Adobe in Monopolstellung?

26.10.2005
Übernahme Macromedias durch Adobe vom Kartellamt genehmigt - Umstrukturierungen und Personalwechsel bereits angekündigt.

Nachdem im Juli noch alles unklar wegen Adobes Übernahme der Firma Macromedia war, gaben die Kartellwächter des US-Justizministeriums jetzt grünes Licht: Der Grafiksoftware- und PDF-Spezialist darf den Flash-Erfinder einverleiben. Nun müssen nur noch einige europäische Instanzen zustimmen. Bis dahin kündigte Adobe schon erste Umstrukturierungs-Maßnahmen an: Drei Vorstandsmitglieder Adobes werden fünf Vorständen von Macromedia den Platz frei räumen. Mit Abschluss des Wechsels wird für Ende Dezember gerechnet. Bis dahin sollte dann auch die Entscheidung gefallen sein, welche Programme überleben werden.

Zustimmung des Kartellamts

Noch im August war es weitgehend unklar, ob Adobe tatsächlich Macromedia übernehmen dürfte. Durch die Fusion entstehe ein Software-Gigant, der vor allem im Bereich Web und Grafik ein Quasi-Monopol inne habe, meinte das US-Justizministerium und stellte zur Klärung im August eine zweite Anfrage an die Unternehmen. Adobe reichte alle angeforderten Unterlagen ein und bekam nun grünes Licht: Ohne jegliche Auflagen darf das Unternehmen den Quasi-Konkurrenten - zumindest aus US-amerikanischer Sicht übernehmen. Um das Vorgehen jedoch gänzlich abzuschließen werden noch einige Genehmigungen europäischer Instanzen benötigt.

Abschluss der Übernahme Ende 2005

Adobe aber zeigt sich zuversichtlich, dass diese Hürde auch noch genommen werden kann. Man rechnet eigenen Angaben zufolge mit dem Abschluss des Geschäfts noch in diesem Herbst. Der "Kraftakt", bei dem Adobe zu einem der größten Softwarehäuser der Welt werden möchte, wird das Unternehmen dabei 3,4 Milliarden US-Dollar kosten. Dennoch sehen nicht nur die bisherigen Aktionäre der beiden Firmen der Übernahme gelassen, wenn nicht sogar freudig entgegen. Denn glaubt man den Analysten, wird der Marktwert der verschmolzenen Softwareprofis hierdurch nur noch weiter steigen. Um deshalb nicht in Vergessenheit zu geraten, wird inzwischen bereits über personelle Umstrukturierungsmaßnahmen gesprochen, mit deren Abschluss Ende 2005 auch die Übernahme Macromedias beendet sein soll.

Personalwechsel
Wie der Wall Street Journal-Ableger iWon berichtet will sich Adobe hierzu von drei Vorstandsmitgliedern trennen und fünf Vorstände Macromedias übernehmen, wobei die Hauptfiguren Adobes, Bruce Chizen, Murray Demo und Shantanu Narayen auf ihren Posten bleiben. Gehen werden die drei Adobe-Veteranen Theresa Townsley, Senior Vizepräsidentin Personalmanagement, Bryan Lamkin, Senior Vizepräsident digitale Bildverarbeitung und Video sowie Ivan Koon, Senior Vizepräsident für intelligente Dokumente. Sie wollen, so Adobe, sich mehr ihrer Familie widmen und Ivan Koon wird sich "nach neuen Herausforderungen" umsehen. Dafür erhalten fünf Macromedia-Vorstände neue Posten im fusionierten Unternehmen:
* Stephen Elop, Hauptgeschäftsführer von Macromedia, wird Präsident des weltweiten Handels. * Kevin Lynch, Vorstand für Software-Architektur, wird Chef über die Software-Architektur, während der bisherige Inhaber dieses Postens, Tom Malloy, sich um weiterführende Technologien kümmern wird. * Tom Hale, Manager der Software-Abteilung des Produkts Breeze, wird verantwortlich sein für wissensbasierte Software. * David Mendels, Manager Webentwicklungs- und Präsentationstools, erhält den Posten für Übersee-Geschäfte und Enticklerwerkzeuge. * Und Al Ramadan, Manager Handy und PDAs, wird sich weiterhin um das Mobilgeschäft kümmern.

Programmwechsel

Ob allerdings mit dem Personalwechsel auch die Bekanntgabe der neuen Programmstrategie vollzogen werden wird, ist bislang noch vollkommen unklar. Adobe wie Macromedia hüllen sich in Schweigen, wenn es darum geht die Zukunft von Freehand, Illustrator, GoLive und Dreamweaver der Öffentlichkeit bekannt zu geben. Einzig, dass man "die Kundenlinie umstruktuieren möchte, mitsamt den Geschäftseinheiten für Entwickler und Handel, Kreative und Mobilanbieter." wurde iWon gegenüber als Ziel genannt. "Es wird außerdem einen Bereich geben, der sich dem allgegenwärtigen PDF- und Flash-Technologien widmen wird" fügte Jodi Warner von Adobe hinzu. Geheimnisvoller kann man sich kaum geben. Die Nutzer quittieren es hingegen mit ungläubigem Staunen gegenüber einem (bzw. zwei) Unternehmen, die trotz Freisprechung des Kartellamts in den Augen vieler bald schon dank ihres umfassenden Software-Portfolios eine Monopolstellung einnehmen werden.

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