Achtung, Einsturzgefahr!

14.04.2011 09:00:00
Stürzende Linien sind ein unerwünschter Effekt in der Fotografie. Man kann sie jedoch schon bei der Aufnahme vermeiden oder später am Rechner korrigieren

Manche Fotografien von Gebäuden verursachen beim Betrachter Schwindelanfälle, so schräg und verzerrt erscheinen die Fluchtlinien. Das liegt am Phänomen der stürzenden Linien: Linien, die in Wirklichkeit parallel verlaufen, erscheinen auf dem Foto so, als würden sie aufeinander zustreben. Das lässt sich jedoch leicht vermeiden oder verbessern.

Zentralprojektion vs. Parallelprojektion

Quelle: Sandra Küchler

Bei der Zentralprojektion schneiden sich die Fluchtlinien an einem imaginären Punkt – dem Fluchtpunkt. Auch Linien, die wie bei Gebäudekanten eigentlich parallel laufen, streben dadurch aufeinander zu und erwecken so den Eindruck der stürzenden Linien. Die Parallelprojektion ist dagegen eine Sonderform der Zentralprojektion. Hier liegt der Fluchtpunkt (man nennt ihn in diesem Fall auch Fernpunkt) fast unendlich weit entfernt, so dass der parallele Charakter der Linien erhalten bleibt – und somit das Gebäude unverzerrt „gerade“ steht.

Wie fotografiert man verzerrungsfrei?

Beim Fotografieren von Gebäuden ist also alles eine Frage der Perspektive. Nimmt man die Gebäude zum Beispiel platt von der Seite auf, so verstärkt sich der stürzende Eindruck. Besser ist es, zwei Seiten des Gebäudes und somit auch eine Ecke mit auf das Bild zu bringen. Auch das starke Kippen der Kamera begünstigt das „Umfallen“ der Gebäude. Dadurch, dass die Kamera nicht parallel zum Gebäude gehalten wird, streben die Linien optisch noch stärker auseinander. Oft neigt man jedoch dazu, bei hohen Gebäuden die Kamera nach oben zu halten – mit dem Effekt des Umkippens. Wenn möglich, sollte man daher auf starke Kameraschwenks verzichten und Gebäude beispielsweise von einem anderen Haus oder einer Erhöhung aus fotografieren.

Tilt und Shift

Quelle: Canon

Mit speziellen Objektiven lassen sich die Perspektivverzerrungen bei der Aufnahme automatisch korrigieren. Dazu benötigt man so genannte Tilt-und-Shift-Objektive (TS). Mit ihnen kann der Bildmittelpunkt festgelegt werden – unabhängig von der Filmebene, also der Position, in der der Fotograf die Kamera hält. „Tilt“ bedeutet dabei „Verschieben“, „Shift“ dagegen „Verschwenken“. Die Tilt-Funktion kippt einen Teil des Objektivs ab und knickt so die optische Achse. Beim Shiften wird die optische Achse verschoben. Manche Objektive beherrschen beides, einige nur Shift oder Tilt. TS-Objektive haben jedoch ihren Preis: In der Regel werden zwischen 1.000 und 2.000 Euro für sie fällig.

Korrigieren am Rechner

Quelle: Sandra Küchler

Günstiger als das Fotografieren mit einem TS-Objektiv ist die spätere Retusche von Bildern am Rechner. Allerdings erzielt man damit nicht immer befriedigende Ergebnisse. Photoshop CS5 bietet jedoch Möglichkeiten, um Verzerrungen im Nachhinein zu beseitigen. Der Objektivkorrektur-Filter leistet dabei gute Dienste. Er ist zu finden unter „Filter“ und „Objektivkorrektur“. Es empfiehlt sich, die benutzerdefinierten Einstellungen im zweiten Karteikartenreiter des Menüs zu treffen. Über das Drop-Down-Menü bei „Einstellungen“ lassen sich bereits gewählte Werte speichern und erneut abrufen. Über „geometrische Verzerrung“ entfernt man kissen- und tonnenförmige Verzerrungen, über „Transformieren“ vertikale und horizontale. Dazu dienen auch die Werkzeuge am linken oberen Rand des Menüs. Hier lässt sich zur besseren Korrektur auch ein Raster einblenden.

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