Alles so schön bunt hier

30.04.2015
Farbfilme gibt es noch keine 100 Jahre. Daher wurden alte, schwarzweiße Aufnahmen oft koloriert. Wie man Schwarzweißfotos richtig koloriert, beschreiben wir in diesem Artikel.

Am Anfang ging es gar nicht anders. Wer in den Anfangsjahren der Fotografie farbige Bilder wollte, der musste sie schon selbst anmalen. Farbfilme, wie wir sie heute – noch – kennen, gibt es erst seit 1936.

Aber rosige Bäckchen und bunte Kleider sind schon deutlich älter.

Der Look hat sich eingegraben in unserer aller Bildgedächtnis. Wie praktisch, dass anders als zu Kaiser Wilhelms-Zeiten Photoshop auch hier das Arbeiten etwas komfortabler macht.

Anno dunnemals

Auch digital sind es noch Pinselstriche. Nur dass man die Pinselgröße und Form ständig selbst neu bestimmen kann. Die Farben sowieso. Gerade das Farbe-Ersetzen-Werkzeug treibt es schön bunt, ohne die Tonwerte zu verändern.

Der Rest ist Kreativität und Sorgfalt. Eine neu duplizierte Ebene für jede neue Farbe hilft. Wie anderthalb Jahrhunderte zuvor ist es ein sehr langsames Verfahren, aber dafür ist es heute leicht zu vervielfältigen und fehlgeleitete Pinselstriche lassen sich auch viel einfacher wieder entfernen.

Außerdem lernt man wie bei jeder Retusche seine Bilder besser kennen, wenn man Schritt für Schritt in Großvergrößerung am Bildschirm über sie hinweggleitet.

Fotos in Photoshop kolorieren macht das Arbeiten etwas komfortabler. Quelle: Kesberger

Entfärben

Da die Farbe zumindest bei digitalen Aufnahmen jenseits exotischer bis unbezahlbarer Graustufenkameras nun schon mal da ist, kann man man den Weg zum kolorierten Bild auch in der entgegengesetzten Richtung bestreiten.

Anstatt einem Graustufenbild Farben hinzuzufügen, kann man sie beim Farbbild auch gezielt entziehen. Entsättigt bleibt der Schwarzanteil dominant und der Look ist recht ähnlich zum kolorierten Bild.

Zumindest die Richtung der Farben stimmt immer. Zwar fehlt dem Ergebnis das handgemachte, aber dafür geht es auch wesentlich schneller, wenn man nur am Entsättigungsregler dreht.

Bei entsättigten Fotos bleibt der Schwarzanteil dominant und der Look ist recht ähnlich zum kolorierten Bild. Quelle: Kesberger

Wenn schon denn nicht

Wenn man sich schon an historischen Techniken orientiert, dann kann man ja auch gleich richtig historisch arbeiten. Also ran an die Pinsel. Schließlich gibt es die klassischen Retuschefarben immer noch.

Wie beim Offsetdruck lässt sich auch hier aus Cyan, Yellow und Magenta der gewünschte Farbton mischen. Für häufig gebrauchte Hauttöne lohnt sich dann auch die Investition in ein eigenes Farbfläschchen.

Da die Farben sehr stark verdünnt aufgetragen werden, halten sie zum Glück auch ewig. Jetzt braucht es noch einen Teller zum Mischen und ganz feine Pinsel. Und los geht’s.

Anstatt eines Handabzugs aus dem Schwarzweißlabor lässt sich durchaus auch ein Inkjet-Baryt-Print kolorieren. Ganz Sparsame bohren sich für ihre Farben dann einfach alte, vermeintlich leere Tintenpatronen auf und verdünnen die Resttinte.

Zeitgenossen

Gerade bei historischen Themen im Fernsehen ist ein regelrechter Kolorierungswahn ausgebrochen. Fand man anfangs noch reale Farbfilme aus dem Zweiten Weltkrieg wieder, wird jetzt digital gefärbt, was die Festplatte hergibt. Und plötzlich wird es einem manchmal auch im Ersten Weltkrieg zu bunt.

Das Ergebnis ist zwiespältig. Einerseits rücken die Farbtöne die gezeigten Menschen näher an uns heran. Die vielzitierten „Schlafwandler“ werden zu Zeitgenossen. Anderseits sind viele Farbgebungen völlig willkürlich.

Ob das Tuch jetzt rot oder blau war, mit welcher Farbe das Kleid beeindruckt hat – wir wissen es einfach nicht. Und Urururoma Käthe kann keinem mehr sagen, dass sie gelb einfach nicht mochte. Da hat dann Kolorierung schnell was von Kolonialisierung.

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