Die Kunst der Serie

14.06.2018
Nichts unterscheidet den ernsthaften Fotokünstler so sehr vom Amateur wie das Einzelbild von der Serie. Da treffen dann Fotoalbum und Galeriewand aufeinander. Zeit die Augen zu schulen, auch im Alltag.

Was uns zum Fotografieren bringt, sind oft die großen Einzelbilder. Das Bild, das einen inne halten lässt. Und die Welt sieht plötzlich anders aus. Das bleibt haften und wir sehen gar nicht, dass sie meist Teil einer ganzen Reportage sind, eines langen Fotografen-Arbeitstages.

Und so jagt der Amateur diesem einen Bild nach, von dem die Umwelt dann begeistert ist. Das Siegerbild im Wettbewerb. Wenn es gelingt, dann herzlichen Glückwunsch, aber gewinnbringender, spannender ist doch meist die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema. Ein Hoch auf die Serie.

Wo? Hier!

Wenn das noch nicht so klappt mit dem großen Durchbruch als Fotograf, dann wissen wir ja immer woran das liegt: Das falsche Objektiv, die falsche Kamera, das falsche Licht und außerdem kommen wir zu den besten Locations ja gar nicht hin.

Wer in Ansel Adams Bildbänden aus den Nationalparks blättert, wird in der Uckermark auf den ersten Blick nicht so richtig glücklich. Alles Quatsch. Landschaft ist überall. Die Bilder liegen vor der Haustür. Wir müssen nur die Augen aufmachen.

Die Nachwelt wird es uns auch danken, wenn wir unsere Umgebung abbilden und nicht den unzähligen Bildern des Grand Canyons noch ein überflüssiges hinzufügen.

Quelle: Carlos Bustamante

Schirme? Schirme!

Die Bilder dieses Artikels entnehmen wir dem Pressematerial zur aktuellen Ausstellung „Umsonst und draußen“ von Carlos Bustamante in der Galerie der Fotopioniere (Berlin-Friedrichshain bis 10.08.2018).

Die Schirme sind eine von zwei gezeigten Serien. Schirme sollen ein Thema sein? Sie sind es, sie sind sogar eine Sehschule. Gerade zusammengeklappt und somit ihrer schützenden Funktion beraubt, machen sie uns nachdenklich.

Manchmal ist so ein zusammengeklappter Schirm nur noch traurig. Manchmal ist er aber auch wahnsinnig komisch. Oder Sinnbild für etwas ganz anderes – vielleicht sind das gar keine Schirme, sondern Gestalten, die nur darauf warten, die Schirmherrschaft anzutreten?

Die Schirm- und andere Sehschulen

Und wer lange genug hinguckt, wird sie danach überall sehen, diese Schirme an denen er oder sie zuvor achtlos vorbei ging. Und plötzlich haben wir unser Thema. Der Rest ist fotografieren.

Man kann das auch als ironischen Kommentar zu den Königen der Fotoserie auf dem Kunstmarkt betrachten. Bernd und Hilla Becher haben alles in große Tableaus aus Einzelbildern gepresst: Wassertürme, Fachwerkhäuser, Schwebebahnhöfe. Aus ihrer Schule des Sehens sind die am Kunstmarkt erfolgreichsten und teuersten Fotografen unserer Zeit hervorgegangen.

Für die Museumswände der Bechers hat es diese Strenge gebraucht, die das große Ganze und gleichzeitig die kleinen individuellen Unterschiede zeigt. Die ersten Serien sind teilweise noch bei Sonnenschein entstanden. Das ging gar nicht. Die Becher brauchten zur Vereinheitlichung ihr diffuses Matschlicht.

Die Vereinheitlichung

Aber die Schirme zeigen eben auch, dass es so streng gar nicht sein muss. Schwarzweiß und Farbe zu mischen ist bestimmt keine gute Idee. Hier ein Superweitwinkel, da ein starkes Tele, wahrscheinlich auch nicht.

Wir brauchen eher eine einheitliche Bildsprache, ohne jetzt allzu dogmatisch zu werden. Und dann brauchen wir Geduld und werden so langsam vom Jäger mit dem Teleobjektiv zum Sammler der Gelegenheiten, bis aus Einzelbildern dann auch Serien werden.

Dazu kann man gezielt wochenlang an einem Thema arbeiten oder man füllt nur en passant über Jahre einen Lightroom-Ordner. Der Rest ist eine einheitliche Präsentation, ob als Gallery Print gedruckt an der Wand, im Portfolio, bei Instagram oder im Fotobuch. Wettbewerbe gewinnt man damit selten. Aber dafür an Qualität.

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