Adobe kauft Macromedia

29.04.2005
Adobe plant für 3,4 Milliarden US-Dollar den Hauptkonkurrenten Macromedia zu übernehmen und erreicht damit die Marktführerschaft und den Vergleich mit Microsoft ...

"PDF heiratet Flash" lauteten am 18. April die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass Adobe die Firma Macromedia für rund 3,4 Milliarden US-Dollar im Rahmen eines Aktientauschs übernehmen möchte. Adobe, das seit letzten Mittwoch in Amerika seine Creative Suite 2 ausliefert, unterzeichnete hierzu mit Macromedia eine gemeinsame Vereinbarung. Bis zum Herbst soll der Kauf abgeschlossen sein, doch ist zuvor eine Genehmigung durch Aktionäre und Aufsichtsbehörden notwendig. Und die sind wie die Nutzer skeptisch.

Adobe

Adobe Systems meldete erst am 17. März, also einen Monat vor Bekanntwerden der Vereinbarung, einen Rekordumsatz im 1. Quartal des Steuerjahres 2005. Das 1982 gegründete Unternehmen hat inzwischen über 3.700 Angestellte und konnte im letzten Jahr einen Jahresgewinn von 1,2 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Neben der Creative Suite, zu der die Programme Photoshop, InDesign und GoLive gehören, ist die von Adobe geschaffene Acrobat-Software mit dem universellen Dokumentformat PDF weit verbreitet. Mit ihr ist die Bearbeitung und der Transfer elektronischer Dokumente plattformübergreifend möglich.

Macromedia

Das Softwareunternehmen Macromedia stellt vor allem mit seiner Flash-Software und Entwicklungsprogrammen für Onlineanwendungen eine Konkurrenz zu Adobes GoLive dar. Die 1400 Angestellten entwickelten mit den Multimedia-Formaten Flash und Shockwave Standardformate für die Erstellung von Websites. Darüberhinaus bietet Macromedia Produkte für die Bearbeitung und Überspielung von Videos und Web-Konferenzen auf PCs oder Handys an. Designer nutzen vor allem das Illustrationsprogramm Freehand, das in direkter Konkurrenz zu Adobes Illustrator steht.

Der Zusammenschluss

Durch den Zusammenschluss kommen die Adobe-Produkte mit dem plattformübergreifenden PDF-Format unter ein Dach mit dem von Macromedia entwickelten Flash-Format. Offiziell verbinden die Firmen mit der unterschriebenen Vereinbarung das "Ziel Menschen und Organisation zu helfen ihre Kommunikation zu verbessern." Aus der Kombination der Produkte sollen stärkere Lösungen für die Kreativität, Management und Content-Lieferung entstehen - über die unterschiedlichen Plattformen, Geräte und Medien hinweg. Dabei geht es vor allem um die Bildung von Standards für Entwicklungsumgebungen und die Inhaltsverarbeitung. Und gerade mit der Übernahme von Flash könnte Adobe bei der Entwicklung der entsprechenden Software Microsofts Multimedia Player tatsächlich zur Konkurrenz werden. Nicht zuletzt deshalb tituliert die Presse die geplante Übernahme als "Elefantenhochzeit".

Argwohn der Marktbeobachter

Diese "Elefantenhochzeit" wird jedoch von Softwarenutzern wie Marktbeobachtern mit Argwohn betrachtet, denn sie sehen hierdurch eine Monopolisierung wie beim bereits jetzt übermächtigen Microsoft. Die zukünftigen Produkte Adobes, die aus dem Zusammenschluss entstehen, werden sogar als "Longhorn-Killer" tituliert, denn Microsoft plant in seinem neuen Betriebssystem Longhorn bessere Datentransfer-Möglichkeiten im Internet via eines Formats wie PDF. Sicher ist, dass Adobe seine Spitzenposition weiter ausbauen wird und damit Microsoft in vielen Bereichen tatsächlich Paroli bieten kann.

Aktionärszustimmung notwendig

Für Herbst 2005 ist die Übernahme geplant, doch hängt dies von der Zustimmung der Aktionäre beider Firmen und der Aufsichtsbehörden ab. Letztere müssen prüfen, ob es kartellrechtliche Bedenken gegen den Zusammenschluss gibt. Doch Adobe sieht dies als nicht gegeben an. Sollte die Übernahme daher auch durch die Aktionäre genehmigt werden, zahlt Adobe für jede Macromedia-Aktie 0,69 Adobe-Aktien. Die Macromedia-Aktionäre erhalten damit ein Aufgeld von 25,1 Prozent auf Ihre bisherigen Aktien und rund 18 Prozent der letztendlichen Gesellschaft. Zudem werden sie mit Gewinnprognosen von Seiten Adobes geködert. Deshalb ist die Übernahme Macromedias durch Adobe für den Herbst tatsächlich zu erwarten.

Welche Programme überleben?

Dann steigt die Spannung, denn unsicher ist bislang, welche Produkte die Fusion überleben werden. Man entwickle "Integrationspläne der kulturellen Ähnlichkeiten und der besten Geschäftslösungen und Produkte von beiden Firmen" war alles, was die beiden Unternehmen in einer einheitlichen Pressemitteilung der interessierten Presse mitteilten. Ob also Adobe GoLive oder Macromedia Dreamweaver überlebt oder Adobe Illustrator bzw. Macromedia Freehand, blieb bislang offen. Auch was die weitere Unterstützung der Produktlinien oder Entwicklungsplattformen angeht, hüllte man sich in Schweigen. Diese Entscheidungen, so hieß es, sollen erst getroffen werden, wenn die Übernahme abgeschlossen wurde - also im Herbst 2005. Das für dieses Jahr angekündigte Macromedia Studio MX soll jedoch wie geplant veröffentlicht werden. Es heißt also: Abwarten, was die Fusion bringen wird.

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