Die 1-Euro-GmbH

07.08.2008
Derzeit ein heißes Thema: die 1-Euro-GmbH. Was bedeutet diese Rechtsform für Designer und Kreative? Wo liegen mögliche Vorteile, was kann sich zum Nachteil entwickeln?

Es klingt verlockend: Für nur einen Euro eine GmbH zu gründen – schließlich waren dafür bislang 25.000 Euro nötig. Eine Summe, die viele Existenzgründer nicht aufbringen können. Doch die 1-Euro-GmbH bringt nicht nur Vorteile, sondern kann unter Umständen sehr tückisch sein. Deshalb sollten sich Kreative genau überlegen, ob sich diese Rechtsform für sie lohnt.

Einführung noch dieses Jahr?

Ab November dieses Jahres soll es möglich sein, eine 1-Euro-GmbH zu gründen. Das bedeutet, dass als Startkapital bereits ein Euro ausreicht. Die neue haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) wird auch als „Mini-GmbH“ bezeichnet. Der Bundestag hat diese Mini-GmbH am 24. Juni dieses Jahres verabschiedet, um Existenzgründern den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern und um eine Alternative zur englischen Limited zu bieten.

Was wird benötigt?

Die Gründung einer 1-Euro-GmbH kostet etwas mehr, als den einen Euro Startkapital. Der Gründer muss bestimmte Vordrucke und Musterverträge ausfüllen und sie von einem Notar beglaubigen lassen. Inklusive Eintrag ins Handelsregister werden dafür rund 150 Euro fällig. Dafür soll jedoch die Bearbeitung theoretisch,  anstatt wie bisher viele Wochen, nur noch einen Tag dauern.

Von der Mini-GmbH zur „richtigen GmbH“

Ein wichtiger Passus bei der Mini-GmbH ist, dass sie über kurz oder lang in eine reguläre GmbH umgewandelt werden soll. Laut Gesetzentwurf soll das Mindeststammkapital allerdings von 25.000 auf 10.000 EUR sinken. Das heißt, dass jährlich ein Viertel des Gewinns im Unternehmen verbleiben muss, bis diese Summe erreicht ist. Dann wird die Unternehmergesellschaft in eine vollwertige GmbH umgewandelt.

Insolvenzen bei der 1-Euro-GmbH

Um die so genannten „Firmenbestattungen“ zu vermeiden, gelten auch im Fall einer Insolvenz bei der 1-Euro-GmbH andere Regeln. Jeder Gesellschafter der Mini-GmbH ist verpflichtet, bei Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen. Wenn er dem Unternehmen einen Kredit gewährt hat und diesen kurz vor der Insolvenz zurückfordert, haftet er damit ein Jahr lang gegenüber den Forderungen der Gläubiger.

Soziale Absicherung

Zahlreiche Verbände aus der kreativen Branche warnen vor der 1-Euro-GmbH. Der Bund Deutscher Grafik-Designer sieht die soziale Absicherung von Freiberuflern in Gefahr. Das wäre der Fall, wenn sich scheinselbstständige Designer zwar hauptsächlich von einem Unternehmen beschäftigen lassen, dafür aber keine Sozialabgaben oder Abgaben an die Künstlersozialkasse bezahlt werden. Durch die 1-Euro-GmbH könnten solche Fälle sprunghaft ansteigen – vor allem, wenn die Auftraggeber die Kreativen zur Gründung einer solchen GmbH drängen.

Fazit

Die Mini-GmbH bietet eine Alternative zur englischen Limited. Die Gründung kann ohne großen Aufwand oder Kapitaleinsatz schnell vonstatten gehen. Dennoch muss sich der Gründer klar sein, dass zunächst ein Viertel seines Gewinns im Unternehmen verbleiben muss – das kann gerade in den Anfangsjahren eine große Belastung sein. Auch das Insolvenzrecht kann tückisch sein. Ob die Bedenken hinsichtlich der vermehrten Scheinselbstständigkeit von Designern gerechtfertigt sind, wird sich hingegen erst nach der Einführung der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft zeigen.

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