„Brücke“ in Berlin

30.11.2005
Die Geburt des deutschen Expressionismus zeigen über 200 Meisterwerke aus internationalen Sammlungen in der Berlinischen Galerie.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Künstlergruppe "Brücke" zeigt das Brücke-Museum die große Retrospektive "BRÜCKE– Die Geburt des deutschen Expressionismus", die noch bis 15. Januar 2006 in den Räumen der Berlinischen Galerie zu sehen sein wird. Die Ausstellung konnte für Berlin mit 103 neuen Werken entscheidend auf insgesamt 226 Exponate erweitert werden. Sie bieten einen thematisch-chronologischen Überblick über das Gesamtwerk der "Brücke" und veranschaulichen, in welcher Weise die Künstler die Kunst und das Leben zu erneuern versuchten.

Künstlergruppe "Brücke"

Die Gründung der Künstlergruppe "Brücke" 1905 gilt als eines der wichtigsten Ereignisse in der Kunst des 20. Jahrhunderts. In Dresden wandten sich Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff enthusiastisch der Kunst zu. Mit ihrer Lebens- und Arbeitsweise, ihrer Bildsprache und ihrer kritischen Einstellung gegenüber der traditionellen Malerei begründeten sie eine Bewegung, die als Expressionismus bezeichnet wird und die neben den künstlerischen Ergebnissen auch Ausdruck und Beispiel eines neuen Lebensgefühles wurde. Im gemeinsamen Zeichnen und Malen fanden die "Brücke"-Maler eine völlig freie künstlerische Ausdrucksweise, die jedoch immer dem Gegenständlichen und dem Erzählerischen verpflichtet blieb.

Der kollektive Brücke-Stil

Im Zentrum ihrer Arbeit stand nicht mehr die naturgetreue Abbildung des Gesehenen, sondern die Wiedergabe des subjektiv Empfundenen. Grundlage dafür war das spontane und unmittelbare Erfassen ihrer Umwelt. Das schnelle Skizzieren einer natürlichen Pose nach dem lebenden Modell bildete den Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit, die in enger Gemeinschaft im Atelier und in freier Natur um 1910/11 in einem "kollektiven Brücke-Stil" gipfelte. Form und Farbe durchliefen dabei einen Abstraktionsprozess: Die Farbe wurde vom Naturvorbild gelöst und zu reinem Ausdruck gesteigert, die Formen vereinfacht, übersteigert und verfremdet. Erfüllt vom Streben, die althergebrachten Bildtechniken zu revolutionieren, wurde die sichtbare Wirklichkeit umgeformt und auf das Wesentliche reduziert.

Das "Brücke"-Leben

Künstlerisches Arbeiten während längerer Sommeraufenthalte in der unberührten Natur gehörten zu den jährlichen Routinen der Künstler. Den Höhepunkt bildeten dabei die gemeinsamen Mal- und Badeaufenthalte an den Moritzburger Teichen bei Dresden in den Jahren 1909 bis 1911. Hier verwirklichten die Maler ihre Idealvorstellungen einer harmonischen Einheit von Kunst und Leben. In diesem Sinne wirkte sich um diese Zeit auch die Auseinandersetzung der Künstler mit der Kunst der Naturvölker Afrikas und Ozeaniens stilprägend aus.

Berliner Zeit

Die Arbeiten dieser Jahre bedeuten einen Höhepunkt im gemeinsamen Schaffen der "Brücke" und im deutschen Expressionismus. Im Herbst 1911 erfolgte der Umzug der Gruppe nach Berlin. Das Erlebnis der Großstadt und Kontakte zur internationalen Avantgarde bewirkten einen Wandel des künstlerischen Selbstverständnisses sowie des persönlichen Stils der einzelnen Künstler. Kirchners berühmte Großstadtbilder, die in nervösem Pinselstrich die pulsierende Großstadt zeigen, sind eindrucksvolle Zeugnisse dieser Berliner "Brücke"-Zeit. Waren die Dresdener Jahre vom Gemeinschaftsgefühl und der Utopie einer neuen Einheit von Kunst und Leben geprägt, wird in Berlin der zunehmende Individualismus der Künstlerpersönlichkeiten zur treibenden Kraft.

Retrospektive "BRÜCKE– Die Geburt des deutschen Expressionismus"

Diese verschiedenen, anscheinend divergenten und doch zu einer übergeordneten Einheit verschmolzenen Facetten des Lebens und Arbeitens der "Brücke"-Künstler werden in der Ausstellung "BRÜCKE– Die Geburt des deutschen Expressionismus" in elf Themen – "Frühe Werke der 'Brücke'-Künstler" bis "Großstadt Berlin" – umfassend dargestellt und jeweils mit den repräsentativsten Beispielen illustriert. Noch bis 15. Januar sind die auf diese Weise angeordneten über 200 Werke der Künstlergruppe "Brücke" in der Berlinischen Galerie (Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Alte Jakobstraße 124 – 128, 10969 Berlin) zu sehen. Täglich von 10 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr erhalten Interessierte für 8 Euro Eintritt einen umfassenden Einblick in Leben und Werk der "Brücke"-Künstler. Jeden ersten Montag im Monat ist zudem der Eintritt frei.

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