100 Jahre Olympus

04.06.2019
Der japanische Kamerahersteller feiert Geburtstag. Auch wenn die Verkaufszahlen schon mal besser waren, spricht gerade der historische Rückblick für die Innovationskraft des Unternehmens.

Vermutlich waren Jubiläen auch schon mal beliebter. Der 100. Geburtstag ist eigentlich ein ganz besonderer, doch schon Nikon erwischte er vor zwei Jahren, als alle wichtigen Neuheiten noch in der Pipeline waren.

Und ob Olympus bis zum 12. Oktober auch mit Produkten auf sich aufmerksam machen wird, während alle Fotowelt nur noch vom spiegellosen Vollformat spricht, muss sich noch zeigen.

Doch wer weiß, was da noch kommt, schließlich ist die Geschichte von Olympus voll von radikalen Wechseln, die meistens sehr erfolgreich waren.

Die Gastrostars

Letzten Endes war die Kamerasparte immer wieder sehr erfolgreich, doch das Geld wird in der Firma mit der Medizintechnik verdient. Schließlich fing es 1919 auch mit Mikroskopen für den japanischen Markt an. Kein schlechter Start – diese DNA trägt schon Leica in sich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte dann die Öffnung für den Export. Kriegsähnliche Zustände erlebte Olympus erst wieder 2011, als in einem beispiellosen Wirtschaftskrimi milliardenschwere Bilanzfälschungen vom damaligen britischen CEO Michael Woodford aufgedeckt wurde.

Was Woodford – und 2.700 Mitarbeiter – den Job und Olympus viel Geld kostete, den Ex-CEO zum Thriller-Autor machte und Arte einen Dokumentarfilm bescherte: „Für das Wohl des Unternehmens – die Olympus-Affäre“.

Doch wirtschaftlich ist das weitgehend ausgestanden und auch die Mitarbeiterzahl von fast 36.000 kann sich wieder sehen lassen. Natürlich arbeiten die meisten davon in der Medizinsparte.

Quelle: Olympus

Von Halbstarken und kleinen Großen

Die erste fotografische Vorkriegsware von Olympus waren schnöde Balgenkamera-Nachbauten der deutschen Pendants. Eigene Wege beschritt man erst 1959 mit der Halbformatkamera PEN, die nur die Hälfte des Kleinbildformats nutzte (18x24) und auch mit 3:4 ein anderes Seitenverhältnis hatte. Das sollte sich später digital wiederholen.

Dafür passten mehr Bilder auf den Film, die Filmkosten wurden so halbiert und auch die Kameras waren kleiner und günstiger. Design-Höhenflüge wurden dann mit der Spiegelreflex PEN der 1960er Jahre und ihren Wechselobjektiven erreicht. Das Design war so zeitlos, dass es bei der PEN-F im Digitalzeitalter fast nahtlos übernommen werden konnte.

Doch die Produktion war aufwändig und das Kleinbild-Vollformat damals schon übermächtig. So kam der wirtschaftlich geniale Wurf erst mit dem OM-System 1972. Die OM-1 war eine extrem kleine Spiegelreflex, später sorgten OM-2, OM-3 und OM-4 auch für innovative Techniken wie eine Multispotmessung oder die autodynamische Belichtungsmessung.

Dazu profitierte das damals vielfältigste Makrosystem aller Fotoanbieter indirekt vom hauseigenen Medizin-Knowhow. Vor allem hielten sich auch die Objektive an die Vorgabe der kleinen Gehäuseabmessungen.

Und das bei ungewöhnlicher Lichtstärke für die damalige Zeit und mit einem Auflösungsvermögen, das die Beschränkungen des Films einfach ignorierte und sie so heute zu gebraucht gesuchten, sehr adaptierfreundlichen Modellen macht.

Quelle: Olympus

Der digitale Übergang

Zwei Dinge machten Olympus 1996 zum digitalen Vorreiter: Einerseits verpasste man im Autofokuszeitalter den Anschluss in der Spiegelreflex-Technik und zweitens hatten man immer wieder extrem erfolgreiche Sucherkameras wie mju und die XA entwickelt.

Deren Design-Qualitäten blieben zwar bei den ersten Digitalmodellen auf der Strecke, aber Olympus hatte nichts mehr zu verlieren und wurde so der erste klassische Kamerahersteller, der bezahlbare Digitalkameras auf den Markt brachte.

Später kamen noch DSLRs mit Festoptik dazu, bis die E-1 das Four-Thirds-System mit Wechseloptiken einführte. Mit Ausstattungsmerkmalen wie der ersten wirklich effektiven Sensorreinigung: Die beiden Olympusse des Autors haben auch nach über zehn Jahren im Einsatz weder eine Sensorreinigung erlebt noch nötig.

Der Sensor hatte nur ein Viertel der Kleinbildfläche – im Seitenverhältnis 3:4, wir erinnern uns –, doch gerade weil die Optiken anders als bei der Konkurrenz alle explizit für das Digitalzeitalter neu gerechnet wurden, konnte das Gesamtpaket qualitativ auch mit größeren Formaten gut mithalten.

Quelle: Olympus

Olympus heute

Trotzdem war die Marktbeherrschung von Canon und Nikon auf dem Spiegelreflexmarkt nicht zu brechen. Also wurde der Spiegelzopf abgeschnitten und mit Panasonic das Micro-Four-Thirds-System aus der Taufe gehoben. Und das clevererweise mit Designanleihen bei Pen und OM.

Damals mit 8 Megapixeln, mittlerweile mit 20 und dank der besten Multishot-Pixel-Shift-Technik durchaus in der Lage, noch mehr aus dem Format und der Optik herauszuholen.

Wer wirkliche kleine Kameras und Objektive sucht, ist damit nach wie vor bestens bedient. Erst recht auf Reisen. So manches Merian-Heft legt dafür professionelle Zeugenschaft ab.

Doch anderseits scheint das System erst recht nach der Vorstellung des Sportflagschiffs OM-D E-M1X etwas ausentwickelt. Der Markt schreit gerade nach Vollformat. Zumindest scheint es so, auch wenn die Verkaufszahlen von Nikon und Canon da derzeit noch sehr zu wünschen lassen.

Doch bisher ist den Olympus-Konstrukteuren immer genau dann etwas Innovatives eingefallen, wenn niemand damit gerechnet hat. Es ist ja noch das ganze Jahr über Jubiläum.

 

Sie möchten noch mehr Profi-Tipps für Fotografen? Dann nehmen Sie an unserem Seminar „Der Fotokurs für Einsteiger“ am 22.08.2019 mit unserem Autor Andreas Kesberger in der LASERLINE Academy teil. Alle Informationen zum Seminar „Der Fotokurs für Einsteiger“ finden Sie auf: www.laser-line.de/academy

Werden Sie ein Teil unserer Welt

Bestellen Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Drucktipps, Angebote sowie Neuigkeiten aus der Druckbranche direkt per E-Mail.
Zusätzlich schenken wir Ihnen einen 5 EUR Gutschein für Ihre erste Bestellung.