Adobe Camera Raw Teil 1 - Schnelle Grundeinstellungen

15.09.2016

Im Artikel »Adobe Bridge Funktionen - Teil 2« ging es bereits um wichtige Voreinstellungen zu Camera Raw und die Synchronisierung von Entwicklungseinstellungen. Marianne Deiters, Grafik Designerin und Software Trainerin (Adobe Certified Instructor) beschreibt in diesem Betrag im Detail, wie Sie in Adobe Camera Raw am besten vorgehen, um ein Bild zu optimieren.

Welche Dateiformate kann Adobe Camera Raw verarbeiten?

 Quelle: Marianne Deiters

Adobe Camera Raw verarbeitet JPEG-Dateien, TIFF-Dateien ohne Transparenz/Ebenen und über 400 unterschiedliche Raw-Formate. Eine Liste finden Sie direkt bei Adobe.

Aufgrund der hohen Bildlinformation die in Raw-Dateien steckt, sollten Sie diese immer bevorzugen, damit Sie auch starke Korrekturen verlustfrei vornehmen können.

Aber auch bei TIFF und JPEG profitieren Sie von den einfach zu bedienenden und ausgeklügelten Funktionen von Adobe Camera Raw (ACR).

Anfänger finden sich meist leichter mit den Schiebereglern zurecht, als mit dem zum Teil versteckten und manchmal etwas veralteten Methoden in der Photoshop-Oberfläche.

 

 

 

 

 

 

 

So gelangen Sie in Adobe Camera Raw (ACR)

Die Benutzeroberfläche von ACR: Oben links im Kopf finden Sie die Werkzeuge. Auf der rechten Seite finden die Einstellungen unter den einzelnen Symbolen gelistet, sobald Sie eins davon anklicken. Quelle: Marianne Deiters


RAW-Dateien Öffnen: Wenn Photoshop installiert ist, gelangen Sie aus der Oberfläche des Betriebssystems oder über die Adobe Bridge durch einen Doppelklick auf die Datei direkt in ACR.
JPEG und TIFF öffnen: In Adobe Bridge eine Bildminiatur auswählen und (cmd/Strg + R) drücken
Aus Photoshop heraus (ältere Windows-Betriebssysteme): Im Menü Datei den Befehl Öffnen… wählen und das Format Camera Raw auswählen
Seit Photoshop CS 6 gibt es die Möglichkeit Adobe Camera Raw als Filter zu verwenden. Dieser Weg bietet sich an, wenn Sie JPEG oder TIFF korrigieren möchten oder einfach die Korrekturmöglichkeiten zusätzlich verwenden möchten. Dazu konvertieren Sie die betreffende Ebene in Photoshop am besten vorher in ein Smartobjekt: aus dem Menü Filter > Für Smartfilter konvertieren. Danach rufen Sie aus dem gleichen Menü den Camera Raw-Filter auf.
Damit Sie sich bei den Einstellungen auf der rechten Seite schneller mit den vielen Symbolen zurechtfinden, habe ich eine kleine Übersicht erstellt.

 

Die Bedeutung der Einstellungs-Symbole in Adobe Camera Raw Quelle: Marianne Deiters

Die Reihenfolge der Einstellungen
 Die beste Reihenfolge hängt auch vom Bildinhalt ab. Weicht der gewünschte Bildausschnitt stark vom gewünschten Inhalt ab, beschneide ich zuerst das Bild. Wenn starke Objektiv-Verzerrungen auftreten, entferne ich diese zuerst. Stammen die Bilder aus einem kontrolliertem Fotoshooting mit vorherigem Weißabgleich, sind wahrscheinlich nur wenige der Grundeinstellungen zu verändern.
Viele Einsteiger sehen aber in Adobe Camera Raw und in den Vorschau-Miniaturen der Adobe Bridge (diese zeigt sowieso nur sRGB an) plötzlich völlig andere Farben und Kontraste als auf dem Kamera-Display. Wenn dies der Fall ist und Sie damit nicht zufrieden sind, wechseln Sie am besten zum Reiter Kamerakalibrierung. Dort, unter Prozessversion sollte immer die aktuellste eingestellt werden. Bei Kameraprofil suchen Sie sich eine Voreinstellung aus, die Ihrer Vorstellung am nächsten kommt. Dies Profile haben nichts mit ICC-Profilen zu tun, es sind Grundeinstellungen, die entsprechend den Einstellungen für Landschaft, Porträt, usw. des jeweiligen Kamera-Herstellers nachempfunden sind.

 

 

 

 

Eine andere Profil-Einstellung bringt Sie oft schneller zum Ziel Quelle: Marianne Deiters

Das Histogramm

Um die Grundeinstellungen gezielt vornehmen zu können, sollten Sie das Histogramm eines Bilds verstehen. Das was Sie als buntes Gebirge rechts oben in der Darstellung sehen, können Sie durch Klicken und Ziehen ganz gezielt beeinflussen. Die Einstellungen werden durch das Verschieben der Regler im Bereich der Grundeinstellungen widergespiegelt. Umgekehrt gilt das Gleiche. Das Histogramm ändert sich, wenn Sie die Position der Regler verändern.

Die Grundeinstellungen

Die markierten Bereiche entsprechen den Funktionen der Schieberegler Quelle: Marianne Deiters

Der Weißabgleich

Hier können Sie die Farbtemperatur auf eine Voreinstellung, wie Kunstlicht, Blitz oder Tageslicht bringen, oder mit den Schiebereglern für Farbtemperatur und Farbton eingreifen. 
Eine weitere Hilfe finden Sie mit dem Weißabgleich-Werkzeug. Dazu wählen Sie das Werkzeug mit dem Pipette-Symbol aus und klicken in einen Bildbereich, der ein mittleres neutrales Grau enthalten solle. Damit werden alle Farben entsprechend verschoben. Das ist selbstverständlich nur bei Bildern möglich, die neutrale Bereiche enthalten.

 

Der Belichtungsregler

Der Regler Belichtung nimmt hauptsächlich Einfluss auf die Mitteltöne und bestimmt die allgemeine Helligkeit des Bildes. Die einstellbaren Werte von »- 5,00« bis »+ 5,00« entsprechen den Blendenstufen einer Kamera-Einstellung. Halten Sie die Alt-Taste gedrückt, während Sie die Belichtung verändern. So wird eine schwarze Maske angezeigt, in der die Beschneidung der Lichter in den jeweiligen Farbkanälen in der entsprechenden Farbe angezeigt wird. Im Beispielbild wirkt sich eine Erhöhung der Belichtung nicht wie gewünscht aus, da der Himmel eigentlich korrekt belichtet war und nun zu hell wird.

 

Der Kontrastregler

Hier liegt die Lösung zur Aufhellung des Vordergrunds in einer anderen Einstellung, als der allgemeinen Belichtung. Quelle: Marianne Deiters

Eine Erhöhung des Kontrasts auf einen positiven Wert spreizt die Tonwerte. Das Bild wirkt knackiger. Dafür verschwinden viele Mitteltöne und damit zarte Tonwertübergänge, da diese ab einem variablen Helligkeitswert in Richtung der Lichter oder Tiefen verschoben werden. Eine Verringerung des Kontrastes zeigt mehr feine Details und zarte Tonwertübergänge in den Mitteltönen. Das Bild wirk allgemein heller. Ich nutze den Regler zur Erhöhung des Kontrasts sehr vorsichtig, da er das gesamte Spektrum spreizt und eventuell Tiefen und Lichter beschneidet. Stattdessen stelle ich die meisten Bilder zunächst über die anderen Regler ein und setze den Weiß- und Schwarzpunkt ganz gezielt.

 

Der Regler »Lichter«

Der Regler für die Lichter wirkt auf die hellen Töne, den Lichterbereich eines Bilds und reicht bis in die hellen Mitteltöne. Wenn ein zu helles Bild besonders wenig Zeichnung in den Lichtern hat, ziehen Sie den Regler nach links. Das wirkt Wunder.

 

Der Regler »Tiefen«

Mit diesem Regler können Sie speziell die Tiefen aufhellen oder abdunkeln. Wenn Sie diesen Regler nach links ziehen, werden die ganz dunklen Töne ähnlich geschützt wie die Lichter beim Erhöhen der Belichtung, damit der Verlust im Bereich Schwarz begrenzt wird. Schieben Sie ihn nach rechts, um die Tiefen und die dunklen Mitteltöne aufzuhellen. Dies ist auch die beste Lösung für das Beispielbild.

 

Der Regler »Weiß«

Die dunklen Bildbereiche im Vordergrund, sind hier hauptsächlich durch die Aufhellung der Tiefen sichtbar gemacht worden. Quelle: Marianne Deiters

Mit diesem Regler wird der Tonwertbereich Weiß abgedunkelt oder aufgehellt. Sie können durch Verschieben des Reglers den Weißpunkt über die Sichtkontrolle im Histogramm oder der Farbwarnung setzen. Alternativ halten Sie die Alt-Taste gedrückt, während Sie am Regler ziehen. In einer schwarzen Maske wird die Beschneidung der Lichter durch die entsprechenden Farben angezeigt.

 

 

 

Der Regler »Schwarz«

Mit diesem Regler wird der Tonwertbereich Schwarz abgedunkelt oder aufgehellt. Setzen Sie hiermit den Schwarzpunkt auf die gleiche Weise wie den Weißpunkt. Halten Sie beim Ziehen die Alt-Taste gedrückt, erscheint diesmal eine weiße Überlagerung. Mit diesen Einstellungen haben Sie die Tonwertbereiche eines Bilds sehr gut im Griff. Im nächsten Teil dieser Serie geht es um weitere wichtige Anpassungen und die Einstellung der Farben.

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