Berlin, 3. April 2006

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Normproof nach Medienstandard für Farbverbindlichkeit

Wenn Farben im Druck anders als auf dem Monitor aussehen oder der extra gemachte Proof vom Druckergebnis abweicht kann das mehrere Ursachen haben. Allen voran ist das Licht Schuld daran, dass Farben unterschiedlich erscheinen. Deshalb einigte man sich in der Druckindustrie auf eine Standardisierung.

Vielleicht kennen Sie das Phänomen aus dem eigenen Alltag: Ein Bild sieht auf dem Monitor, im Layout und auch auf dem Ausdruck bei Ihnen zuhause gut aus. Auch der Proof, den Sie eigens angefordert haben, weiß zu überzeugen. Doch das Druckerzeugnis weicht in der Farbgebung stark von allen vorherigen Darstellungen ab. Was ist passiert? Die Antwort ist einfach: Die Technik machte Ihnen einen Strich durch die Rechnung und der sogenannte Metamarie-Effekt schlug voll zu.

Metamarie
Um eine Farbe richtig beurteilen zu können muss das menschliche Augen die Farbe auf dem Papier bei Licht als Reiz wahrnehmen. Nicht umsonst sind in der Nacht alle Katzen grau, denn nachts reicht das vorhandene Licht für unsere Wahrnehmungsfähigkeit gerade einmal dazu aus, hell und dunkel voneinander zu unterscheiden. Auch tagsüber ist die Farbwahrnehmung je nach Tageslicht und Sonneneinstrahlung unterschiedlich. So kommt es denn auch, dass das menschliche Auge bei unterschiedlichen Lichtgegebenheiten Farben anders wahrnimmt. Doch nicht nur Frauen kennen das Problem, das ihnen beim Einkauf unter Kunstlicht und Begutachtung des Gekauften bei Tageslicht immer wieder passiert – was im Geschäft rosa erscheint ist zuhause plötzlich orange. Auch im Druck unterliegt man dieser Täuschung, bei der eigentlich spektral unterschiedliche Farbreize unter gewissen Lichtbedingungen das gleiche Farbempfinden auslösen. Plötzlich sehen dann Farben, die unter der einen Beleuchtung gleich aussahen unter einer anderen verschieden aus. Der Fachausdruck dafür lautet „Metamarie“.

Ursachen für Metamarie-Effekt
Im Druck liegen die Gründe für den Metamarie-Effekt in der Nutzung unterschiedlicher Drucktechnologien. Andrucke auf der letztendlich verwendeten Maschine sind teuer und aufwändig und der früher genutzte Chromalin-Prüfdruck wich in den letzten Jahren zunehmend den preiswerteren Digitalproofs. Sie werden in unterschiedlichen Druckverfahren auf Plottern oder als Tintenstrahldruck und dadurch natürlich auch mit anderen Papieren produziert, als der abschließende Offsetdruck. Durch die andersartige Drucktinte der Proofs aber und deren Annahmeverhalten auf dem Papier kann das Druckergebnis dann allerdings niemals wirklich identisch sein.

Abgleichbedingung Normlicht
Eine Annäherung der beiden Druckergebnisse findet jedoch statt, wenn sich die Druckerei an die ISO 3664 hält. Die Internationale Beleuchtungskommission CIE (Abk. für Commission Internationale de l'Eclairage) novellierte hierzu die Definition der ISO 3664 und passte sie 2004 den heutigen Gegebenheiten an. Denn musste man früher noch zwischen einem Dia und dem Druckerzeugnis die Farbigkeit desselben abgleichen, ist es heute die Abstimmung von Digitalproof zu Druck. Man einigte sich deshalb darauf, das bislang genutzte D65, das dem Licht bei bedecktem Himmel entspricht, auf D50 zu ändern. Dies entspricht einer ungefähren Farbtemperatur von 5000 Kelvin (K) und damit ungefähr dem mittleren Sonnenlicht. Auch Tageslichtfilme sind derart sensibilisiert, dass das menschliche Auge die wiedergegebenen Farben bei 5000K als realistisch wahrnimmt. Im Druck nutzt man Normlicht von 5000K ebenfalls zum verbindlichen Farbvergleich, denn unter Normlicht kann zumindest von der Lichtbedingung her sichergestellt werden, dass jedermann Proofs und Drucke gleich wahrnimmt.

D50 herstellen
Von einem wirklich verlässlichen Proof, der dem Endergebnis möglichst nahe kommt, kann man also nur sprechen, wenn dieser wie auch der Enddruck immer unter Normlicht betrachtet wird. Das heißt die Prooffarben und die Druckfarben werden über ein entsprechendes Color Management einander angeglichen, allerdings nur für die Betrachtung unter einer bestimmten Lichtquelle (D50) mit ca. 2000 lx Lichtstärke. Hierzu nutzen Druckdienstleister spezielle Normlichttische mit einer Lichtqquelle, deren Farbtemperatur 5000K entspricht. Doch nicht jeder Auftraggeber hat auch einen der teuren Normlichttische bei sich stehen. Um daher auch zuhause einen farbverbindlichen Eindruck eines Proofs zu erhalten, kommt ein Blick am Fenster bei Tageslicht am Vor- oder Nachmittag bei wolkenlosen Himmel der Farbtemperatur 5000K am nächsten.

Normlicht prüfen: Farbtemperatur-Indikator
Wie aber erkennt man, ob das verwendete oder gerade vorhandene Licht tatsächlich 5000K entspricht? Die Ugra, eine Institution, die seit vielen Jahren die Schweizer Druckindustrie in den Normierungsgremien der ISO vertritt, entwickelte hierzu einen speziellen Farbtemperatur-Indikator. Dabei handelt es sich um Farbstreifen mit zwei abwechselnden Farben. Unter einem Normlicht von 5000K betrachtet, weisen alle Farbfelder dieselbe Farbe auf; unter einer von 5000K abweichenden Lichtquelle erscheinen allerdings deutlich zwei verschiedene Farben. Die Ugra Fabrtemperatur-Indikatorstreifen (ca. 38 Euro/50 Streifen) und dazugehörige Metamariekarten (ca. 50 Euro/5 Karten) können entweder direkt bei der Ugra (www.ugra.ch) oder im Internet (www.mercateo.com/kw/fogra/fogra.html) werden. Druckereien mit entsprechendem Service aber, wie beispielsweise das in Berlin ansässige Unternehmen LASERLINE (www.laser-line.de), bieten zu ihren Normproof nach Medienstandard auch einen Ugra-Farbtemperatur-Indikator und einen Ugra/fogra-Medienkeil CMYK auf dem Prüfdruck an. Nur so kann der Kunde den Proof farbverbindlich begutachten und wird am Ende nicht unangenehm überrascht, wenn es um gute Farben auch im Druck geht.

Charlotte Stanek

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