Apple setzt auf Intel

16.06.2005
Mit dem angekündigten Umstieg auf Intel-Prozessoren im Juni 2006 stellt sich vielen Kreativprofis die Frage, wie es weitergeht ...

Apple stellt auf Intel-Prozessoren um. Die Nachricht, verkündet von Steve Jobs auf der World Wide Developer Comference (WWDC) in San Francisco, verblüffte und schockierte am 6. Juni die Computerwelt. Vor allem aber die professionellen Kreativen, die meist gerade erst den Umstieg auf die Mac OS X-Plattform gewagt hatten, sind nun beunruhigt, da es die Classic-Umgebung nicht mehr geben soll. Was also wird aus den vielen Mac OS 9-Nutzern der Branche, die noch mit Quark XPress 3.x und 4.x arbeiten?

Prozessoren

Die Zukunft wird in den Medien äusserst kontrovers diskutiert, doch die meisten Artikel - vor allem in der Publishing-Branche - vergleichen aus Unwissenheit Äpfel mit Birnen und schüren damit Ängste, die vollkommen unbegründet sind. Denn sie rechtfertigen mit der Funktionalität des auf der WWDC vorgestellten Intel-Macs zukünftig auftreten sollende Probleme. Da ist von der fehlenden 64-bit-Architektur der Intel-Chips die Rede oder vom Wegfall der Multimediaeinheit Altivec im Mac-Prozessor, welche die Mac-Anwendungen so schnell machte. Vergessen wird hierbei, dass Intel schon längst 64-bit-Architektur produziert und auch in Zukunft auf diese setzen wird. Und vergessen wird, dass Altivec ersetzt wird durch die MMX-Technologie von Intel (SSE, SSE2, SSE3), die im Grundprinzip Altivec sehr ähnlich ist. Der zukünftige MacIntel-Chip wird der Dual Core Pentium M "Yonah" sein, der schneller, leistungsfähiger und vor allem energieeffizienter als jeder jemals zuvor gebaute PowerPC G5-Prozessor sein wird. Die heutigen Testrechner, die derzeit an die Entwickler ausgeliefert werden, sind mit dieser Prozessor-Generation nicht zu vergleichen.

Classic-Umgebung?

Sieht man einmal von der Prozessorleistung ab, schockierte die Kreativwelt vor allem die Ankündigung Steve Jobs, dass die Classic-Umgebung auf den "MacIntels" nicht mehr laufen wird. Einzig noch nicht auf Intel portierte Mac OS X-Programme sollen auf Intel-Rechnern unter dem Emulator "Rosetta" funktionieren. Benannt wurde dieser Emulator nach dem "Stein von Rosetta", einem Fund der Franzosen im Niltal, der maßgeblich zum Entziffern der ägyptischen Hyroglyphen beigetragen hat. Das in Tiger enthaltene Rosetta übersetzt wie der Stein beim Start des Programms den vorhandenen PowerPC-Code in x86-Code, ohne dass der Anwender davon etwas bemerkt. Das Ergebnis ist bereits auf heutigen Prozessoren verblüffend: Programme unter Rosetta arbeiten auf einem 3,6 GHz Intel-Prozessor der heutigen Generation wie auf einem 1 GHz G4-Prozessor eines heutigen Macs. Mit der für Anfang 2006 zu erwartenden neuen Intel-Generation könnte Rosetta also tatsächlich bereits einen Single-G5 in Punkto Geschwindigkeit überholen. Und rein theoretisch wäre damit sogar eine akzeptable Umgebung für Classic geschaffen.

Folgen für Quark XPress- und Adobe-Anwender

Apple ist sich durchaus bewusst, dass vor allem die Publishing-Branche einen wichtigen Kundenstamm darstellt. Immerhin gibt es weltweit 1,5 bis 2 Millionen Quark XPress-Nutzer, die zu 80 Prozent auf einem Mac arbeiten. Doch lebt Apple wie jeder Computerhersteller vom Verkauf seiner Hardware. Hier macht die Masse das Geschäft, weshalb man Apple nicht vorwerfen sollte, die Zukunft in schnelleren, effizienteren Prozessoren zu sehen. Selbst wenn dies bedeutet, dass viele Kreative dazu gezwungen werden, auf Quark XPress 6.x und folgende Versionen umzusteigen. Denn das Publishing-Programm läuft erst ab Version 6.x auf Mac OS X. Daneben aber wird Apple die Unterstützung der PowerPC-Architektur noch einige Jahre weiter gewähren, so dass professionelle Quark-Anwender - sofern sie sich mit einer langsameren Prozessorleistung zufrieden geben - mindestens noch vier bis fünf Jahre mit Mac OS X und der Classic-Umgebung arbeiten können. Adobe hingegen kündigte bereits auf der WWDC die vollständige sofortige Portierung aller Programme auf die Intel-Architektur an. Photoshop-Nutzer können sich also darauf freuen, schnellere Prozessorleistungen ab Juni 2006 ausnutzen zu können. Denn Apple fordert Programmierer für die Zukunft auch dazu auf, CoreImage (komplexe Grafikroutinen) in ihre Anwendungen zu integrieren. Dies wiederum bedeutet effiziente Bildbearbeitung und gute Prozessorauslastung.

Fazit

Apple blickt in die Zukunft und sieht das Ende der PowerPC-Entwicklung. Steve Jobs setzt nun auf das schnellere Pferd unter den Prozessoren - Intel. Auch wenn dies bedeutet, dass der erneute Umstieg (nach Motorola zu IBM) gerade für Nutzer von Classic-Programmen eventuell problematisch wird. Letztendlich ist durch die relativ problemlose Portierung der Anwendungen, die zahlreiche Entwickler bestätigen, und Rosetta der Umstieg für den Anwender vollständig transparent - er nimmt ihn im Idealfall nicht einmal wahr, abgesehen von eventuell höherer Geschwindigkeit natürlich. Auf "neuer" Intel-Hardware übernimmt entweder Rosetta die Übersetzung des vorhandenen Programms oder es liegen bereits plattformabhängige Versionen vor. Auf "alter" PowerPC-Hardware läuft die Software wie bisher. Für den Anwender wird sich der Umstieg Apples also deutlich weniger dramatisch auswirken als die meisten befürchten. Einziges Problem könnte der Umstieg auf native Mac OS X-Anwendungen werden. Ab Juni 2006 bedeutet das also, auch in Zukunft mit einer überlegenen Unix-Maschine, dem innovativsten Betriebssystem und der elegantesten Benutzeroberfläche am PC-Markt professionell arbeiten zu können.

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