Der Farbabstand ∆E


Der Abstand zwischen zwei Farben wird als Wert ∆E (Delta E) angegeben. Er ist unter anderem bei der Qualitätskontrolle von Druckerzeugnissen wichtig


28. Juni 2007


Farben miteinander zu vergleichen ist gar nicht so einfach: Das menschliche Auge lässt sich leicht täuschen – außerdem sind Farbwahrnehmungen stets subjektiv. Was dem einen Betrachter ein Zitronengelb ist, sieht der andere schon als ein Sonnengelb an. In bestimmten Situationen ist eine objektive Vergleichbarkeit von Farben aber notwendig, beispielsweise, wenn im Druck die Unterschiede zwischen der Farbe der Vorlage und der Farbe der Reproduktion klassifiziert werden müssen. Hilfe bietet der Wert ∆E, der den Farbabstand zweier Farben in Zahlen angibt.

Komplizierte Formel?
Der Farbabstand zwischen zwei Farben wird als Wert ∆E (Delta E) angegeben. Er lässt sich durch eine Formel berechnen, die 1976 entwickelt wurde. Sie lautet:

∆E*ab = (∆L*2 + ∆a*2 + ∆b*2)1/2

Ausgegangen wird in der Formel vom L*a*b*-Wert einer Farbe. L* steht dafür für die Helligkeit der Farbe, a* für den Wert auf der Rot-Grün-Farbachse und b* für den Wert auf der Blau-Gelb-Farbachse. Zugrunde liegt das Modell des CIELAB-Farbraums, das umgangssprachlich wegen seiner Form auch als „Schuhsohle“ bezeichnet wird.

Erklärung der Formel
Als Delta-Werte für L*, a* und b* sind in die Formel die Differenzen der jeweiligen Werte zwischen den beiden Farben einzusetzen. Dann werden die Quadrate der Differenzen addiert. Daraus wird im Anschluss die Wurzel gezogen. Man erhält so den ∆E-Wert als Beschreibung des Unterschieds zwischen zwei Farben. Das ist in der Druckbranche vor allem wichtig, um zu überprüfen, ob im Druck die gleichen Farben wie in der Vorlage oder dem Proof erreicht wurden.

Farbunterschiede
Nach der Ermittlung des ∆E-Werts werden die Farbunterschiede klassifiziert. Werte, die geringer als 0,2 sind, werden vom Menschen nicht als Farbunterschied wahrgenommen. Werte zwischen 0,2 und 0,5 gelten als sehr geringer und ebenfalls nicht wahrnehmbarer Unterschied; Werte zwischen 0,5 und 1,5 noch als geringer Unterschied. Meist kann nur ein Fachmann einen Farbunterschied von 1,0 mit bloßem Auge erkennen. Ein deutlicher Farbunterschied liegt bei einem Wert zwischen 1,5 und 3,5 vor. Laien erkennen meist einen Farbunterschied ab einem Wert von 2,5. Von einem starken Unterschied spricht man bei Werten zwischen 3,5 und 5,0. Ein sehr starker Farbunterschied besteht bei allen Werten, die größer als 5,0 sind. Liegt bei einem Druck eine entsprechende Abweichung vor, liegt es im Ermessen des Kunden, diese Differenz zu tolerieren oder zu reklamieren.

Ab einem Farbunterschied von 10,0 ist die Reproduktion deutlich misslungen. Dank moderner Standards kommt das heutzutage jedoch so gut wie nicht mehr vor.

Art des Farbunterschieds
Um Farbunterschiede korrigieren zu können, ist es entscheidend zu sehen, welche Elemente der beiden Farben am deutlichsten voneinander abweichen. Ein Helligkeitsunterschied (L*) wird meist weniger störend wahrgenommen als Unterschiede auf der Rot-Grün- beziehungsweise Blau-Gelb-Farbachse. Deshalb sollten zusätzlich zum ∆E-Wert auch die einzelnen Unterschiede der Werte L*, a* und b* betrachtet werden.

Nachweis des Farbunterschieds
Mit Spektralfotometern lassen sich Farbunterschiede technisch schnell nachweisen. Diese Messgeräte beleuchten den (Probe-)Druck oder die Vorlage über das gesamte Spektrum des messbaren Lichts hinweg. Anschließend ermitteln sie die Remissionswerte der Rückstrahlung. Dadurch kann der genaue Farbort einer Farbe bestimmt werden. Spektralfotometer ermöglichen es, die Farborte zweier Farben einzulesen, zu vergleichen und den ∆E-Wert direkt abzulesen.

Problem der Metamerie
Beim Ermitteln von Farbwerten und -unterschieden kann das Phänomen Metamerie Probleme schaffen. Unter Metamerie versteht man die Tatsache, dass zwei Farben bei einer Beleuchtung gleich aussehen, bei anderer Beleuchtung aber plötzlich Unterschiede sichtbar werden. So unterscheidet sich der ∆E-Wert, der im Tageslicht gemessen wurde von dem bei künstlichem Licht errechneten Wert. Metamerien können jedoch mit Spektralfotometern nachgewiesen werden. Man erkennt bei der Auswertung, dass die Spektralkurven sich zwar schneiden, aber nicht deckungsgleich sind.


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