Ende der Type1-Fonts

30.11.2005
Adobe stellt den Support und den Verkauf der PostScript Type1-Schriften ein und verweist für zukünftige Anwendungen auf OpenType.

Bereits seit 1999 entwickelt Adobe keine PostScript Type1-Schriften, eines der ersten Outline-Schriftformate, mehr. Man setzte auf OpenType als plattformübergreifend nutzbares Fontformat und inzwischen ist jede Adobe-Schriftart als OpenType erhältlich. Nun soll Ende 2005 der Support für die "Multiple Master Fonts" eingestellt werden, auch wenn diese noch immer in Adobe-Anwendungen funktionieren. Und mit Veröffentlichung von Windows Vista (Ende 2006) plant Adobe den vollkommenen Verkaufsstopp der Type1-Fonts für Mac und Windows.

PostScript Type 1-Schriften

Mitte der 80er Jahre entwickelte Adobe für die von ihnen ebenfalls konzipierte Seitenbeschreibungssprache PostScript ein eigenes Fontformat. PostScript Type1-Schriften basierten auf Kurven und waren bis Ende des 20. Jahrhunderts der dominierende Schriftstandard des Grafikdesigns und des PrePress-Bereichs. Doch PostScript Type1-Fonts bieten eine schlechte Bildschirmoptimierung und besitzen keine Unicode-Unterstützung, haben also nur Platz für maximal 256 Zeichen. Sie sind zudem nicht plattformübergreifend einsetzbar und die Schriften sind jeweils in mehrere Dateien aufgespalten.

Nachfolger OpenType

Deshalb entwickelte Microsoft zusammen mit Adobe einen Nachfolger der PostScript-Type1- und der ebenfalls Anfang der 90er-Jahre aufkommenden TrueType-Fonts. OpenType wurde bereits im Jahr 2000 eingeführt und besitzt alle Vorzüge, die eine Schrift haben muss. Denn OpenType-Schriften nutzen alle Vorteile von UniCode und sind plattformübergreifend, d.h. eine im OpenType-Format vorliegende Schriftart funktioniert auf Macintosh- ebenso wie auf Windows-, Linux- oder Unix-Rechnern. Durch die UniCode-Basis kann es dazu die insgesamt 65535 Glyphen, d.h. grafische Schriftzeichen, des Systems nutzen. OpenType-Schriftarten können deshalb einen erweiterten Schriftsatz und erweiterte Layoutfunktionen umfassen und ermöglichen somit eine bessere Sprachunterstützung sowie eine genauere typografische Steuerung.

Type1 als "obsoletes" Format

Sieht man sich die Vorteile von OpenType-Schriften an, wundert es nicht, dass Adobe-Mitarbeiter Thomas Phinney dieses Format in einer öffentlichen Stellungnahme aus technischer Perspektive als "obsolet", absolut veraltet, ansieht. Phinney, der seit 1997 in der Schriftabteilung von Adobe tätig ist, begleitete die Umstellung auf OpenType und war maßgeblich an der Umstellung aller PostScript Type1-Schriften auf OpenType beteiligt. Denn inzwischen sind für nahezu alle alten Adobe Type1-Schriften Pendants in OpenType verfügbar, wodurch die Migration von einen zum anderen Schriftstandard nicht mehr ganz so schwer fallen sollte.

Einstellung des Supports und Verkaufs

Bereits seit 1999 entwickelt Adobe nun schon keine PostScript Type1-Schriften mehr. Dennoch werden sie nach wie vor vielfach in der Grafikbranche eingesetzt und genutzt. Nach nun beinahe 20 Jahren, in denen Type1 schon auf dem Markt ist, will Adobe auch den aktiven Support für diesen Schrifttyp Ende 2005 einstellen. Natürlich, so betont Phinney, werden "Multiple Master Fonts in den Adobe-Anwendungen auch weiterhin funktionieren, aber es werden zukünftig keine Probleme mehr in diesem Bereich behoben." Denn die Zukunft sieht Adobe im OpenType-Format, nicht zuletzt weil der Type1-Verkauf schon lange zurückgeht. Deshalb will Adobe Ende 2006 auch den Verkauf der Type1-Fonts vollständig einstellen.

Grund 1: Fonts sind Software!

Ein Grund für das Ende der Type1-Schriften ist deren Alter: "Die Menschen erwarten, dass ihre Schriften für immer funktionieren. Aber mit dem Ende von Type1 ist es auch wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass die Kunden seit Jahrzehnten bereits Type1 benutzen." meint Phinney dazu in seiner Stellungnahme. "Welche andere Software, die Sie in den späten 80er Jahren gekauft haben, benutzen Sie heute noch in ihrer ursprünglichen Version?" fragt er weiter, denn den wenigsten ist bewusst, dass Schriften auch nur Software sind, wie jedes andere Anwendungsprogramm auch. Zieht man dies in Betracht, ist es beinahe schon verwunderlich, wie lange Adobe die PostScript Type1-Schriften noch unterstützte. Phinney dazu: "Wir erhalten immer noch gelegentlich technische Supportanfragen für ein Problem, das wir in zwei Type1-Schriftfamilien 1993 bereits bereinigt hatten."

Grund 2: Avalon - Windows Vista

Ein weiterer Grund ist die für Ende 2006 geplante Einführung von Windows Vista, dessen Grafik-Engine namens Avalon keine PostScript-Type1-Fonts mehr unterstützen wird. Denn ob die kleinen Software-Plugins, welche Schriften eigentlich sind, auch weiterhin im Betriebssystem funktionieren ist vom jeweiligen Systemhersteller abhängig. Und Microsoft entschied sich mit Windows Vista, im neuen Grafiksystem namens Avalon Type1 nicht weiter zu unterstützen. Beides, Windows Vista und Avalon (das auch für Windows XP erhältlich sein wird) sollen in der zweiten Hälfte von 2006 veröffentlicht werden. Damit werden Type1-Schriften auf den neuen Systemen und deren neuen Anwendungen, die hierfür speziell programmiert werden müssen, nicht mehr in den Schriftmenüs zu sehen sein. Ältere Anwendungen aber, die noch nicht mit Avalon zusammen arbeiten, werden Type1-Schriften auch weiterhin erkennen. Und natürlich können Nutzer der Adobe-eigenen Font-Enginge weiterhin auf Type1-Schriften zugreifen.

Fazit: Umstieg auf OpenType Windows-Nutzern anzuraten

Spricht man deshalb vom Ende der Type1-Schriften, so bezieht sich das eigentlich nur auf Nutzer von Windows-Rechnern und Anwender der neuen Grafik-Enginge Avalon unter Windows Vista. Sie sollten sich schon jetzt auf OpenType umstellen, um bei der Betriebssystemumstellung vor bösen Schriftüberraschungen gewappnet zu sein. Alle anderen Nutzer, die weiterhin ihr altes Betriebssystem verwenden wollen und natürlich Mac OS-Nutzer können auch weiterhin Type1 nutzen. Einziger Wermutstropfen ist, dass schon bald keine weiteren PostScript Type1-Schriften mehr zu kaufen sind und Adobe bei Problemen auch nicht mehr helfen wird. Wie man es aber auch sieht: Der Umstieg auf OpenType ist gerade in der heutigen Zeit der globalen Kommunikation anzuraten, tauscht man häufig Satzdateien unterschiedlicher sprachlicher Herkunft untereinander aus. Nur mit OpenType-Schriften ist dann gewährleistet, dass aus einzelnen Zeichen nicht plötzlich eckige Kästen werden …

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