Ausgespiegelt die neuen Systemkameras

03.01.2013 09:00:00
Alles wird kleiner, aber ist die Spiegelreflexzeit wirklich vorbei?

Der Spiegel hat seine Schuldigkeit getan. Früher trennte er den Knipser vom Fotografen, heute ist er oftmals nur noch im Weg. Im Zuge der Digitalisierung setzen immer mehr Kamerahersteller bei ihren Modellen mit Wechselobjektiven auf spiegellose Systeme. Das macht die Kameras (und Objektive) kleiner und leichter und auch weniger anfällig für mechanische Dejustierungen. Wir haben uns das Wieso-Weshalb-Warum etwas genauer angeguckt. Schließlich war schon die erste Kleinbildkamera, Oskar Barnacks Leica, vor 100 Jahren eine spiegellose.

Der Blick auf die Pixel

Quelle: Olympus

Der Spiegel einer Reflexkamera lässt den Fotografen das sehen, was auch später der Sensor oder Film sieht. Mit modernen CMOS-Sensoren lässt sich die Bildinformation jedoch ständig auslesen, so dass man den Sensor auch zur Bildbeurteilung und zum Scharfstellen vor der Aufnahme einsetzen kann. Das entspricht einerseits noch exakter dem späteren Bild, andererseits ist die Bildbeurteilung auf dem Kameradisplay nicht jedermanns Sache. In der direkten Sonne wird sie zum Glückspiel und an der ausgestreckten Hand verhungert manchmal auch die Bildgestaltung. Ran ans Auge bedeutet ohne Spiegel aber auch auf einen elektronischen Sucher angewiesen zu sein. Aufstecksucher sind meist nur für weitwinklige Festbrennweiten eine Alternative. Die elektronischen Sucher bieten im Vergleich zur Spiegelreflex den Vorteil, dass sie noch genauer das spätere Bild unter dem Einfluss der Belichtungseinstellungen zeigen. Während im hellen Sonnenlicht die Beurteilung manchmal schwierig wird, ist bei schlechten Lichtverhältnisse der elektronische dem optischen Sucher sogar überlegen.

Auf die Dauer macht er sauer

Quelle: Olympus

Auch wenn die Auflösungswerte der Sucher in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht haben, ist in Sachen Brillanz und Bildeindruck der klassische Sucher deutlich überlegen, zumindest wenn er ausreichend groß ist und nicht nur ein Guckloch zeigt. Wer längere Zeit, z.B. bei der Sport- oder Tierfotografie mit dem Auge an der Kamera verbringt, wird mit einem elektronischen Sucher deutlich weniger Spaß beim Fotografieren empfinden. Allerdings sind genau diese Themen weder von der angebotenen Objektivpalette noch von der Autofokusgeschwindigkeit die Domäne der spiegellosen Fotografie. Mittlerweile sind die Scharfstellsysteme bei guter Beleuchtung und starren Objekten mindestens so schnell wie die SLR-Kollegen. Für tolle Testwerte ist also gesorgt. Bei der Verfolgung schneller Objekte sieht das allerdings schon anders aus und sobald die Helligkeit nachlässt, ist es meist auch mit der Herrlichkeit vorbei. Dann sucht sich der AF-Sensor dusselig, während der Spiegelvertreter noch fix bei der Sache ist.

Size does doch matter

Quelle: Olympus

Natürlich gibt es auch bezüglich dieser Einstellleistungen Unterschiede bei den einzelnen Herstellern spiegelloser Systemkameras. Doch viel elementarer sind die unterschiedlichen Sensorgrößen. Im Bemühen, die hauseigenen Spiegelreflexabsätze nicht zu kannibalisieren und möglichst viele Kompaktkamerakunden ins anspruchsvollere Segment herüberzuholen, ist das große Sensordurcheinander entstanden. Pentax beschränkt sich bei Q auf einen Winzsensor (6,2 x 4,6 mm), Nikon macht ihn bei der 1er-Serie zwar nicht groß, aber deutlich größer (13,2 x 8,8 mm), was die Möglichkeiten selektiver Schärfe jedoch immer noch schwer nutzbar macht. Panasonic und Olympus setzen mit Micro Four Thirds (17,3 x 13 mm) dagegen schon auf mehr Format. Noch etwas besser in Sachen Bildrauschen in der Dämmerung schlägt sich zumindest theoretisch der APS-C-Sensor bei Fuji, Sony, Samsung (23,6 x 15,7 mm) und Canon (22,5 x 15 mm). Einen Kleinbild-Vollformatsensor (24 x 36 mm) gibt es dagegen bisher erst bei den Leica-Messsucherkameras und der Sony RX1 ohne Wechselobjektive, die dann jeweils eine Klasse für sich darstellen.

Reanimation mit Adaption

Quelle: Novoflex

Sinnigerweise bieten ausgerechnet die modernen Systemkameras die besten Voraussetzungen, um auch ältere Objektive zu neuem Leben zu erwecken. Durch den fehlenden Spiegel ist der Abstand vom Objektivbajonett zum Sensor (Auflagemaß) so klein, dass noch ein Adapter dazwischen passt. Für Spiegelreflexobjektive sowieso, aber oft auch für die Schätzchen im Messsucherbereich. Da der Blick auf den Sensor auch dafür sorgt, dass man sowohl die Wirkung der Schärfe als auch der Blende sofort beurteilen kann, steht dem Reanimationsversuch nichts mehr im Weg. Allerdings entfällt dann meist der Autofokus und auch optisch kennt so manch Sensor keine Auflösungsgnade. Mit der Kompaktheit ist es dann auch vorbei. Doch mit ihren eigenen Linsen bieten die kleinen Spiegellosen gerade für Reise, Reportage und Portrait soviel optische Leistung wie nie zuvor auf kleinstem Kameraraum.

Übersicht Druckprodukte
  • zahlreiche Produkte im Digital- und Offsetdruck

  • umfangreiches Sortiment in der Werbetechnik

  • Rollenoffset Produkte für große Auflagen
  • 100% klimaneutral
Produkte finden
Wir helfen Ihnen weiter!
SIE BENÖTIGEN HILFE BEI DER DRUCKDATENERSTELLUNG?
Wir helfen Ihnen gerne bei der Erstellung Ihrer Druckvorlagen.
Auf unserer Serviceseite haben wir viele nützliche Hinweise dazu zusammengefasst.
SIE HABEN IHR WUNSCHPRODUKT NICHT GEFUNDEN?
Sollten Sie spezielle Anforderungen an ein Produkt haben, richten Sie bitte eine Anfrage an unser Service-Team. Gemeinsam finden wir die richtige Lösung für Sie!