Die Zusammensetzung des Wortes


Vom Buchstaben zu den Fachbegriffen rund um das Wort: So gestaltet man Abstände sowie Zeilen ansprechend und vermeidet Bleiwüsten


05. Mai 2011


Nach dem Zeichen ist das Wort die nächste Einheit in der Typografie. Wichtig bei der Gestaltung sind vor allem der Wortabstand und die Laufweite: Hier trägt der Gestalter durch ausgewogene Werte maßgeblich zur Lesbarkeit eines Textes bei. Aber auch den Zeilen, die mit Wörtern gefüllt werden, sollte ein besonderes Augenmerk gelten.

Höhen, Längen, Linien
Höhen, Längen, Linien
Quelle: Brian Ammon
(Wikicommons)
Die Bestandteile von Wörtern, die Buchstaben, werden durch eine Reihe von Fachbegriffen klassifiziert. Die Größe der Versalien wird als Versalhöhe bezeichnet. Gut zum Messen sind Buchstaben wie „E“, „H“ oder „M“. Die Mittellänge wird durch Kleinbuchstaben ohne Oberlängen definiert, wie „a“, „e“ oder „m“. Man nennt sie auch „x-Linie“. Die Oberlänge ist die Strecke, die ein Kleinbuchstabe über die Mittellänge ragt – beispielsweise beim „b“ oder „h“. Analog funktioniert das mit der Unterlänge, zum Beispiel beim „p“. Die Linie, auf der die Buchstaben stehen, heißt Schriftlinie oder Grundlinie.

Wort- und Zeilenabstand
Der Wortabstand muss zwei Dinge gewährleisten: Zum einen dürfen die einzelnen Wörter nicht ineinander fließen, sondern müssen sich leicht auseinander halten lassen. Zum anderen sollen die Worte aber nicht zu weit voneinander entfernt stehen, um den Lesefluss nicht zu unterbrechen. Üblich für den Wortabstand ist der Buchstabeninnenraum des Buchstabens „n“ oder ein Drittelgeviert. Beim Zeilenabstand sollte man ebenfalls darauf achten, dass die Zeilen nicht zu eng aufeinander hängen und dennoch der Abstand zwischen ihnen nicht zu groß wird. Optisch gesehen entspricht der Zeilenabstand etwa der Höhe der Mittellänge, man kann aber auch die Schriftgröße in Punkt durch zwei teilen und so den Zeilenabstand in Millimetern berechnen. Bei einer 12-Punkt-Schrift sollte der Abstand also sechs Millimeter betragen.

Die Laufweite verändern
Bei professionellen Schriften wurde die Laufweite der Buchstaben sorgfältig abgestimmt. Dennoch kann es nötig werden, die Laufweite manuell anzupassen. Verringert man die Abstände zwischen den Buchstaben, so spricht man vom Unterschneiden. Das Vergrößern der Buchstabenabstände heißt dagegen Spationieren. Technisch gesehen verändert man die Vor- und/oder Nachbreite eines oder mehrerer Buchstaben. Bei kleineren Schriftgrößen empfiehlt es sich, die Laufweite zu erhöhen, bei größeren Schriftgraden kann man sie verringern. Beides dient der Lesbarkeit. Auch unschöne Trennungen lassen sich durch eine Laufweitenänderung meist vermeiden.

Einzüge
Um Text zu gliedern, kann man Absätze durch Einzüge gestalten. Dabei wird die erste Zeile des Absatzes nach rechts eingerückt. In der Regel beträgt der Einzug ein Geviert. Bei einer 12-Punkt-Schrift wird um 12 Punkte eingezogen. Eine Variante ist der hängende Einzug: Dabei füllt man die erste Zeile und zieht die restlichen Zeilen eines Absatzes nach rechts ein. Weitere Bezeichnungen für diese Option sind negativer Einzug oder auch Auszug. Auch hier wird ein Geviert als Maßeinheit für den hängenden Einzug verwendet.