Adobe CS3 erst 2007

06.04.2006
Ein Programmierer von Adobe berichtet, dass Photoshop für Intel-Macs quasi einer Neuprogrammierung unterzogen werden muss ..

Erst vor zwei Monaten erklärte Adobe-Chef Bruce Chizen, dass mit einer nativ auf Intel-Macs laufenden Creative Suite und der neuen Photoshop-Version frühestens im zweiten Quartal 2007 zu rechnen sei. Chizen argumentierte diesen Zeitverzug mit den Schwierigkeiten, die der Apple-Code angeblich Großkunden und großen Applikationen bereite. Apple erwiderte daraufhin, dass man Adobe unterstütze, wo man könne. Jetzt aber schrieb ein Adobe-Mitarbeiter sich seinen Programmierfrust von der Seele: Nicht Apple sei Schuld, sondern die Altlasten in der CreativeSuite, die eine vollkommene Neuprogrammierung der Software erzwingen.

Schwierigkeiten mit Intel-Macs

Nachdem im Januar die ersten Intel-Macs verkauft wurden mehrte sich das Drängen der Nutzer, Adobe solle doch bald auch eine nativ auf den neuen Rechnern laufende Version der Creative Suite veröffentlichen. Hauptmanko der neuen Geräte ist nämlich, dass die nicht nativ auf deren Prozessor laufenden Anwendungen langsamer sind als auf den alten G4-Geräten mit PowerPC-Prozessor. Und ein bis zu einer Minute in Anspruch nehmender Start von Photoshop dauert nun auf den schnelleren Intel-Maschinen noch länger - nervenzehrend länger. Grund hier ist, dass Adobe es bislang nicht schaffte, die Creative Suite auf den Intel-Macs nativ, also direkt von den beiden neuen Prozessoren abarbeitend, laufen zu lassen. So fristet das für die meisten Grafiker nahezu unentbehrliche Softwarepaket ein Schattendasein im Rosetta-Universum, der Emulation, die es alten PPC-Programmen ermöglicht, auch auf den neuen Maschinen - wenn auch langsamer - zu laufen. Dabei ist es so langsam wie zu G4-Zeiten - und das noch das ganze kommende Jahr, denn Adobe bereitet die Portierung auf die native Umgebung große Schwierigkeiten.

Adobes Argumente für Verzögerung

Die Schwierigkeiten, so Adobe, seien auf die grafischer Programmierumgebung Apples namens XCode zurückzuführen, die für derartig große Projekte wie die Creative Suite nicht ausgelegt sei. An eine Umsetzung der Creative Suite in Universal Binaries, also einen Code der sowohl auf PPC als auch Intel läuft, sei erst recht nicht zu denken. Apple helfe zwar und schicke Entwickler zu Adobe, so dass es gut voranginge, in einem Interview mit Forbes.com aber stellte Bruce Chizen klar, dass es den Adobe Acrobat Ende 2006 in einer nativen Version geben werde, wohingegen die Creative Suite 3 erst im zweiten Quartal 2007 kommen wird. "Acrobat wird dabei die Möglichkeiten von Macromedia integrieren. Und Sie werden eine Menge Aktivitäten im CS3-Launch sehen. Es wird eine Menge Integration zwischen Macromedia- und Adobe-Produkten bei dieser Veröffentlichung geben. Mit der Veröffentlichung von CS3 wird der Wert der Zusammenlegung der beiden Unternehmen erst deutlich." so Chizen. Deshalb scheint nicht nur XCode des Übels Wurzel zu sein, sondern auch die Zusammenlegung von Adobe- und Macromedia-Programmen.

Die wahren Gründe

Vielleicht steckt hinter der Verzögerung der Intel-Portierung aber noch mehr, als Adobe bislang zugeben wollte. Das lässt zumindest eine jetzt von Scott Byer, einem Entwickler bei Adobe, veröffentlichte Darstellung vermuten. In seinem Blog "Living Photoshop" berichtet er, dass Adobe mit ganz anderen Problemen als einer reinen Neukompilierung (Neuübersetzung und damit Umwandlung des Programmcodes) zu kämpfen hat.

Photoshop sei nämlich bereits bei der Portierung Apples vom 68K-Prozessor zum PPC-Prozessor nicht vollständig neu geschrieben worden. Man habe lediglich einige Routinen umgeschrieben, hier ein Plug-In installiert und dort ein wenig geschraubt. Heraus kam ein scheinbar nativ auf PowerPC laufendes System, das jedoch noch eine unüberschaubare Vielzahl an 68K-Routinen - für den Nutzer unmerklich - beinhaltet. Und genau das ist der Knackpunkt, denn während auf einem PowerPC-Rechner 68K-Code keinerlei Schwierigkeiten (außer einigen Flaschenhälsen und damit Langsamkeit an einigen Stellen) bereitet, läuft dieser auf einem Intel-Rechner einfach nicht mehr. Deshalb ist Adobe jetzt gezwungen, den gesamten Programmtext der Creative Suite zu durchforsten und große Teile davon nicht einfach zu übersetzen, sondern vollkommen neu zu schreiben. Die Altlast von vor vielen Jahren macht sich jetzt bemerkbar in "viel Arbeit", wie Scott Byer betont, für die es "keine Abkürzung" gebe. Das Ergebnis aber soll sich dann wirklich sehen lassen, denn die Entwickler bemühen sich, "jede Unze an Power aus den Intel-Maschinen für Photoshop CS3 herauszuholen". Ein schneller Start von Photoshop? Bald schon kein Traum mehr, sondern Realität - vorausgesetzt die Nutzer haben die hierfür notwendige Geduld und halten Adobe die Treue. Angesichts fehlender Alternativen wird das aber sicherlich der Fall sein.

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