Die Geschichte der Antiqua

29.01.2009
Die Antiqua-Schriften zählen bis heute zu den beliebtesten Fonts in der Typografie. Entstanden sind sie im 15. Jahrhundert – bedeutende Schriftgestalter haben sie weiterentwickelt.

Der italienische Humanismus bildete die Wiege der Antiqua-Schriften, deren Bedeutung und Beliebtheit bis heute ungebrochen ist. Im Lauf der Jahrhunderte gingen verschiedene Varianten aus der venezianischen Renaissance-Antiqua hervor. Wichtige Schriftgestalter waren Claude Garamont, William Caslon und John Baskerville.

Die „Ur“-Antiqua

Die venezianische Renaissance-Antiqua, die heute im DIN-System 16518 die erste Gruppe bildet, war der erste Antiqua-Typ. Sie ging wie schon erwähnt aus einer handgeschriebenen Buchschrift hervor. Die Humanisten nahmen dabei an, dass die karolingischen Minuskel aus der Antike stammen. Daher rührt der Name „Antiqua“ her. Die venezianische Renaissance-Antiqua zeichnet sich durch eine geringe Varianz der Strichdicken aus. Die Serifen sind meist konkav, die Ansätze der Kleinbuchstaben schräg.

Die Antiqua in Venedig

Italien blieb zunächst das Zentrum der Antiqua-Schrift. 1469 entwickelten die beiden Deutschen Johann und Wendelin da Spira eine formale Form der Schrift. Ciceros Werk „Epistulae ad familiaris“ wurde in dieser Schriftart gedruckt. Ein Jahr später entwickelte der Franzose Nicolas Jenson ebenfalls in Venedig eine weitere Antiqua. Sie wich vom handschriftlichen Charakter ab und verbreitete sich rasch. Weiterentwickelt wurde diese Form von Aldus Manutius, der sie noch mehr von der Handschrift entfernt konzipierte: Die Antiqua hatte sich als Druckschrift durchgesetzt.

Weitere Verbreitung

Das Zentrum der Antiqua-Schriften verlagerte sich schließlich von Italien nach Frankreich. Vor allem Claude Garamond machte sich um die Antiqua verdient. Er schuf die Betonung von fetten Grund- und feinen Haarstrichen. Die Punze des „e“ neigte sich in seinen Schriften im oberen Teil der Rundung nach rechts. Außerdem entwickelte Garamond auch einen kursiven Antiqua-Schnitt. Seine Schriften verbreiteten sich rasch nach Belgien, in die Schweiz und nach Deutschland. Auch der Kupferstich, der im 17. Jahrhundert verstärkt genutzt wurde, gab der Antiqua neue Impulse. Die Serifen wurden feiner, die Punze des „e“ größer.

Wichtige Schriftgestalter

Auch in England erfreuten sich die Antiqua-Schriften wachsender Beliebtheit. William Caslon orientierte sich in der Schriftgestaltung an der Wirkung des gesamten Schriftbildes. Auch John Baskerville machte sich um die Weiterentwicklung der Antiqua verdient. Er konzipierte besonders gut lesbare Schriften mit starken Gegensätzen der Schriftstärken und stark betonten Serifen bei den Majuskeln. In Frankreich war im 18. Jahrhundert François Ambroise Didot der wichtigste Antiqua-Vertreter. Er schuf Schriften mit noch zarteren Grundstrichen und feineren Linien, die wie ein Kupferstich wirken sollten. In Italien entfernte Giambattista Bodoni (Bild) die Antiqua noch stärker vom handschriftlichen Bild. Seine Fonts kontrastieren in den Strichstärken und weisen dünne Serifen auf.

Einteilung der Schriften

Die DIN-Norm 16518 teilt die Fonts in elf Gruppen ein. Acht davon werden von Antiqua-Varianten beherrscht. Die erste Gruppe umfasst die venezianische Renaissance-Antiqua, die zweite die französische Renaissance-Antiqua, die dritte die Barock-Antiqua und die vierte die klassizistische Antiqua. In der fünften Gruppe finden sich serifenbetonte Linear-Antiqua-Schriften wieder, in der sechsten die serifenlosen. Weitere Antiqua-Varianten, die sich nicht einer anderen Gruppe zuordnen lassen, werden in die siebte eingegliedert. Die neunte Gruppe beinhaltet wiederum handschriftliche Antiqua-Typen.

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