Das große "ß" kommt

05.07.2007
Zurzeit gibt es das "ß" nur als Kleinbuchstaben. Auf Initiative des DIN-Instituts soll der ISO-Zeichensatz 10646 um ein großes "ß" ergänzt werden.

Die Schweizer nutzen es gar nicht mehr und wir wissen nach der Rechtschreibreform oft nicht, wann wir es einsetzten sollen und wann nicht: Die Rede ist vom "Eszett", das auch als "scharfes S" bekannt ist. Sicher war bislang nur, dass es das "ß" nicht als Großbuchstaben gibt. Das ändert sich nun: Das große Eszett soll mittelfristig in den neuen Unicode-Zeichensatz mit aufgenommen werden.

Die Herkunft des "ß"

Der Buchstabe "ß" dient in der deutschen Sprache neben dem "s" und dem "ss" dazu, einen stimmlosen s-Laut wiederzugeben. Er hat mehrere Ursprünge und ist aus einer Ligatur des langen "s" mit dem "z" beziehungsweise mit dem runden "s" entstanden. Daher kommt auch der Name "Eszett". Erstmals vereinheitlicht wurde die Anwendung des Buchstabens "ß" mit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901. Durch die Reform der Rechtschreibung von 1996 wurde die Handhabung des Eszetts neu geregelt.

Das "ß" in der Rechtschreibung

Die wichtigsten Regelungen für die Anwendung des "ß", die vor gut zehn Jahren beschlossen wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen: Nach einem langen Vokal wird das Eszett verwendet. Beispiele dafür sind "Straße", "Fuß", "Füße", "Gruß". Nach einem kurzen Vokal wird dagegen "ss" geschrieben. Zum Beispiel: "Kuss", "muss", "dass". Außerdem wird das "ß" bei Diphtongen wie "heißen" eingesetzt. Die Gegner der Rechtschreibreform von 1996 kritisieren unter anderem, dass die Neuregelung die Lesbarkeit verschlechtert. Das ist bei Wörtern wie "Missstimmung" der Fall, die vorher als "Mißstimmung" geschrieben wurden.

Das "ß" als Großbuchstabe

Der Buchstabe "ß" ist derzeit nur als Kleinbuchstabe vorhanden. Die Rechtschreibregeln schreiben bislang vor, das Eszett im Versalsatz durch "SS" zu ersetzten. Aus "Fuß" wird dann "FUSS". Schwierig wird das jedoch bei Wörtern wie "Masse" und "Maße" die im Versalsatz nicht mehr auseinander zu halten sind, sondern einheitlich als "MASSE" dargestellt werden. Auch Eigennamen wie "Geßler" werden im Versalsatz als "GESSLER" verfremdet. Seltsame Layout-Blüten treibt auch die gängige Praxis, alle Buchstaben in Versalien abzubilden und das "ß" als Kleinbuchstaben a la "WEIß" und "HEIßEN" unterzujubeln.

Das Versal-Eszett kommt

Um diese Verwechslungs-, Lesbarkeits- und Layout-Probleme  aus der Welt zu schaffen, gibt es seit Jahren Bestrebungen, das große "ß" in den Buchstabenschatz mit aufzunehmen. Jetzt forderte das Deutsche Institut für Normierung (DIN), die Großschreibung des Buchstabens. Die Internationale Standardisierungs-Organisation ISO hat den Vorstoß aufgenommen und will ihn in den internationalen Zeichensatz ISO 10646 beziehungsweise Unicode aufnehmen. Das wurde auf der Tagung des zuständigen ISO-Fachgremiums Ende April dieses Jahres beschlossen.

… und die Folgen?

Sollte das Versal-Eszett kommen, würden sich nicht nur Änderungen in der Rechtschreibung ergeben. Computer und Schreibmaschinen sowie die elektronischen Schriftarten verfügen nur über ein kleines "ß". Die Tastatur müsste daher um ein Zeichen ergänzt werden. Auch Bildbearbeitungs- und Textverarbeitungsprogramme müssten das große Eszett unterstützen. Gefordert sind aber vor allem die Schriftdesigner: Neue Schriften müssten ein Versal-"ß" enthalten. Schriftgestalter sehen sich darin herausgefordert, das neue Zeichen harmonisch in die bestehenden Schriftarten einzubetten. Außerdem müsste es sich deutlich von kleinen "ß", aber auch vom großen "B" abheben. Was mit bestehenden Schriften passiert, bleibt abzuwarten: Viele würden sicherlich um den neuen Buchstaben ergänzt werden. Doch darüber zu diskutieren, ob sich dieser (finanzielle) Aufwand lohnt, ist müßig - oder MÜS(ß)SIG?

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