APD statt APO

19.01.2017 09:00:00
Es gibt historische Lösungen, um Bildern einen klassischen (Un-)Schärfelook zu verleihen. Es gibt aber auch ganz moderne Lösungen – wie den APD-Filter von Fuji. Wir stellen den Filter genauer vor.

Je weiter die Blende geöffnet wird, desto stärker wirkt der APD-Filter von Fuji.
Quelle: Kesberger
Gerade in der Portraitfotografie wollen wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: das Gesicht. Manchmal sogar nur das Auge. Was scharf ist, ist wichtig, was unscharf ist, soll nicht ablenken. Fuji hat mit dem XF 1,2/56 mm R APD einen Spezialisten für die scharfen und unscharfen Momente im Leben herausgebracht. Schauen wir uns den Filter einmal ganz genau an.

Das Prinzip

Gegenlichtattacke – zum Glück wird beim APD-Filter eine Sonnenblende mitgeliefert.
Quelle: Kesberger
Apodisationsfilter haben es noch nicht in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft. Salopp gesagt sorgen sie dafür, dass die nicht scharf gestellten Bereiche noch unschärfer wirken. Wörtlich übersetzt sprechen wir hier von dem „Entfernen der Füße“, im Hörsaal setzen wir uns aber eher auf den Hosenboden, wenn wir mittels Fourier-Transformation die Unterdrückung der äußeren Beugungssscheibchen berechnen wollen. Aber das würde mathematisch jetzt wirklich zu weit führen. Freuen wir uns lieber, dass es funktioniert.

Immer drin

Beim Scharfstellen hilft es sehr, dass die Fuji X-Pro2 selbst erkennt, wo die Pupille sitzt.
Quelle: Kesberger
Der große optische Aufwand macht sich auch in einem nicht ganz unwichtigen Aspekt bemerkbar. Auch wenn Filter so schön nach drauf- und abschrauben klingt – das geht nicht. Er ist fest verbaut im Inneren des Objektivs. Aber warum sollte man ihn überhaupt auch mal abschalten wollten? Weil er Licht kostet! Die Bändigung der Randstrahlen sorgt dafür, dass die effektive Lichtstärke von Blende 1,2 nur noch 1,7 beträgt. Das kann durchaus manchmal weh tun, weil die Fuji-Kameragehäuse derzeit nicht über Bildstabilisatoren verfügen. Eine 1/90 Sekunde sollte es dann schon mindestens sein, um nicht zu verwackeln. Und andererseits wollen wir unsere cremige Unschärfe ja nicht mit dem zusätzlichem Rauschen höherer ISO-Werte beeinträchtigen.

Der Fokus

Für den Aufpreis von 300 Euro liefert Fuji auch einen Graufilter mit, damit sich die Offenblende mit selektiver Schärfe auch einsetzen lässt, wenn es sehr hell draußen ist.
Quelle: Kesberger
Das Fuji APD hat einen Vorläufer von Minolta, der bereits 1998 vorgestellt wurde. Dieses STF 2,8/135 mm (T4,5) wurde 2006 dann noch einmal unverändert als Sony-Spiegelreflex-Optik eingeführt. Das Fuji profitiert nicht nur von der moderneren Nanotechnologie bei der Herstellung des eigentlichen Filters, es ist auch das erste Apodisationsobjektiv mit Autofokus. Und da die Unschärfe beim Portrait auch stets davon lebt, dass die Schärfe auch da ist, wo sie hinsoll, sind die Hilfsmittel moderner Systemkameras hier sehr willkommen. Mit Gesichtserkennung bzw. Augenerkennung kann man der Kamera von vornherein sogar vorgeben, auf welches Auge sie scharfstellen soll und sich dann voll und ganz auf das Modell selbst konzentrieren.

Lohnt sich der Filter?

Die APD-Variante kostet einen Aufpreis von 300 Euro. Sieht man die Ergebnisse nur für sich, dann lohnt sich der Preis für so ein hochwertiges Portraitobjektiv allemal. Der Look erinnert sehr an analoge Zeiten und nimmt dem digitalen Bild seine Harschheit. Die Fuji-Kameras unterstreichen das durch ihre Filmsimulationen bei der jpg-Ausgabe. Schwieriger wird es, wenn man das normale 56er zum Vergleich für einen knappen Tausender hinzuzieht. Das zeigt zwar den unscharfen Hintergrund etwas härter, aber nur minimal. Schon dieses Objektiv hat ein sehr schönes Bokeh. Und da es faktisch sogar lichtstärker ist, kann man schon sehr ins Grübeln kommen...

 

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