100 Jahre Nikon

17.08.2017 09:00:00
Eine der traditionsreichsten Fotomarken der Welt feiert Geburtstag. Nur schade, dass der japanische Hersteller Nikon ausgerechnet zum 100. eine Krise nimmt.

Sie ist das Urgestein des harten Bildjournalismus. Zwar war das elegante, flaneurhafte Warten auf den entscheidenden Moment spätestens seit Henry Cartier-Bresson fest mit der Leica verbunden, doch wenn es hart auf hart kam, musste es eine Nikon sein.

Die Schützengräben des Vietnamkriegs waren schon das Terrain der Japaner. Und auch Grund für traurige Berühmtheit: Robert Capa, der bekannteste Kriegsfotograf ever, hatte eine Nikon bei sich, als er auf eine Mine trat.

James Stewart machte seine Beobachtungen in Hitchcocks „Fenster zum Hof“ auch mit einer Nikon. Doch nicht nur die Presselandschaft hat sich gewandelt, auch Nikon hat heute zu kämpfen.

Der Anfang

100 Jahre Nikon: Eine der besten Messsucherkameras aller Zeiten – die Nikon SP von 1957.
Quelle: Nikon
Die Gründung von Nikon erfolgte 1917 als Zusammenschluss mehrerer kleinerer Optikfirmen. An Kameras war da noch nicht zu denken. Immerhin wurden in Tokio ab 1925 Objektive hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg wuchs die kleine Firma dann zu einem riesigen Optiklieferanten für die Amee. Doch nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde der Konzern zerschlagen. An kompakten Kameras für ihre Soldaten waren die Besatzer aber durchaus interessiert. Also machte man sich nach deutschen Vorbildern, nicht zuletzt auf Grund der ebenfalls kriegsbedingt geschredderten Patente von Leica und Contax, an die Konstruktion von Sucherkameras.

Der Kick

100 Jahre Nikon: Die Profikamera der 1980er Jahre – die Nikon F3.
Quelle: Nikon
Die Kamerabauer lernten schnell, doch der wirtschaftliche Erfolg beruhte vor allem darauf, dass Nikon auch Objektive für die deutschen und japanischen Kamerakonkurrenten anbot. Als dann amerikanische Berichterstatter die scharfen Nikkore im Koreakrieg nutzten, öffnete sich mit Referenzen in der New York Times und Life der amerikanische Markt für Nikon. Endgültig für den Siegeszug auf dem Profisektor sorgte die Spiegelreflex Nikon F, die alles zusammenfasste was damals technisch machbar war und nicht wie Leica am deutlich beschränkteren Messsucherprinzip festhielt. Größere Entfernungs- und Brennweitenbereiche bot nun einmal die Spiegelreflex. Das sollte sich auch mit den Nachfolgern F2 und F3 nicht ändern. Der ewige Konkurrent Canon verkaufte auch in den 1970ern und 1980ern die meisten Kameras, doch der sprichwörtliche Profiausstatter war Nikon.

Die Digitalisierung

100 Jahre Nikon: Sie sorgte für die Digitalisierung der deutschen Presselandschaft – die Nikon D1 von 1999.
Quelle: Nikon
Diese Marktaufteilung zeigte sich auch im Zuge der Digitalisierung. Die ersten umgebauten, sündhaft teuren Profi-Digitalkameras von Kodak beruhten meist auf Nikon-Gehäusen. Und mit der D1 gelang Nikon zur Jahrtausendwende quasi im Alleingang die Digitalisierung der meisten Zeitungsredaktionen. Unter 3 Megapixel für über 10.000 DM – das galt damals als attraktiv. Den Erfolg beim Massenpublikum schaffte aber wieder Canon mit der ersten DSLR für unter 1.000 €. In der Folge ginge der Konkurrenzkampf in die nächste Runde und Nikon schaffte es zumindest im Profisegment wieder aufzuschließen, erst recht als die Nikon D3 quasi den Blitz auf den Pressekonferenzen abschaffte. Na ja, zumindest fast.

Die Krise

100 Jahre Nikon: Und sie wird immer noch gebaut – der analoge Alleskönner Nikon F6.
Quelle: Nikon
Ein strukturelles Defizit konnte Nikon nicht beseitigen und das machte das Unternehmen in der durch iPhone & Co. heraufbeschworenen Fotoabsatzkrise anfällig. Während Canon und der neu hinzugekommene Konkurrent Sony mit eigenen Sensoren die komplette Wertschöpfungskette nutzen konnten, musste Nikon die Pixelpakete zukaufen. Und das zum Großteil auch noch bei Sony, ohne immer auf die modernste Technik zugreifen zu können. Dann hielt man zu sehr am DSLR-Konzept fest und fand bisher keine marktgerechten Lösungen für spiegellose Systemkameras. Etwaige Ähnlichkeiten mit der strategischen Mutlosigkeit von Leica in den 1960ern sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Einführung einer neuen Kompaktkameralinie geriet zum abgesagten Desaster und zum Jubiläum folgten nur Ankündigungen statt neuer Modelle.

Die Widerstandsfähigkeit, die man Nikons Kameras jahrzehntelang nachsagte, kann das Unternehmen gerade gut gebrauchen. Wir gratulieren zum Geburtstag und wünschen der „Living Legend“ für die Zukunft alles Gute.

 

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