Eine Schicht tiefer

23.11.2005
In einer Ausstellung von Micha Brendels organischen Kunstobjekten und Todes-Bildwerken trifft Kunst auf Medizinhistorie.

Hautarbeiten als Kunst? Der Künstler Micha Brendel verlässt die gewohnten Bahnen der Kunst, um organische Stoffe zu Kunstwerken umzugestalten. Die Kunst Brendels will hinter die fleischernen Fassaden blicken und Gemeinsames und Trennendes entdecken. Seine Todes-Bildwerke, Hautarbeiten und organischen Kunstobjekte werden jetzt in vier Museen, von denen Berlin die erste Station bildet, zusammen mit ausgewählten Exponaten der Medizinhistorie präsentiert und in Beziehung gesetzt. Kunst aus einer anderen, organischen Sicht an der Schnittstelle von Anatomie und Plastik, von Medizin und Kunst.

Das Werk Micha Brendels

Der 1959 geborene Berliner Künstler Micha Brendel wurde vor allem durch seine Hautarbeiten bekannt. Als „Lebenszeichen“ arbeitet er bereits seit über zehn Jahren Naturdärme um in Bilder, Collagen, Objekte und Bücher. Bücher aus Darm? Das anatomische Exponat wird zur Kunst, zur Grundlage und Basis allen künstlerischen Wirkens. In einem anderen Verfahren färbt er Därme ein, gestaltet damit im nassen als auch im getrockneten Zustand und kombiniert mit Kunststoffen oder Blattgold. Es entsteht ein ästhetisches Gesamtwerk aus einem als gänzlich unästhetisch erachteten Grundstoff. Damit verlässt Micha Brendel den herkömmlichen künstlerischen Wirkungskreis und schließt die Schnittstelle zwischen medizinischer Anatomie und künstlerischer Plastik.

Ausstellung „Eine Schicht tiefer“

In der Ausstellung „Eine Schicht tiefer“ seziert Micha Brendel deshalb nicht nur die Kunst sondern auch die Anatomie. Den passenden Rahmen dazu bieten vier unterschiedliche Museen an drei verschiedenen Berliner Standorten, die sich alle Medizinhistorie, Trauerkultur und Biologie befassen. Im Zentrum der gemeinsamen Ausstellung steht immer das Organische und damit das Leben spendende. Je nach Ausstellungsort werden Brendels Objekte den jeweiligen Ausrichtungen entsprechend präsentiert. Dabei zeigen sich Brendels Werke nicht nur als fleischerne Fassade, sondern auch als künstlerisches Objekt im Bezug auf die jeweiligen Ausstellungsschwerpunkte. Dazu werden ausgewählte Exponate der Sammlungen mit seinen künstlerischen Objekten in Beziehung gesetzt. Eine Zusammenstellung, die unvermutete Verwandtschaften zwischen künstlerischen, medizinischen und kulturgeschichtlichen Objekten zu Tage fördern kann. "Eine Schicht tiefer" erhält somit an allen drei Ausstellungsorten einen spezifischen, unverwechselbaren Charakter und regt zur Kunst außerhalb gewöhnlicher Betrachtungswinkel an.

Ausstellungsorte

Noch bis 31. März 2006 gastiert die Ausstellung "Eine Schicht tiefer" im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. Mit seinen wertvollen und seltenen pathologisch-anatomischen Präparaten bildet es die erste Station der Museumstournee durch ganz Deutschland. Im Anschluss sind die Objekte vom 30. Juni bis 3. September 2006 im Museum für Sepulkralkultur Kassel in einem neuen Bezugsfeld zu betrachten. Und ab dem 3. Dezember 2006 bis zum 18. Februar 2007 ist Brendels Anatomiekunst zu Gast im Phyletischen Museum Jena sowie der Kunstsammlung im Stadtmuseum Jena.

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