Angestrahlt: Architekturfotografie

13.10.2011
Nicht nur zum Festival of Lights lassen sich nachts großartige Architekturfotografien erstellen. Doch das funktioniert nicht mal eben so im Vorbeigehen, sondern eher im Feststehen. Und der feste Stand ist nicht das einzige was es zu beachten gilt.

„Wenn das Foto nicht gut genug ist, dann warst Du nicht nah genug dran!“ In der Architekturfotografie ist aus diesem Spruch der Magnum-Legende Robert Capa längst geworden: „Wenn das Foto nicht gut ist, dann warst Du zur falschen Tageszeit dort.“ Und manchmal ist die Nacht genau die richtige Zeit.

Die richtige Stunde

Auch wenn man üblicherweise von Nachtaufnahmen spricht, schlafen die meisten Fotografen nachts dann doch. Der Grund ist nicht Faulheit, sondern dass für Architekturfotos, die nach Nacht aussehen sollen, die blaue Stunde kurz vor nach Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgang wesentlich ergiebiger ist. Während der Himmel zur Geisterstunde auf Fotos meist ins grünlich schwarze abdriftet, lässt sich vorher ein dem kollektiven Bildgedächnis eher entsprechender, tief dunkelblauer Himmel erzielen. Zu analogen Zeiten hat man da noch mit einem Kunstlichtfilm nachgeholfen, der nebenbei auch die anstrahlenden Scheinwerfer ins rechte Licht setzt. Was uns zu einem wichtigen Punkt bringt: Fotografieren Sie nachts immer im RAW-Format, damit sie nachträglich den Weißabgleich noch korrigieren können. Da wird dann der Himmel auch leichter wieder blauer.

Die richtige Belichtung

Das RAW-Format hilft auch, wenn es um die richtige Belichtung geht. Wobei sich grobe Fehlbelichtungen auch damit nicht mehr retten lassen. Doch was ist bei nächtlich erleuchteten Gebäuden schon richtig? Die Kontraste sind immens und die im Dunkeln sieht man nicht. Nachtaufnahmen sind seit je her eine Domäne längerer Belichtungsreihen. Doch erst im Digitalzeitalter ist daraus durch die HDR-Fotografie ein ertragreicher Umweg geworden, um auch größte Kontraste zu bewältigen. Dieses Ineinanderkopieren unterschiedlicher Belichtungen setzt jedoch unbewegte Motive voraus. Häuser laufen selten weg, aber Passanten und Wolken sind da schon schwerer zu überreden.

Die lange Belichtung

Bekanntlich entsteht Kunst oft gerade aus der Ignoranz der Regeln für schöne Bilder. So verschmäht der Mannheimer Fotokünstler Martin Zeller die blaue Stunde und belichtet seine nächtlichen Motive stundenlang. Dabei bildet sich aus unseren Städten eine gänzlich neue Motivwelt heraus. Ähnlich geht Martin Schnabel vor, der für seine Gebirgsserie „Stille Berge“ gerade das Nichtlicht sucht, das die Erhabenheit der Landschaft herausschält. Wenn die Zeiten in den hellen Großstädten für Langzeiteffekte und die dazugehörigen meditativen Erfahrungen zu kurz sind, helfen Graufilter, niedrige ISO-Werte oder gar Lochblenden. Falls die Digitalkamera mit den ganz langen Zeiten nicht mitspielt, lohnt sich dafür durchaus mal wieder der Griff zum Film.

Die gar nicht Belichtung

Die ganz langen Zeiten mag der Sensor nämlich gar nicht. Wenn es ihm nicht schnell genug geht, zaubert er hier und da ein buntes Pixel, dass in der Realität gar nicht da ist. Er rauscht. Um dem zu entgehen, starten viele Digitalkameras nach der eigentlichen Belichtung ein zweites Mal, ohne den Verschluss zu öffnen. Dadurch entsteht theoretisch das gleiche Rauschen, das sich anschließend aus der ersten Aufnahme leicht heraus rechnen lässt. Sehr praktisch, aber manchmal auch sehr lästig, wenn man nämlich schon weiter fotografieren will. Bei nächtlichen Bewegtaktionen wie Feuerwerken sollte man die Dunkelfeldsubtraktion dann besser abschalten. Und wo wir gerade bei der Kamera sind: Spiegelvorauslösung und Fern- oder Selbstauslöser sind Pflicht, und der Bildstabilisator hat Pause.

Natürlich gehört zu einer Nachtaufnahme auch ein stabiles Stativ. Aber das ist eine andere Geschichte, und die lesen hier.

Werden Sie ein Teil unserer Welt

Bestellen Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Drucktipps, Angebote sowie Neuigkeiten aus der Druckbranche direkt per E-Mail.
Zusätzlich schenken wir Ihnen einen 5 EUR Gutschein für Ihre erste Bestellung.