nach dieser Leitlinie aufgenommen und ausgesucht. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass das bewusste Vermeiden des goldenen Schnitts mit den Sehgewohnheiten brechen kann – und so Aufmerksamkeit erzeugt. Zu Guter Letzt: Ein gelungenes Foto besteht auch aus einer guten Portion Handwerk. Selbstverständlich sollte der Fotograf mit Tiefen, Kontrast, Schärfe das Bild gestaltet haben. Das Motiv kann noch so gut sein – bei einer schlechten Umsetzung wird es dennoch weggeblättert, weggezappt, weggeklickt.

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