Druckverfahren - Teil 1


Eine Begriffs- und Funktionalitätsklärung zwischen Offset- und Digitaldruck und worin sich die Druckprodukte unterscheiden ...


16. November 2005


Bei den Druckverfahren unterscheidet man zwischen Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdruck. Während die Übertragung der Druckfarbe im Hoch-, Tief- und auch im Siebdruck (Durchdruck) direkt auf die Oberfläche des Bedruckstoffs erfolgt, liegen beim Flachdruck die druckenden und nichtdruckenden Stellen der Druckform auf nahezu einer Ebene. Das bekannteste Flachdruckverfahren ist der Offsetdruck. Daneben breitete sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend der elektrofotografisch mit Trockentoner arbeitende Digitaldruck aus.

Druckverfahren: Eine Übersicht
Im Allgemeinen unterscheidet man bei den möglichen Druckverfahren zwischen vier unterschiedlichen Varianten.

  1. Beim Hochdruck sind die druckenden Stellen deutlich höher auf der Druckform angebracht, als die nichtdruckenden. Die Farbe wird deshalb nur auf die höher liegenden Bereiche aufgebracht und werden von dort auf den Bedruckstoff übertragen. Der Hochdruck findet unter anderem beim Buchdruck und beim Flexodruck Anwendung.
  2. Im Tiefdruck hingegen liegen die druckenden Elemente der Druckform tiefer als die nichtdruckenden. Durch mechanischen Druck wird die in den Vertiefungen liegende Druckfarbe auf den Bedruckstoff übertragen. Neben den bereits seit vielen Jahrhunderten manuellen Techniken wie Kupferstich, Radierung, Aquatinta oder Heliogravüre wird der Tiefdruck auch industriell beim Rakeltiefdruck, Tampondruck oder Stahlstichdruck verwendet.
  3. Auch der Durchdruck ist nur ein Oberbegriff für eine bestimmte Art der Farbübertragung. In diesem Fall verwendet man farbdurchlässige Schablonen, durch welche die Druckfarbe auf den Bedruckstoff übertragen werden. Da man für alle Durchdruckverfahren ein Sieb verwendet, verwenden Drucker meist für Durchdruck auch den Begriff Siebdruck. Dies ist allerdings nur eines der Durchdruckverfahren, daneben gibt es noch die Serigrafie (künstlerische Form) und den Filmdruck (zylindrische Druckformen).
  4. Einen besonderen Rang bei den Druckverfahren nimmt der Flachdruck ein. Hier befinden sich die druckenden und nichtdruckenden Elemente der Druckform auf nahezu einer Ebene. Entwickelt wurde dieses auf chemischen und physikalischen Gesetzen beruhende Verfahren 1789 von Alois Senefelder, der durch Probieren die Lithografie - den chemischen Steindruck - erfand. Heute ist das meist verwendete Flachdruckverfahren der Offsetdruck.

Eine Sonderstellung nimmt der Digitaldruck ein, auf den später näher eingegangen wird.

Offsetdruck: Ein besonderes Flachdruckverfahren
Wie bei allen Flachdruckverfahren liegen auch beim Offset druckende und nichtdruckende Stellen der Druckform auf nahezu einer Ebene. Die Farbaufnahme und -abstoßung der Druckform beruht auf physikalischen und chemischen Gegebenheiten von bestimmten Substanzen. Sind diese farbannehmend, so behalten sie die Druckfarbe. Sind sie farbabstoßend, verweigern sie die Farbannahme und ziehen eher das Befeuchtungsmittel (Wasser) der Druckplatte an. Im Offsetdruck verwendet man hierzu dünne, meist aus Aluminium hergestellte, Platten. Sie werden mittels einer fotochemischen Beschichtung "belichtet" mit annehmenden (sogenannten lipophilen) und bildfreien (sogenannten hydrophilen) Stellen. Letztere werden durch Befeuchtung mit Wasser (sogenanntes "Wischwasser") farbabstoßend, während die lipohilen Stellen die Farbe wie ein "Magnet" aufnehmen. Die relativ harten Druckplatten haben jedoch den Nachteil, dass sie ebenfalls harte Stoffe nicht besonders gut bedrucken können. Deshalb schaltete man schon bald einen Gummizylinder zwischen Druckplatte und Papier, der die Druckfarbe von der Druckform auf ein Gummituch und von dort erst auf die Oberfläche des Bedruckstoffs (d.h. Papier oder Karton) überträgt. Deshalb spricht man beim Offsetdruck auch vom indirekten Flachdruck bzw. indirekten Gummidruck.

Ausnahme: Wasserloser Offsetdruck
Normalerweise arbeitet der Offsetdruck mit lipophilen und hydrophilen Bildstellen, für die eine stetige Befeuchtung mit dem sogenannten "Wischwasser" notwendig ist. Eine Ausnahme hiervon bildet jedoch der eher selten eingesetzte wasserlose Offsetdruck, auch Trockenoffset genannt. Hierbei werden die Spezialplatten an den bildfreien Stellen mit einer Silikon-Gummischicht versehen, welche ohne den Zusatz von Feuchtigkeit farbabstoßend wirkt. Für dieses Druckverfahren sind deshalb auch besondere Farben notwendig, die brillianter als im wassergebundenen Offset ausfallen. LASERLINE druckt mit seiner Quickmaster ebenfalls im Trockenoffsetverfahren. Der Vorteil dieses Verfahrens ist neben der Farbwiedergabe auch die Umweltfreundlichkeit. Denn im Trockenoffset entfallen Wasserzugabe und insbesondere der noch häufig verwendete Alkoholzusatz und Zusätze gegen Verschmutzung und Algen im Wasser. Nachteil des wasserlosen Offsetdrucks aber ist, dass in der Praxis die Farbsteuerung wesentlich empfindlicher reagiert als beim mit Wischwasser arbeitenden Offsetdruck. Insofern wird die Branche auch weiterhin das konventionelle Nassoffset bevorzugt einsetzen, heutzutage aber mit vielen Hilfsmitteln und Meßgeräten zur Qualitätssicherung.

Unterschied Rollen- und Bogenoffsetmaschinen 
Der Offsetdruck lässt sich mit zwei unterschiedlichen Offsetdruckmaschinen realisieren, die je nach Produktionsbereich eingesetzt werden. Man differenziert hierbei zwischen den Bogen-Offsetdruckmaschinen und den Rollen-Offsetdruckmaschinen. Mit den auch bei LASERLINE eingesetzten Bogen-Offsetdruckmaschinen werden bogenförmige Bedruckstoffe verarbeitet, die einzeln nacheinander bedruckt werden. Hierzu wird in die Maschine ein Papierstapel eingelegt, der dann automatisch einzeln dem Druckwerk zugeführt wird. Die Verarbeitung der einzelnen Bogen erfolgt nach dem Druck in einem separaten Fertigungsschritt. Anders ist dies bei Rollen-Offsetdruckmaschinen, die häufig zum Zeitungsdruck eingesetzt werden. Sie erhalten das Papier von einer großen Rolle nahezu endlos zugeführt und verarbeiten dieses in der Maschine bis nahezu zum fertigen Produkt. Falzen, Schneiden und Auslegen sind ebenso Verarbeitungsschritte der Maschine wie der beidseitige Druck.

Vorteile des Offsetdrucks
Egal aber welche Maschinenbauart der Offsetdrucker einsetzt, die Vorteile des Offsetdruck sind bei beiden identisch. Sie liegen nicht nur in einer sehr hohen Druck- und Produktionsleistung, sondern auch in einer sicheren Produktion mit (farblich) hoher Qualität. Durch das elastische Gummituch ist man in der Lage, nahezu alle Papier und Pappen zu bedrucken, selbst wenn diese geprägt, rau oder strukturiert sind. Die bedruckten Papiere sind je nach eingesetzter Farbqualität relativ lichtecht und der Farbauftrag widerstandsfähig z.B. gegen nochmaliges Bedrucken im Laserdrucker, dessen Temperaturen sehr hoch sind. Dennoch ist für eine wirtschaftliche Rentabilität eine hohe Auslastung der Maschinen notwendig. Deshalb rechnet sich der Offsetdruck vor allem bei mittleren und höheren Auflagen.

Sonderstellung Digitaldruck
Neben den herkömmlichen Druckerverfahren bahnt sich zunehmend der Digitaldruck seinen Weg in die Druckereien. Digitaldruck ist jedoch mehr ein Schlagwort, als eine tatsächliche Umschreibung eines Druckverfahrens, denn dahinter können die unterschiedlichsten Techniken stehen: Die digitale Herstellung nur der Druckform, die digitale Herstellung des Films zur Belichtung der Druckform oder der tatsächliche Computer-to-Paper-Prozess, bei dem ohne Druckform direkt auf den Bedruckstoff gedruckt wird. Diese Technik ist der eigentliche Digitaldruck, die dahinter stehenden Verfahren aber unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Digitaldruckmaschinen können mit Thermosublimation, Inkjet (Tintenstrahldruck) oder Elektrofotografie arbeiten. Allen gemein aber ist, dass die Herstellung einer Druckform entfällt. Die digital vorbereiteten Daten werden vielmehr immer wieder neu auf die Maschine übertragen. Damit entfällt ein zeitaufwändiger Zwischenschritt, die Plattenherstellung, und der Digitaldruck kann deutlich günstiger bei kleinen Auflagen produzieren.

Digitaldruck bei LASERLINE
Auch die bei LASERLINE eingesetzte NexPress-Digitaldruckmaschine ist eine Computer-to-Paper-Maschine. Sie besitzt ein Vierfarben-Druckwerk plus einer Sonderfarbe und eine Wendeeinrichtung für den beidseitigen Vierfarbdruck. Sie arbeitet nach dem elektrografischen System mit Trockentoner, d.h. vom Prinzip her wie ein normaler Laserdrucker, der mittels elektrischer Spannung auf seinem sich drehenden Zylinder aufgeladen wird. Die geladenen Stellen ziehen den Trockentoner an und übertragen diesen dann auf das Papier, wo die Farbe mittels Hitze und Druck fixiert wird. Dank eines eingesetzten Gummituchzylinders ist der Druck auf der NexPress auf den verschiedensten Papiersorten und -grammaturen möglich.

Vor- und Nachteile Digitaldruck
Ein Vorteil des Digitaldrucks ist die schnelle Produktion auch kleinster Auflagen, dank der nicht mehr notwendigen Druckplatten-Produktion. Hierdurch lassen sich sogar Einzelexemplare zu akzeptablen Preisen schnell und ohne großen Aufwand produzieren. Gerade für personalisierte Direktmailings ist diese Möglichkeit besonders geeignet. Jedoch birgt der Computer-to-Paper-Prozess auch Nachteile in sich. Einer davon ist durch durch die Verfahrenstechnik bedingt. Die Farbe wird im Digitaldruck durch Hitze auf das Papier fixiert. Wird das Druckprodukt nun erneut großer Hitze z.B. im Laserdrucker ausgesetzt, kann sich die Fixierung lösen - die Farbe "platzt" nahezu ab. Im Digitaldruck hergestellte Produkte lassen sich daher nicht nochmals bedrucken. Zudem ist darauf zu achten, dass elektrofotografisch arbeitende Systeme trotz fortgeschrittener Technologie noch immer leichten Schwankungen unterliegen, die jedoch meist marginal ausfallen. Bei LASERLINE wird die NexPress dennoch nahezu täglich erneut justiert und durchgemessen um sicherzustellen, dass Ihre Digitaldruckprodukte auch bei unterschiedlichen Produktionstagen die gleiche Farbigkeit aufweisen.