Schnell zwischen Mac OS X und Windows auf einem Rechner wechseln und mit den jeweils schnelleren Anwendungen Zeit sparen - die friedliche Koexistenz ...
07. Dezember 2006
Wer seinen nächsten Arbeitsplatzrechner bei Apple ordert, holt sich das Beste beider Welten ins Büro: Dank modernster Intel-Prozessoren können die Rechner des Mac-Herstellers sowohl Windows als auch Mac OS X laufen lassen. Das ist, solange Hersteller wie Adobe ihre Produkte noch nicht perfekt an die neueste Mac-Generation angepasst haben, mehr als ein interessantes Experiment. Denn so kann man Produktionssoftware in der maximalen Geschwindigkeit ausführen - eben auch unter Windows.
Gute Gründe
Es ist die Fortsetzung des klassischen Streites zwischen den Systemen, der sich neuerdings auf die einfache Frage reduzieren lässt: "Wer will schon Windows auf seinem Mac laufen lassen?" Die Antwort ist genauso einfach wie einleuchtend: Viele.

Vor allem all jene, die produktiv mit ihrem Mac-Rechner arbeiten müssen, aber zum Beispiel Photoshop und andere Programme einsetzen, die noch nicht an Apples neue Intel-Rechnerarchitektur angepasst sind. Denn wenn kein "Universal Binary"-Logo auf der Packung prangt, läuft die Software nur in einem vom Mac-Hersteller eingebauten Kompatibilitätsmodus mit halber Kraft. Wer also noch eine Windows- und Photoshop-Lizenz in der Schreibtischschublade liegen hat, kann beides hervorkramen und bis zur Vorstellung der Adobe Creative Suite 3 schon jetzt die volle Leistung der Grafik-Programme entfesseln - nur eben unter Windows, aber auf dem Mac. Dafür stehen dem experimentierfreudigen Designer zwei Möglichkeiten zur Verfügung, die beide ihre Vor- und Nachteile haben.
Apples Boot Camp
Zum Einen bietet Apple eine Gratis-Lösung an, die auf den Namen Boot Camp hört und unter
www.apple.de/bootcamp erhältlich ist. Der knapp 150 Megabyte große Download holt ein Programm auf den Rechner, das es erlaubt, einen Teil der eigenen Festplatte für das Windows-Betriebssystem zu reservieren. Das gelingt sogar im laufenden Betrieb, ohne dass Datenverluste auftreten. Sind die mindestens fünf Gigabyte für die Konkurrenz abgezwackt, muss ein Rohling herhalten, um alle für das Microsoft-System benötigten Treiber darauf zu bannen.

Nach diesem Schritt kann es endlich losgehen: Flugs die Windows-CD einlegen, einen Neustart durchführen und schon erkennt der Mac das neue System und führt nahtlos in den schon bekannten blau-weißen Windows-Installationsassistenten über. Ab hier nimmt alles seinen gewohnten Weg, zum Abschluss wird neu gestartet und die vorab gebrannte Treiber-CD zur Installation der Zusatzsoftware genutzt. Ist das geschehen, darf der frisch gebackene Hybrid-Besitzer bei jedem Rechnerstart wählen, ob er seinen Computer im bekannten Mac-OS-X-Gewand oder der neuen Windows-Oberfläche gestartet haben möchte.
Parallel-Welten
Anders löst dies das Programm
Parallels Desktop, das für knapp 80 Euro erstanden werden muss, aber vorab als 15tägige Testversion heruntergeladen werden kann. Einmal auf dem Rechner, werden sich Kenner von Emulationssoftware wie VirtualPC und GuestPC sofort Zuhause fühlen: Unter Mac OS X gestartet, führt ein Assistent komfortabel durch die Erstellung eines neuen "virtuellen PCs", der fortan mit Windows in seinem eigenen Fenster wie ein jedes Mac OS X-Programm läuft. Damit wird das Umschalten zwischen beiden Systemen innerhalb von Sekunden möglich, ebenso lassen sich Dateien per Drag&Drop zwischen den zwei Welten hin- und her schieben. Der neueste Clou: Die ganz aktuelle Parallels-Version - momentan schon als Beta-Fassung erhältlich - erlaubt das Ausführen von Windows-Programmen wie dereinst aus der Classic-Umgebung des Mac-Systems bekannt: Die Windows-Fenster reihen sich dabei wie reguläre Mac-Programme in den Betrieb ein, anstatt das gesamte Microsoft-Betriebssystem mit aller Software in ein einzelnes Fenster zu verbannen.
Vergleichswerte
Nähme man den Preis als Maßstab, stünde der Gewinner im Vergleich fest: Immerhin ist die Apple-Lösung
Boot Camp frei erhältlich. Dafür müssen ihre Verwender allerdings einige Nachteile in Kauf nehmen: In der bisherigen Beta-Fassung werden noch nicht alle Hardware-Komponenten der Mac-Rechner perfekt unterstützt - so müssen Boot-Camp-Nutzer bislang noch auf einige Bluetooth-Geräte verzichten, während andere wie Maus und Tastatur wiederum funktionieren. Hier ist Ausprobieren angesagt. Außerdem ist der Datenaustausch zwischen den Welten mühsam: Wer für seine Windows-Festplatte während der Betriebssystem-Installation nicht das alte Dateiformat FAT32 wählt, kann von Mac OS X aus mit Windows erstellte Dateien nur lesen, aber nicht verändern oder neue hinüberspielen. Von Windows aus auf die Daten des Mac-Systems zuzugreifen, ist sogar gänzlich aussichtslos, setzt man keine teure Zusatzsoftware ein.
Anders in
Parallels, das diese Probleme nicht hat - hier gelingt der Austausch per Drag&Drop. Und auch das Umschalten zwischen Windows und Mac OS X erfordert keinen zeitraubenden Neustart sondern gelingt in wenigen Sekunden. Schaltet man den virtuellen Parallels-PC ab, kann der sogar in seinem aktuellen Stand gespeichert und beim nächsten Aufruf binnen weniger Sekunden wiederhergestellt werden. Dafür jedoch müssen sich Parallels-Verwender vereinzelt mit USB-Problemen herumschlagen: So lässt sich etwa der AVM FRITZ!Stick - ein gängiger WLAN-Adapter - bisher nicht zum Funktionieren bewegen. Auch auf leistungsfähige Grafikunterstützung müssen Anwender derzeit verzichten. Wer Cinema-4D oder andere 3D-Programme für Windows einsetzt, wird wohl oder übel zu Boot Camp greifen müssen. Wenn aber nur Photoshop und Co unter Windows laufen sollen und sonst Mac OS X das System der Wahl ist, kann man beruhigt zur komfortableren 80-Euro-Variante greifen.
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