Der Blocksatz – für ein entspanntes Lesen

23.08.2018
Ob in Tageszeitungen, Büchern oder Zeitschriften: Der Blocksatz ist beliebt. Er steht für ein homogenes Bild, das das Lesen erleichtert. Allerdings gilt das nur, wenn er gut gemacht ist. Die Blocksatz-Befehle in Word und Indesign allein genügen nicht.

Ein Text, der links- und rechtsbündig zugleich ist, ist im Blocksatz gesetzt. Jede Zeile einer Spalte ist also gleich lang. Das schafft Ruhe. Es wird dem Auge leicht gemacht, den Worten zu folgen – sprich zu lesen. Deswegen ist der Blocksatz so beliebt. Nicht nur bei Tageszeitungen und Zeitschriften, auch bei Büchern ist er Standard. Meistens weicht man nur in der ersten und letzten Zeile von der gleichzeitigen Links- und Rechtsbündigkeit ab: Die erste Zeile eines Absatzes ist oft ein wenig eingerückt und die letzte Zeile geht nicht bis zum Ende der Spalte. Beides geschieht, um Anfang und Ende eines Absatzes optisch ansprechend zu kennzeichnen.

Wortabstände vergrößern und verkleinern

[REFERENCES OBJECT NOT FOUND ll1lv2429aweuw6td] Was sich so einfach anhört, hat seine Tücken, was das Layout betrifft. Denn um einen Text im Blocksatz zu setzen, müssen die beim Flattersatz gleich eingestellten Wortabstände (gegebenenfalls auch die der Buchstaben) vergrößert oder verkleinert werden. In jeder Zeile gibt es dementsprechend unterschiedliche Zwischenräume. Gleichmäßig jedoch wirkt das Schriftbild nur, wenn die Abstände ausgewogen sind. Schnell ist alles auseinandergerissen, wenn man die Blocksatz-Befehle in Textprogrammen wie Word und in Layoutprogrammen wie InDesign nutzt, ohne weitere typografische Vorgaben einzustellen.

Als ob Wasser hinabfließt

Optisch macht sich das Auseinanderreißen vor allem durch die sogenannten Gießbäche bemerkbar. Entstehen zwischen den Worten allzu große Lücken – und das in jeder Zeile –, folgt das Auge ihnen von oben nach unten. So, als ob Wasser einen Berg hinabfließt. Es fällt dann schwer, in einer Zeile zu bleiben und sich auf das Lesen zu konzentrieren. Für einen üblichen Fließtext gilt: Der Blick gleitet nicht hinab, wenn der Abstand zwischen zwei Worten in etwa so groß ist, wie das Innere eines kleinen Buchstabens breit ist. Dieser Innenraum einer Minusekel heißt auch Punze.

Worte richtig trennen

Mit den Standardeinstellungen lässt sich in keinem Programm ein perfektes Ergebnis erzielen. Der Grafiker oder Layouter muss Vorgaben machen, die den Wortabstand beeinflussen – abhängig von Textart, Schrift und Schriftgröße. Als Faustregel gilt zum Beispiel, dass der ideale Wortabstand mit steigendem Schriftgrad sinkt. Wichtig, wenn man Fließtexte mit Plakatüberschriften vergleicht. Außerdem muss der Wortzwischenraum mit dem Zeilenabstand abgestimmt werden. Und wenn die Spalten allzu schmal sind, besteht die Gefahr, dass bei langen Worten die Zwischenräume zwischen den Buchstaben auseinandergerissen werden, weil kein zweites Wort mehr in die Zeile passt. Es geht also auch um die Laufweite von Schriften. In jedem Fall muss man die Silbentrennung aktivieren, wenn der Blocksatz gelingen soll. Aber aufgepasst: Es dürfen nicht zu viele Trennstriche aufeinander folgen. Diese Häufung fällt ins Auge und lenkt vom eigentlichen Text ab. Drei Trennungen direkt untereinander empfinden viele Menschen optisch als das maximal Erlaubte. Allerdings geht das Minimieren der Trennstriche auf Kosten der optimalen Wortabstände.

InDesign – viele Möglichkeiten

Im Gegensatz zu Microsoft Word arbeitet InDesign bereits grundsätzlich mit der Silbentrennung. Das entsprechende Häkchen findet man im Menü „Schrift“ unter „Absatz“ – ganz unten, wo man sie ausstellen könnte. Und es gibt weitere Einstellungen dazu: Aufzurufen über ein Untermenü, auch Kontextmenü genannt. Dort bestimmt man zum Beispiel, ab welcher Wortlänge getrennt wird. Oder auch, wie viele Trennstriche direkt aufeinander folgen dürfen. Nicht zu vergessen, wie lang (ab-)getrennte Vor- und Nachsilben sein sollen. Der Schieberegler „Abstände optimieren/Weniger Trennstriche“ gibt an, was dem Grafiker tendenziell wichtiger ist.

Im Zweifel Hand anlegen

Ebenfalls unter „Schrift“/„Absatz“ kommt man auf das Kontextmenü „Abstände…“. Über Prozentangeben lassen sich hier zum Beispiel die Wortabstände nach den Kriterien „Minimal“, „Optimal“ und „Maximal“ bestimmen. Dort ist auch die Einstellungsmöglichkeit, wie man mit einem Wort umgehen möchte, das in der Zeile keinen Platz für ein weiteres lässt. Im Blocksatz passt es selten, ein einzelnes Wort auf eine Zeile zu zerren. Auch links- oder rechtsbündig oder zentriert sollte es nicht stehen. Deswegen muss der Grafiker schon einmal die Zeile manuell umbrechen – wenn eben die gemachten weiteren Einstellungen (zur Silbentrennung) zu einem unbefriedigenden Ergebnis führen würden. Trotz aller Voreinstellungen kann manchmal Bedarf bestehen, noch ein Wort in eine Zeile zuvor zu bringen oder eine besonders kurze letzte Zeile zu verlängern – aus optischen oder aus Platzgründen. Dann kann der Grafiker über das Kerning gehen. Er beeinflusst damit den Abstand der Buchstaben zueinander. Als Befehle gibt es „Optisch“ und „Metrisch“. Das Kerning über „Optisch“ zu verändern, ist auch bei suboptimal programmierten Schriften manchmal sinnvoll. Fazit: Adobe InDesign liefert zahlreiche gute Einstellungsmöglichkeiten für den Blocksatz. Wer sie richtig nutzen und wer auch mal händisch arbeiten möchte, muss jedoch ein gutes Auge haben und sich typografisch auskennen.

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