Stehen mehrere Farben nebeneinander, so wirken sie immer aufeinander ein. Johannes Itten hat diese Effekte in seinen sieben Farbkontrasten beschrieben
28. April 2011
Wenn zwei oder mehr Farben zusammen kommen, stehen die Nuancen nicht mehr nur für sich selbst. Farbtöne beeinflussen sich immer auch gegenseitig. Johannes Itten (1888 bis 1967) hat sieben Farbkontraste bestimmt, die diese Wechselwirkungen beschreiben. Die Effekte lassen sich für Printprodukte nutzen.
Hell-Dunkel
Treffen zwei unterschiedlich helle Farben aufeinander, entsteht ein Hell-Dunkel-Kontrast. Schatten und Licht beruhen auf dieser Wirkung, ebenso die dreidimensionalen Effekte, die daraus entstehen. Nicht nur schwarz und weiß unterscheiden sich hinsichtlich der Helligkeit, sondern auch die „bunten“ Farben.

Quelle: Serge Lachinov
(Wikicommons)
Kalt-Warm
Man muss nur einen Blick auf Wasserhähne werfen, um zu verstehen: Rot ist eine warme Farbe, blau eine kalte. Auf der Kalt-Warm-Skala stehen sich die Farben Blau-Grün und Rot-Orange gegenüber. Kennt man diese Wirkung, kann man mithilfe von Farbkontrasten Temperatureffekte simulieren – kühlendes Blau, wärmendes Rot.
Farbe an sich
Der Farbe-an-sich-Kontrast beschreibt die Wechselwirkung von drei oder mehr Farbtönen. Am intensivsten ist der Effekt, wenn die Farben Rot, Blau und Gelb nebeneinander gestellt werden. Bei allen Mischungen dieser Farben schwächt sich der Kontrast dagegen ab.

Quelle: Malte Ahrens
(Wikicommons)
Qualität
Klare und stumpfe Farben: Dieser Unterschied wird bei Johannes Itten im Qualitätskontrast beschrieben. Mischt man Schwarz und/oder Weiß zu Farben hinzu, so erhält man trübere Nuancen. Selbst abgestumpfte Farben entfalten aber beispielsweise neben Grau immer noch ihre Wirkung. Es kommt also auch auf die benachbarten Farben an.
Quantität
Der Quantitätskontrast beschreibt die Farbanteile auf Flächen. Farben wirken in unterschiedlichen Größen harmonisch: Rot und Grün kann man in gleichem Anteil nebeneinander stellen, während bei der Kombination Orange-Blau für einen homogenen Eindruck das Blau überwiegen sollte.
Komplementär
Auf dem Farbkreis von Johannes Itten stehen sich die Komplementärfarben jeweils gegenüber. Die Theorie des Komplementärkontrasts beinhaltet, dass sich diese Farben gegenseitig in ihrer Leuchtkraft bestärken, wenn sie nebeneinander verwendet werden.
Simultan
Der Simultankontrast besagt, dass nebeneinander aufgebrachte, ungemischte Pigmente stärker wirken als gemischte und als die allein stehenden Pigmente. Viele optische Täuschungen beruhen auf diesem Prinzip: Eine weiße Fläche wirkt plötzlich nicht mehr so weiß, wenn sie von einer farbigen Fläche umgeben ist.