Apples neue Geräte

19.10.2005
Der neue iMac und iPod Video zeigten Apples Konsumenten-Strategie - neue PowerBooks und PowerMacs unterstützen Professionals.

Vergangene Woche stellte Apple einen neuen iMac mit Fernbedienung, den iPod Video und (nur in Amerika) käuflich zu erwerbende Fernsehserien im iTunes Music Store vor. Doch die lang erwarteten PowerBooks und PowerMacs blieben aus. Apple scheint sich auf den Consumer-Markt auszurichten und die professionellen Anwender vor allem aus der Grafikbranche vergessen zu haben. Der Aufschrei der Professionals war dementsprechend groß. Was ist also dran, an den "vergessenen" Profis? Wahrscheinlich nichts, denn bereits diese Woche gab es mit einem PowerMac- und einem PowerBook-Upgrade die lang ersehnten neuen Profigeräte.

Apple betritt den Videomarkt

Als Steve Jobs am 12. Oktober 2005 die Bühne für sein berühmtes "One more thing" betrat, hatten sich auf den einschlägigen Gerüchteseiten die Meldungen bereits überschlagen: Ein neuer iPod mit Videofunktion sollte kommen, mehr nicht. Doch was dann vorgestellt wurde, übertraf die allgemeinen Erwartungen. Hatte Steve Jobs noch wenige Wochen vorher einer Video-Funktion im iPod vehement widersprochen, präsentierte er nun das Rüstzeug für den Einstieg in den Videosektor: Einen iPod Video, einen iMac mit Fernbedienung und die passenden Inhalte dazu im iTunes Music Store - Musikvideos und (zumindest in Amerika) Fernsehsendungen gleich nach deren Ausstrahlung. Jobs verglich dieses Equipment mit Microsofts Mediacenter, mit dem Unterschied, dass die Apple-Hardware bereits jetzt erhältlich ist. Und schon jetzt glauben die Branchenkenner, dass bald auch AirPort Express eine Videofunktionalität haben wird, so dass vom neuen iMac aus die gekauften Serien per Funk auf den Fernseher übertragen werden können.

Der neue iMac

Denn der neue iMac ist neben dem iPod Video eine große Überraschung: In den Ausführungen 17" (1,9 GHz) und 20" (2,1 GHz) wurde er schmaler und bekam zudem eine eingebaute iSight-Kamera spendiert. Zur ansonsten üblichen Ausstattung wie X-DVD-Brenner mit Double-Layer-Unterstützung, 512 MByte DDR2-SDRAM (erweiterbar bis 2,5 GByte), Gigabit-Ethernet, WLAN (max. 56 MB/s), Bluetooth 2.0+EDR, drei USB-2.0-Anschlüssen und zwei FireWire-400-Ports kam aber auch eine Fernbedienung hinzu, die sich seitlich anbringen lässt. "Apple Remote", so ihr Name, besitzt nur sechs Knöpfe und erlaubt dennoch dank der neuen Software "FrontRow" die Steuerung aller Funktionen des iMac wie Laden von Musik aus iTunes, Diashows aus iPhoto und Abspielen von Videos und DVDs. Damit avanciert der 1349 EUR teure 17"- (mit 160 GB HD) und der 1749 EUR teure 20"-Display (mit 250 GB HD) zum Fernsehersatz. Die jeweils eingebaute Grafikkarte ATI Radeon X600 mit 128 MB Videospeicher unterstützt diese Funktionalität zusätzlich.

iPod Video und Videostore

Gespeist wird diese Videofunktionalität mit dem ebenfalls neu vorgestellten iTunes 6, das um eine Video-Wiedergabeliste erweitert wurde und mit dem sich jetzt im iTunes Music Store käuflich zu erwerbende H.264-komprimierte oder MPEG-4-Videofilme und TV-Serien abspielen lassen. Hierzu ist allerdings zusätzlich auch noch QuickTime 7.0.3 notwendig. Der neue iPod Video kann dann diese Filme ebenfalls abspielen - und das in einer überraschend guten Qualität. In Amerika ist zudem der Kauf von beliebten TV-Serien direkt im Anschluss an deren Ausstrahlung möglich. "Der Beginn von etwas wirklich Großem" nannte Steve Jobs diese Möglichkeiten. Und die Finanzanalysten sahen es so: "Die Vorstellung von Apples neuem iTunes Store für Videos bietet einen ersten Block auf ein Mainstream-Geschäft, das die Film-, Fernseh- und Werbemarkt und den Handel auf Jahre hinaus erschüttern wird."

Experiment Video

Wie also bereits im Musikbereich betrat Apple jetzt auch den Videosektor. Die Presse spricht in diesem Zusammenhang auch von einem "Experiment": "Die wenigen Disney-Stores, die man über den amerikanischen iTunes Music Store kaufen kann, sind noch lange kein Business, sondern ein Experiment." meint Kolumnist Robert X. Cringley. "Wenn sich diese fünf TV-Shows verkaufen, ohne dass andere Vertriebskanäle darunter leiden oder die Piraterie unverhältnismäßig in die Höhe treiben, dann werden auch die anderen Hollywood-Studios und Fernsehsender ins Apple-Boot springen - und Apple ist im Film- und Fernsehgeschäft." Gelingt dieses Experiment, ist der Schritt zur drahtlosen Videoübertragung nicht mehr weit. Video Express wird dann wohl das fehlende Glied in der Kette sein, bei dem im drahtlosen Heimnetzwerk der Apple-Rechner an den Fernseher angeschlossen wird. Mit dem passenden LCD-Bildschirm im klassischen Apple-Design und einigen zusätzlichen Funktionalitäten im Mac mini wäre dann das Digital Home Media und Entertainment Center perfekt.

Der Mainstream-Pfad: Verlust der Pros?

Doch was die Analysten in Verzückungen geraten ließ, begeisterte professionelle Anwender eher weniger. Apple schien sich mit dieser Vorstellung in Richtung Heimanwender und damit Massen- und Consumermarkt auszurichten. Bereits während der Konferenz waren deshalb in den Chatforen die ersten Proteststimmen zu hören. Professionelle Anwender der Apple-Hardware warteten schon lange auf neue Power-Rechner. Die längst überfälligen PowerMac- und PowerBook-Upgrades werden gerade in der Grafikbranche sehnsüchtig erwartet. Mit der Ankündigung reiner Consumer-Geräte und -Anwendungen aber - zum Teil nur wenige Wochen nach dem letzten Update - ohrfeigte Apple die Professionals und zeigte ihnen die kalte Schulter. So zumindest wurde die Vorgehensweise bei vielen Nutzern aufgenommen. Vielleicht kündigte man deshalb so schnell den nächsten Presse-Event am 19. Oktober 2005 an. Neue PowerMacs wird mit neuen Dual-Prozessoren und PowerBooks mit höhere Bildschirmauflösungen und kleinere Upgrades wurden prophezeit. Und die Professionals waren beruhigt.

Neue Professional-Geräte

Tatsächlich wurden dann am 19. Oktober, Mittwoch Abend, neue Pro-Geräte vorgestellt. Verzögert durch Personalengpässe wegen der Mac-Intel-Portierung und einiger kleinerer technischer Probleme debütierten neue PowerMacs, PowerBooks und eine neue Profi-Software! Vor allem die neuen PowerMacs werden foto- und grafikorientierte Arbeiten um ein Vielfaches beschleunigen.

PowerMacs

Die wesentlich leistungsfähigeren PowerMacs G5 besitzen nun Dual-Core-Prozessoren, eine neue PCI-Express-Architektur und eine leistungsfähigere Grafik, darunter die NVIDIA Quadro FX 4500 für Workstation-Anwendungen. Das Topmodell, der Power Mac G5 Quad (3299 EUR), verfügt über zwei 2,5 GHz Dual-Core PowerPC G5 Prozessoren mit insgesamt vier Recheneinheiten. Die kleineren Power Mac G5 Dual-Modelle verfügen hingegen über einen 2,0 GHz (1999 EUR) oder einen 2,3 GHz Dual-Core-Prozessor, die NVIDIA GeForce 6600 mit 128 MB oder 256 MB GDDR SDRAM, drei freie PCI Express Erweiterungssteckplätze, zwei Gigabit-Ethernet-Ports, einen FireWire 800-Port, zwei FireWire 400-Ports, vier USB 2.0-Anschlüsse, optischen und digitalen Audio-Ein- und Ausgang und Unterstützung für AirPort Extreme WLAN und Bluetooth 2.0+EDR (Enhanced Data Rate).

PowerBooks

Auch die PowerBooks erhielten endlich eine Aufwertung. Höher auflösende Displays von 1680 x 1050 Pixel beim 17"- und 1440 x 960 Pixel beim 15"-Modell sowie eine um eine Stunde längere Batterielaufzeit bei den 15- und 17-Zoll Modellen machen die mobilen Rechner noch attraktiver für den professionellen Einsatz. Zusätzlich wird ab sofort jedes Modell der PowerBook-Serie mit einem 8x SuperDrive-Laufwerk ausgeliefert. Die verbesserte und im Preis gesenkte PowerBook-Serie ist für 1.569 EUR (1,5 GHz 12"), 1.999 EUR (1,67 GHz 15") und 2.499 EUR (1,67 GHz 17") erhältlich. Die beiden Top-Modelle sind mit der ATI Mobility Radeon 9700 mit 128 MB DDR Grafikspeicher ausgestattet. Durch die integrierte Dual Link-Unterstützung beim 15- und 17-Zoll Modell lässt sich zudem das 30-Zoll Apple Cinema HD Display anschließen. Jedes PowerBook verfügt außerdem serienmäßig über Bluetooth 2.0+EDR, eingebautes AirPort Extreme 802.11g WLAN (bis zu 54 MBit/s), das Scrolling TrackPad und die Sudden Motion Sensor-Technologie von Apple.

Profisoftware "Aperture"

Zeitgleich mit den Macs erschien die neue Postproduction- und Fotobearbeitungssoftware für professionelle Anwender namens "Aperture", die sich an professionelle Fotografen wendet, die leistungsfähige Vergleichs- und Auswahlwerkzeuge, eine verlustfreie Bildbearbeitung, Drucken mit Farbmanagement sowie vielfältig anpassbare Ausgabemöglichkeiten benötigen. Das 479 EUR teuere Tool kann dabei zwar viel (Faszinierende Vergleichs- und Auswahlwerkzeuge, RAW-Bilder bleiben trotz Bearbeitung im Original erhalten und vielfältige Druckoptionen) besitzt aber auch einen stolzen Preis, den Besitzer des teuren Photoshop vielleicht nicht unbedingt gewillt sind zu zahlen.

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